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Energiespeicherung: Der Ausbau gewinnt an Dynamik!

Ein Beitrag von tzimmer 17 21.12.2019

Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien und dem steigenden Anteil der E-Mobilität am Gesamtverkehr könnte der Energiespeicherung zukünftig eine wichtige Rolle zukommen. Der Ausbau der Systeme schreitet dabei voran, die Kosten für die Komponenten sinken weiterhin. Können auch Anleger von den jüngsten Entwicklungen profitieren?
 
Tesla Motors Inc
 
 
Varta
 

Das Jahr 2019 könnte aus Sicht des Ausbaus der Erneuerbaren Energien positiv eingeschätzt werden. Global betrachtet dürfte sich der Ausbau der Gesamtleistung auf ein Wachstum von rund 12 Prozent belaufen, wodurch die Dynamik nach einem schwächeren Jahr 2018 wieder zugenommen hat. Eng mit dem Themenfeld Erneuerbare Energie verknüpft ist das Technologiefeld der Energiespeicherung, in Bezug auf die Erreichung der Klimaziele kommt der Speichertechnologie ebenfalls eine zentrale Rolle zu. Wohin diese Entwicklung gehen könnte, zeigt ein Projekt aus den Niederlanden. Dort soll im kommenden Jahr ein Hybrid-Kraftwerk des Energieerzeugers Vattenfall ans Netz gehen, welches eine Photovoltaik-Anlage mit einem Windpark kombiniert und darüber hinaus einen Stromspeicher mit einer Kapazität von 12 Megawatt umfassen wird. Die weiterhin sinkenden Produktionskosten der Erneuerbaren Energien haben die Situation herbeigeführt, dass laut einer Bloomberg-Studie bereits heute regenerative Energiequellen in zwei Dritteln aller Länder die günstigste Energiegewinnungsweise darstellen. Dieser Umstand könnte unabhängig von Subventionen und politischen Maßnahmen künftig dazu führen, dass der Ausbau der erneuerbaren Energiequellen eine betriebswirtschaftliche Eigendynamik entwickelt, wodurch sich auch die Nachfrage nach den einzelnen Komponenten der Kraftwerke erhöhen könnte. Von einem solchen Szenario geht derzeit auch das Marktforschungsinstitut „Wood Mackenzie Power & Renewables“ aus, welches in einer aktuellen Studie eine Entwicklung der weltweiten Speicherkapazität von 12 Gigawattstunden im Jahr 2018 auf 158 Gigawattstunden im Jahr 2024 prognostiziert. Dieser Verlauf würde Gesamtinvestitionen in Höhe von circa 71 Milliarden US-Dollar über den Verlauf des Prognosezeitraums nach sich ziehen. Vor allem in den USA und China soll der Ausbau hierbei besonders stark ausfallen. Unter dem Eindruck dieser Zahlen könnte sich für Anleger ein Investment in Unternehmen lohnen, welche sich mit der Entwicklung und Fertigung von Speicherlösungen beschäftigen.

Varta (DE000A0TGJ55)

