Analyse Aktien Nahrungsmittel

Beyond Meat: Trendsetter für Nahrungsmittelproduzenten?

Ein Beitrag von tzimmer 15 08.07 - 19:01

Die Kursrallye des Fleischersatz-Produzenten Beyond Meat sorgt an der Börse derzeit für Aufsehen. Vor allem bei jüngeren Konsumenten scheinen die Produkte des Unternehmens den Zeitgeist zu treffen. Können im Windschatten des Börsenneulings auch weitere Aktien aus dem Bereich der veganen beziehungswiese vegetarischen Ernährung von dessen aktuellem Höhenflug und der damit verbundenen Medienaufmerksamkeit profitieren?
 
Hain Celestial Group Inc
 

Die Produkte der Nahrungsmittelindustrie orientieren sich traditionell am Zeitgeist der Gesellschaft und an den damit verbundenen Bedürfnissen und Wünschen der Verbraucher. Im Verlauf der letzten Dekade konnte man hierbei eine zunehmende Bedeutung vegetarischer und veganer Ernährungsweise beobachten. Laut den Daten des Marktforschungsunternehmens „GlobalData“ stieg der Prozentsatz der amerikanischen Konsumenten, die sich selbst als vegan bezeichnen zwischen 2014 und 2017 von einem Prozent auf 6 Prozent an. Die Zahl der sich vegetarisch ernährenden Personen verlief in den vergangenen 20 Jahren dabei konstant und pendelte in den USA um Werte von etwa 5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Interessanter ist in diesem Zusammenhang der Umstand, dass sich die Optionen und Produktangebote aus dem Bereich der veganen sowie vegetarischen Ernährung im gleichen Zeitraum bedeutend erhöht haben. Während der gesamte Markt für Konsumprodukte im vergangenen Jahr in den USA lediglich um 2 Prozent gewachsen ist, konnte der pflanzenbasierte Lebensmittelsektor im gleichen Zeitraum um rund 20 Prozent zulegen. Auch im Jahr 2017 zeigte dieser Sektor mit circa 8 Prozent Wachstum bereits eine ansprechende Tendenz. Für die Börse wurde dieser neue Trend in der Ernährungskultur kürzlich insbesondere durch den Börsengang des US-amerikanischen Fleischersatzproduzenten Beyond Meat interessant und deutlich wahrnehmbar. Anfang Mai schoss die Aktie des Unternehmens kurz nach ihrem Handelsbeginn um mehr als 80 Prozent in die Höhe. Momentan beträgt das Plus der Aktie seit Anfang Mai mehr als 110 Prozent. Angesichts dieser Zahlen sollen im Folgenden das Geschäftskonzept sowie die Geschäftsentwicklung einiger auf dem Gebiet der veganen und vegetarischen Ernährung tätigen Unternehmen untersucht werden. Gibt es neben Beyond Meat weiter interessante Kandidaten, in die ein Investment lohnen könnte?

