Analyse Aktien Luxuskonsum

Luxuskonsum: Die Geschäfte laufen prächtig!

Ein Beitrag von Mr. Dow 0 21.01 - 16:47

Das Jahr 2019 stand auch unter dem Zeichen eines sich verlangsamenden Wirtschaftswachstums und steigender Rezessionsbedenken. Weitgehend unberührt hiervon zeigte sich das Marktsegment für den Luxuskonsum, viele Wettbewerber konnten auf diesem Feld steigende Umsätze verzeichnen. Diese Situation könnte auch für Anleger von Interesse sein.
 
LVMH Moet Hennessy Louis Vuit...
 
 
Pernod-Ricard
 

Während der Finanzkrise Ende vergangener Dekade erwies sich die Geschäftslage von Luxusunternehmen als erstaunlich stabil. Während es bei den meisten Wettbewerbern zu lediglich moderaten Umsatzrückgängen kam, entwickelte sich das Geschäft mit Luxusgütern in den letzten Jahren wieder deutlich positiv. Vor allem eine wachsende Mittel- und Oberschicht in China treibt derzeit den Handel mit Luxuskonsumgütern an. Im Jahr 2018 konnte dieser Markt erneut um 6 Prozent zulegen, stieg letztlich auf 260 Milliarden Euro. In einer kürzlich veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung „Bain & Company“ wird für das laufende Jahr ein neuer Umsatzrekord in Höhe von 276 Milliarden Euro prognostiziert. Bis zum Jahr 2025 soll sich das jährliche Wachstum auf einen Bereich zwischen 3 und 5 Prozent einpendeln. Einen weiteren positiven Trend aus Sicht der Nobelproduzenten könnte man in der Verjüngung der Käufergruppen sehen. Derzeit wächst die Generation der 20- bis 35-Jährigen zur stärksten Konsumentengruppe heran. Diese Gruppe wird in der Bain-Studie für das Jahr 2025 auf einen Marktanteil von 45 Prozent geschätzt. Um innerhalb dieser Kundenschicht Zugewinne zu verzeichnen, bieten viele Produzenten von Luxusgütern mittlerweile Produkte des sogenannten „Entry-Levels“ an, welche sich durch geringere Preise auszeichnen, das jeweilige Markenimage jedoch weiterhin transportieren und hierdurch die Kunden auch langfristig an die Marke binden sollen. Vor dem Hintergrund der genannten Umstände könnte sich ein Investment in Luxusunternehmen auch für Anleger lohnen. Ein Blick über verschiedene Produktkategorien hinweg soll im Folgenden eine Reihe von Möglichkeiten präsentieren, mit denen ein Investment in den Luxussektor möglich wird.

LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton SA (FR0000121014)