Einen der positivsten Aktienkursverläufe der deutschen Unternehmen verzeichnete in der jüngeren Vergangenheit die in Ellwangen ansässige Varta AG. Während die Geschichte des Unternehmens bis ins Jahr 1887 zurückreicht, erfolgte der Börsengang erst im Oktober 2017. Seither hat sich der Kurs der Aktie von 17,50 Euro auf mittlerweile mehr als 140 Euro entwickelt. Im Zuge des Börsengangs wurde das Unternehmen vom Management neu strukturiert. Seither untergliedert sich Varta in zwei Unternehmenssparten, in die Segmente „Microbatteries“ sowie „Power & Energy“. Während ersterer Bereich das klassische Geschäft des Unternehmens umfasst, unter anderem kleine Lithium-Ionen-Batterien und Akkutechnik für Hörgeräte, bündelt die Sparte Power & Energy primär die Aktivitäten hinsichtlich der Entwicklung und Produktion von Energiespeichersystemen. Aufwind erhielt die Aktie vor allem durch eine Entscheidung der europäischen Kartellbehörden, welche den amerikanischen Konkurrenten Energizer aufforderte, den vor 17 Jahren von Varta erworbenen Unternehmensteil zur Herstellung von Haushaltsbatterien, Taschenlampen und Ladegeräten wieder zu veräußern. Dieser Entscheid ermöglicht Varta nun eine überaus interessante Geschäftsmöglichkeit. Für eine Summe von 100 Millionen Euro kann Varta die eigene Sparte zurückerwerben, samt deren aktuellem Schuldenstand in Höhe von 80 Millionen Euro. Im Gegenzug könnte sich der Gesamtumsatz des Unternehmens, der im vergangenen Jahr noch bei rund 300 Millionen Euro lag, in Folge dieses Geschäfts jedoch verdoppeln. Der zweite große Grund für das Vertrauen der Aktionäre in den Wert könnte durch die Ausrichtung der Unternehmensführung auf neue Technologien begründet sein. Momentan fällt die Geschäftssparte Power & Energy im Vergleich zum Gesamtgeschäft noch relativ klein aus, dies soll sich zukünftig jedoch ändern. Um diese Entwicklung voranzutreiben, schuf das Unternehmen kürzlich die Position des „General Manager Energy Storage Systems“, wodurch die Entwicklungs- und Vertriebsaktivitäten im Zusammenhang mit Heimsystemen und gewerblichen Speichern gebündelt werden sollen. Ein wichtiges Pilotprojekt konnte sich das Unternehmen auf europäischer Ebene sichern. Im Rahmen des Projektes „Wisegrid“ werden Varta-Komponenten genutzt, um auf der griechischen Insel Kythnos das Stromnetz zu stabilisieren. In diesem Zusammenhang erhält man zudem Fördergelder durch die Europäische Union. Das Programm umfasst auch weitere Tests in Spanien, Italien und Belgien und bietet für Varta die Gelegenheit, seine Technologiekompetenz unter Beweis zu stellen und Erfahrungswerte im internationalen Kontext, in verschiedenen Stromnetzen, zu sammeln. Varta könnte für die deutsche Batterieproduktion und Speichertechnologie im internationalen Wettbewerb künftig eine wichtige Rolle einnehmen. Der Bund stellte nun Fördergelder in Höhe von bis zu einer Milliarde Euro in Aussicht, sofern sich Unternehmen bereit erklären, in die eigenen Produktionslinien für die Zellenfertigung zu investieren. Neben BMZ zählt Varta hier zu den Hauptbewerbern und könnte eine Gelegenheit nutzen, um Subventionen für den Ausbau der eigenen Kapazitäten zu erhalten. Bezüglich der Akkutechnologie und Ladelösungen befindet man sich derzeit auch in Gesprächen mit dem Großzulieferer Magna International. Künftig wäre es also auch denkbar, dass Varta mit seiner Speichertechnik in den Automobilmarkt eintritt.

Tesla Motors Inc (US88160R1014)