LVMH sorgte inmitten der Finanzkrise des Jahres 2008 durch die Bekanntgabe eines Umsatzwachstums um 4,5 Prozent für Aufsehen. Im dritten Quartal jenes Jahres, das gemeinhin als Start der starken Rezession gesehen wird, wuchs bei LVMH vor allem der Absatz mit Handtaschen und Lederwaren überproportional stark. Das französische Unternehmen wurde im Jahr 1987 gegründet. LVMH entstand dabei aus der Fusion von Louis Vuitton und Moet Hennessy. Insgesamt umfasst das Portfolio des Konzerns aktuell mehr als 70 Luxusmarken und fast 4.000 Einzelhandelsfilialen. Neben den namensgebenden Marken Louis Vuitton, Moet und Hennessy gehören auch Markennamen wie Christian Dior, Tag Heuer, Kenzo oder Dom Perignon zu LVMH. Diese Zahlen könnten sich in naher Zukunft nochmal bedeutend erhöhen. Ende November wurde bekannt, dass der französische Konzern die Übernahme des US-amerikanischen Schmuckproduzenten Tiffany plant. Mitte des kommenden Jahres soll das Geschäft finalisiert werden. Die Gesamtsumme der Transaktion wird auf 14,7 Milliarden Euro taxiert. Durch diese Akquisition möchte LVMH auch auf dem amerikanischen Markt seine Präsenz weiter erhöhen, Tiffany hat sich zudem auf dem aufstrebenden chinesischen Markt eine gute Position erarbeitet. Seine Marktmacht baut LVMH durch diese Übernahme weiter aus, im Jahr 2020 könnte die beträchtliche Übernahmesumme jedoch die Profitabilität des Konzerns beeinträchtigen. Anleger sollten sich vor einem Investment dieses Umstands bewusst sein. Zudem hat sich die Aktie durch die positiven Einschätzungen der Übernahme nochmals verteuert. Derzeit kostet ein Anteilsschein am Unternehmen mehr als 400 Euro, die Marktkapitalisierung ist auf mehr als 200 Milliarden Euro gestiegen. Hierdurch ist LVMH aktuell das wertvollste europäische Unternehmen. Unterstützend für die hohe Bewertung könnte auch die aktuell gute Geschäftsentwicklung gewirkt haben. Im dritten Quartal 2019 konnten die Umsätze den Analystenprognosen enteilen und stiegen um 17 Prozent auf 13,3 Milliarden Euro. Das Wachstum fiel hierdurch auf ein ähnliches Niveau wie im Gesamtjahr. In den ersten drei Quartalen des Jahres konnte man ein Umsatzplus in Höhe von 16 Prozent verzeichnen, insgesamt belief sich der Umsatz auf 38,4 Milliarden Euro. Vor allem die Kernmarke Louis Vuitton konnte im gleichen Zeitraum mit 22 Prozent überproportional wachsen. Weiterhin könnte man positiv hervorheben, dass in Europa, Asien und den USA auf allen wichtigen Märkten Zuwächse verzeichnet werden konnten. Die Geschäftslage könnte man derzeit also positiv einschätzen, auch wenn die Tiffany-Übernahme sich kurzfristig durch die hohen Transaktionskosten noch nicht merklich auszahlen könnte. Mittel- bis langfristig könnte Tiffany für den französischen Konzern jedoch weiteres Wachstumspotenzial eröffnen.

Pernod-Ricard (FR0000120693)

Während LVMH auch eine Reihe von Spirituosen im Sortiment hat, ist das ebenfalls französische Unternehmen Pernod Ricard gänzlich auf Edel-Getränke spezialisiert. Auch dieser Konzern entstand ursprünglich aus einem Zusammenschluss. Im Jahr 1975 fusionierten die Unternehmen Pernod und Ricard zu einem Konzern. Zu den bekanntesten Marken der Gruppe zählen Namen wie Havana Club, Jameson, Amaro Ramazotti, Aberlour, Absolut oder Chivas Regal. Im August 2018 stieg der Investor Paul Singer mit seinem Hedge-Fonds „Elliott“ in den Konzern ein und pushte die Aktie auf einen Wert von über 44 Milliarden Euro. Im Geschäftsjahr 2018/19 entwickelten sich die Geschäfte auch bei Pernod Ricard zufriedenstellend. Um fast 9 Prozent konnte man das operative Ergebnis auf 2,6 Milliarden Euro steigern, während der Gesamtumsatz um 5 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro stieg. Der Gewinn sank im Vergleich zum Vorjahr jedoch um 8 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro, als Grund hierfür gab das Management Sondereffekte in der Bilanz an. Positiv hervorzuheben ist jedoch, dass die Verkäufe vor allem auf dem asiatischen Markt stark zulegen konnten. In China konnte man ein Umsatzplus von 21 Prozent erzielen, in Indien beliefen sich die Zuwächse auf 20 Prozent. Zudem konnten Preiserhöhungen bei einigen der meistverkauften Whiskysorten ohne Umsatzrückgänge durchgesetzt werden. Die Umsätze in Europa und den USA stagnierten jedoch, diese Entwicklung sollten interessierte Anleger im Blick behalten. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres konnte man den Umsatz auf dem US-Markt um 6 Prozent steigern. In diesem Zusammenhang sollten jedoch die Umsätze des zweiten Quartals abgewartet werden. Grund hierfür sind US-Zölle auf Spirituosen, die seit Mitte Oktober von der amerikanischen Regierung erhoben werden. Während die US-amerikanischen Strafzölle auch Pernod Ricard treffen, sollte herausgestellt werden, dass das Unternehmen aktuell etwa 70 Prozent seines Umsatzes außerhalb der USA generiert. Eine gewisse Krisenresistenz wäre hier also gegeben. Das Geschäftsjahr 2019/20 startete aus Sicht des Konzerns verhalten. Der Umsatz wuchs im ersten Quartal lediglich um 1,3 Prozent auf 2,48 Milliarden Euro. Auf dem chinesischen Markt verlangsamte sich das Wachstum derweil ebenfalls. 6 Prozent beträgt das Umsatzplus in diesem Zeitraum, im Vorjahreszeitraum belief sich dieses Plus noch auf 27 Prozent. Um das Wachstum auf dem chinesischen Markt langfristig zu befeuern, plant das Management für das Jahr 2021 die Eröffnung der ersten von einem ausländischen Unternehmen innerhalb Chinas betriebenen Destillerie. Diese wird derzeit in Emeishan erbaut. Die Marktführerschaft auf dem chinesischen und indischen Markt könnte für das Unternehmen den Schlüssel für die zukünftige Entwicklung darstellen. Anleger sollten auf die weitere Geschäftsentwicklung auf diesen Märkten achten.