Mit Tesla verbindet man primär die Elektrofahrzeuge des Unternehmens. Dabei ist es seit jeher die Vision von CEO Elon Musk, dass Tesla-Kunden ein umfassendes Ökosystem erwerben können, bestehend aus Ladesäulen, PV-Technologie und Fahrzeugen. Mittel- bis langfristig sieht der Plan des Unternehmens laut Musk vor, dass die Sparte für Speicherlösungen eine ähnliche Größe wie das Fahrzeuggeschäft erreichen soll. Im dritten Quartal dieses Jahres betrugen die Umsätze mit den Fahrzeugen 5,35 Milliarden US-Dollar. Die Solar- und Speicherumsätze weist Tesla nicht gesondert aus, in Anbetracht des Gesamtumsatzes von 6,3 Milliarden US-Dollar lässt sich deren gegenwärtige Größenordnung jedoch erahnen. Insgesamt beliefen sich die Gesamteinnahmen aus diesem Feld auf 328 Millionen US-Dollar. Während der Entwicklung und der Produktionsvorbereitung für das wichtige Model 3 mussten die Investitionen und Entwicklungsarbeit in Hinblick auf die Energie- und Speicherlösungen zwischenzeitlich für etwa 2 Jahre zurückstehen. Auch Produktionskapazitäten der Speicherdivision wurden über diesen Zeitraum für den Batteriebau des Model 3 verwendet. Künftig soll die Entwicklung hier aber stärker fokussiert werden, um das gewünschte Wachstum der Sparte zu forcieren. Hinsichtlich der Bereitstellung von Energiespeichersystemen konnte man im abgelaufenen Quartal einen neuen Rekord feiern, indem man 477 Megawattstunden an Speicherleistung installierte. Im März dieses Jahres konnte man die bisher größte Einzelanlage im japanischen Osaka installieren. Diese 7 Megawattstunden-Anlage besteht aus 42 „Tesla Powerpack“-Speichern und dient primär der Absicherung einer Zugstrecke. Im Falle von Stromausfällen reicht die gespeicherte Energie aus, um einen Zug bis zur nächsten Station anzutreiben, zudem soll das System zu Bedarfsspitzen auch Energie in das städtische Energienetz abgeben können. Vergangenen Monat konnte man zudem auf dem europäischen Markt einen bedeutenden Vertrag abschließen. Das slowenische Start-Up „NGEN“ gab den Erwerb von Powerpacks im Wert von 15 Millionen Euro bekannt, um ein Entlastungssytem für Energienetze zu installieren, welches mit Hilfe künstlicher Intelligenz Bedarfsspitzen antizipieren soll. Bei erfolgreicher Implementierung soll Mitte des kommenden Jahres ein weiters System verbaut werden, wodurch für Tesla ein Folgeauftrag entstehen könnte. Im Juli stellte Tesla jedoch bereits eine noch leistungsfähigere Speicherlösung vor, den sogenannten „Megapack“. Im Vergleich zum Powerpack weist ein Megapack eine um 60 Prozent höhere Energiedichte auf. Mit diesem neuen Produkt wird Tesla am neuen kalifornischen Energiespeicher-Projekt des Energieerzeugers „PG&E“ beteiligt sein. Von der Gesamtkapazität in Höhe von 567 Megawatt sollen 182,5 Megawatt auf Megapacks entfallen. Mit dem Megapack hat Tesla ein Leistungsniveau erreicht, welches es dem Unternehmen ermöglicht, mit den sogenannten „Peaker Plants“, also kleineren Kraftwerken zur Abdeckung von Bedarfsspitzen, in Konkurrenz zu treten. Durch Kombination mehrerer Megapacks sollen Systeme mit einer Kapazität von bis zu einer Gigawattstunde möglich werden. Eine Reihe von Kommunen in Kalifornien haben bereits im vergangenen Jahr den Betrieb von Peaker Plants eingeschränkt und suchen aktiv nach Lösungen, welche auf Erneuerbaren Energien beruhen. Somit könnte das PG&E-Projekt ebenfalls das Potenzial für Folgeaufträge bergen. Damit würde Tesla dem langfristigen Ziel einer Parität zwischen Fahrzeugen und Energiesystemen einen Schritt näherkommen.

Auch auf dem privaten Wohnungsmarkt könnte das Thema Energiespeicherung in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen, wodurch unter anderem das amerikanische Unternehmen Sunrun zu den Profiteuren zählen könnte. Die Sunrun Corporation wurde im Jahr 2007 gegründet und operiert mittlerweile in 23 US-Bundesstaaten sowie in Puerto Rico. Das Geschäftsmodell sieht die Installation kompletter Solarsysteme für Wohnimmobilien vor, zu deren Umfang auch Speichersysteme zählen können. Aktuell ist Sunrun auf dem amerikanischen Markt für Solarinstallationen der Marktführer auf dem Privatmarkt. Eine Besonderheit des Geschäftsmodells liegt darin, dass der Kunde die installierten Solarsysteme nicht erwirbt, sondern mit Sunrun Abnahmeverträge über die generierte Energie abschließt, welche üblicherweise eine Laufzeit von 20 Jahren aufweisen. Diese Abnahmeverträge bündelt das Unternehmen wiederum und veräußert sie an Investoren, um die Kosten für die Installation, samt eigener Marge, zu decken. In den vergangenen Jahren ermöglichte dieses Modell dem Unternehmen ein schnelles Wachstum, die sinkenden Kosten für die technischen Komponenten gereichten Sunrun in Verbindung mit konstanten Strompreisen gar zum Vorteil. Investoren sollten sich mittelfristig jedoch mit der Struktur der verbleibenden Marge auseinandersetzen. Diesen Wert beziffert Sunrun derzeit auf 1,4 Milliarden US-Dollar, wobei hier auch der Wert der Verlängerungsoptionen mit einer Laufzeit von 10 Jahren mit eingerechnet ist. Bei der aktuellen technologischen Entwicklungsgeschwindigkeit kann bei einer Laufzeit von 20 Jahren jedoch nicht davon ausgegangen werden, dass Kunden die bestehenden Verträge verlängern. Die Berechnungsstruktur dieser Nettoeinnahmen sollten Investoren daher im Hinterkopf behalten und die Kalkulationsmethode beobachten. Das abgelaufene Quartal verlief operativ erwartungsgemäß. Mit einer Installationskapazität von 107 Megawatt konnte im Vergleich zum Vorjahr ein Wachstum in Höhe rund 7 Prozent verzeichnet werden. Mit dieser Leistung konnte man seine Marktführerschaft auf dem Privatmarkt gegenüber den Konkurrenten Vivint Solar und Tesla, das für private Zwecke die sogenannte Powerwall vertreibt, eindeutig behaupten. Gleichzeitig ließ Sunrun auch verlauten, dass man das Gesamtziel für das Jahr 2019 wohl verpassen wird. Grund hierfür ist die angespannte Personalsituation auf dem kalifornischen Arbeitsmarkt, vor allem hinsichtlich von Fachkräften für Solarinstallationen. Die Auftragslage würde zur Erreichung der Jahresziele genügen, aufgrund fehlender Personalkapazitäten konnte man die Installationen jedoch nicht im geplanten Tempo durchführen. Das Auftragsvolumen entwickelte sich dabei weiterhin solide, für das Gesamtjahr dürfte sich das Wachstum hier auf einen Wert zwischen 15 und 20 Prozent belaufen. Das Themenfeld Energiespeicherung bietet für Sunrun die Möglichkeit, das Geschäftsmodell zu diversifizieren. Durch den Verkauf der „BrightBox“ können Umsätze unabhängig von den Abnahmeverträge erzielt werden. Auf dem Hauptmarkt in Kalifornien sind in vielen Kommunen die Strompreise zu Abnahmespitzen flexibel, ein Zugriff auf gespeicherte Energie ist für Verbraucher daher sehr attraktiv. Durch die in Kalifornien als Folge der Waldbrände in jüngerer Vergangenheit aufgetretenen Stromausfälle lassen sich diese Systeme derzeit als Back-Up ebenfalls gut vermarkten. Im Zusammenhang mit Speicherlösungen besteht für Sunrun noch Wachstumspotenzial, der große Pool an Bestandskunden bietet hier Möglichkeiten zur zusätzlichen Monetarisierung bereits installierter Systeme durch Installations- und Wartungsaufträge. Anleger sollten aber auch darauf achten, wie sich die Beschäftigungssituation des Unternehmens in den kommenden Quartalen entwickelt.


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