Auch der Fahrzeugmarkt besitzt seit jeher eine Nische für Luxusprodukte. Zu den traditionsreichsten Luxusmarken auf dem Automobilmarkt zählt hierbei das italienische Unternehmen Ferrari. Von Enzo Ferrari einst gegründet, blickt der Fahrzeugproduzent auf eine mittlerweile mehr als 70 Jahre andauernde Unternehmensgeschichte zurück. Während die Saison für das firmeneigene Formel 1-Teams recht unbefriedigend verlief, konnte man beim Absatz der Sportwagen ein gutes Jahr verzeichnen. Auch im dritten Quartal 2019 konnte man den Fahrzeugabsatz sowie den Gesamtumsatz um jeweils 9 Prozent steigern. Insgesamt konnten 915 Millionen Euro umgesetzt werden, 2.474 Sportwagen wurden in diesem Zeitraum abgesetzt. Der Gewinn belief sich letztlich auf 169 Millionen Euro. Dieser hatte im vergangenen Jahr aufgrund einer steuerlichen Gutschrift noch um 41 Prozent höher gelegen, bereinigt um diesen einmaligen Effekt zeigte sich die Geschäftsführung mit den aktuellen Zahlen jedoch sehr zufrieden. Die Ergebnisprognose für das Gesamtjahr wurde in der Folge um 200 Millionen Euro angehoben und soll sich auf einen Gesamtumsatz in Höhe von 3,7 Milliarden Euro belaufen. Das Ebitda wird nun auf einen Wert von 1,27 Milliarden Euro prognostiziert, während es zuvor noch auf einen Korridor zwischen 1,20 und 1,25 Milliarden Euro geschätzt wurde. Wie anhand obiger Zahlen zu erkennen ist, operiert das Unternehmen sehr profitabel. Mit vergleichsweise niedrigen Absatzzahlen und Umsätzen erzielt Ferrari hohe Gewinnmargen. Dieser, für Luxusmarken gängige, Umstand unterscheidet den italienischen Automobilbauer derzeit von den Massenherstellern in der Branche. Mitverantwortlich hierfür zeichnet sich die Modellpolitik des Unternehmens. Viele Modelle sind streng limitiert, durch diese künstliche Verknappung ist es Ferrari in den vergangenen Jahren immer wieder gelungen, seine Fahrzeuge zu immer höheren Preisen abzusetzen. Auch aktuell ist beispielsweise die Nachfrage nach den limitierten Modellen „812 Superfast“ und „Portofino“ groß. Von den globalen Handelskonflikten, welche derzeit viele Automobilproduzenten belasten, ist Ferrari kaum betroffen. Zwar treffen die Tarife auch das italienische Unternehmen, die Preissensitivität der Kundschaft ist jedoch sehr viel geringer, die Kosten können größtenteils an den Käufer weitergegeben werden. Hinsichtlich neuer Technologien wie der Elektromobilität und des autonomen Fahrens befindet sich Ferrari mit seinem Markenimage und Unternehmenskern ebenfalls weniger stark unter Zugzwang als große Automobilhersteller. Hinsichtlich der Hybridtechnologie verfolgt das Unternehmen hingegen ehrgeizige Ziele. Bis zum Jahr 2022 sollen 60 Prozent der produzierten Fahrzeuge mit dieser Antriebsart ausgerüstet sein. Bezüglich der Adoption von disruptiven technischen Konzepten könnte man hingegen wohl die Entwicklung auf dem Massenmarkt beobachten und in der Folge potenzielle Fehlinvestitionen vermeiden.


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