Beyond Meat wurde erst im Jahr 2009 gegründet, die ersten Produkte waren für Kunden im Jahr 2013 im Einzelhandel erhältlich. Mittlerweile vertreibt das in El Segundo, Kalifornien ansässige Unternehmen Produkte, welche unter anderem Hähnchenfleisch, Rindfleisch sowie Schweinswurst imitieren und setzte im vergangenen Jahr hiermit knapp 88 Millionen US-Dollar um. Die Fleischersätze basieren hierbei auf unterschiedlichen Mischungen diverser Zutaten, zu denen beispielsweise Erbsen-Protein, Reis-Protein, Kokosnussöl oder auch Kartoffelstärke zählen. Der Höhenflug an der Wall Street könnte vor allem in den Zahlen begründet liegen, welche Beyond Meat für das erste Quartal des laufenden Jahres veröffentlicht hat. Die Umsätze stiegen in diesem Zeitraum, im Vergleich zum Vorjahr, um rund 215 Prozent an. Die Umsätze aus dem Verkauf an Restaurants und Gastronomen konnten gar um mehr als 500 Prozent gesteigert werden. Für das laufende Gesamtjahr kalkuliert Beyond Meat angesichts dieses Ergebnisses nun mit einem Umsatz in Höhe von 210 Millionen US-Dollar, was im Vergleich zum Jahr 2018 einem Plus von rund 140 Prozent entsprechen würde. Nicht wenige Analysten trauen Beyond Meat im kommenden Jahrzehnt einen rasanten Wachstumskurs zu. So taxiert die Credit Suisse das Umsatzvolumen für das Jahr 2030 auf bis zu 3,5 Milliarden US-Dollar. Beyond Meat hat sich einige Kooperationen mit Fast-Food-Ketten gesichert. Einerseits sichert dies dem Unternehmen konstante Umsätze, andererseits können die Produkte auf diese Weise breitflächig und vor einem großen Publikum beworben werden. Zu den Unternehmen, mit denen man Verträge geschlossen hat, zählen unter anderem Marken wie Carl Jr.´s oder TGI Fridays. Das Konkurrenzunternehmen Impossible Meats war auf diesem Gebiet sogar noch umtriebiger und sicherte sich Kollaborationen mit Konzernen wie Burger King, Hard Rock Café oder White Castle. Kürzlich musste Impossible Meats jedoch einräumen, die aktuelle Nachfrage einiger seiner Partner nicht mehr decken zu können, woraufhin Beyond Meat CEO Ethan Brown medienwirksam verkündete, dass Beyond Meat über die notwendigen Ressourcen verfüge. Sollte es dem Unternehmen gelingen, aus dieser Situation weitere lukrative Verträge mit diesen großen Ketten zu gewinnen, hätte sich Beyond Meat neben dem zusätzlichen Umsatzpotenzial auch einen Prestigeerfolg gegenüber seinem derzeit größten Rivalen gesichert. Durch die hieraus möglichen Imageeffekte könnte auch der Umsatz im Einzelhandel nochmals profitieren. Nicht außer Acht lassen sollten interessierte Investoren, dass durch die Kursrallye der vergangenen Wochen ein sehr hohes Bewertungsniveau für Beyond Meat erreicht wurde. Die aktuelle Marktkapitalisierung der Aktie übersteigt den Umsatz des Unternehmens hierbei um mehr als das 100-fache. Somit basiert die Bewertung der Aktie derzeit zu einem Großteil auf dem Potenzial, welches die Anleger in Zukunft für Beyond Meat sehen. Negativmeldungen oder verpasste Umsatz- und Gewinnziele können in einem solchen Szenario zu teils massiven Kursrücksetzern führen.

Hain Celestial Group Inc (US4052171000)

Die Hain Celestial Group wurde im Jahr 1993 gegründet und vertreibt mittlerweile in weltweit mehr als 70 Ländern organische Lebensmittel sowie Pflegeprodukte. Im Fokus stehen hierbei vor allem der US-amerikanische sowie der britische Markt. Das Unternehmen befindet sich bereits bedeutend länger im Markt als Beyond Meat, die letzten Jahre verliefen jedoch nicht ganz nach den Plänen des Managements und den Wünschen der Aktionäre. Auch wenn die Aktie seit Jahresbeginn wieder mit etwa 35 Prozent im Plus steht, so muss man für das letzte Gesamtjahr oder die letzten 3 Jahre ein Minus von 22 beziehungsweise knapp 56 Prozent feststellen. Der aktuelle temporäre Aufschwung könnte bereits aus dem Sanierungsplan herrühren, welchen das Management im Jahr 2018 auf den Weg gebracht hat. Da die Probleme des Unternehmens in den vergangenen Jahren primär in mangelnder Profitabilität begründet lagen, möchte sich die Unternehmensführung von unprofitablen oder unterdurchschnittlich wachsenden Marken und Geschäftseinheiten trennen und die Einnahmen in wachstumsstarke Unternehmensteile investieren. Zu diesen Wachstumsmärkten könnte man angesichts der starken Zuwachsraten beispielsweise auch pflanzenbasierte Proteine zählen. Der neuen Strategie folgend finalisierte Hain Celestial kürzlich den Verkauf des Geschäftssegments „Hain Pure Protein“ für eine Summe von 80 Millionen an die Investmentgesellschaft Aterian Investment Partners. Auch die Marke „WestSoy tofu“ fiel den Umstrukturierungen zum Opfer. Insgesamt ist eine Reduzierung des Markenportfolios auf etwa 30 Nahrungsmittelmarken geplant. Zu Beginn dieses Jahres hatte Hain Celestial noch 55 Marken im Sortiment. Aufgrund der bedeutenden Verkleinerung des Produktportfolios und des Produktionsstopps vieler Produkte sind derzeit sowohl Umsatz als auch Verkaufszahlen rückläufig. Bereinigt um Akquisitionen, Veräußerungen und Rationalisierungsmaßnahmen war der Nettoumsatz dennoch mit -2 Prozent leicht rückläufig. Trotzdem liegt das Unternehmen derzeit auf Kurs, die Zielsetzung für das Gesamtjahr zu erreichen. Hier hatte man sich beim Nettoumsatz ein Ziel von 2,32 bis 2,35 Milliarden US-Dollar gesetzt. Das EBITDA soll auf einen Wert zwischen 185 und 200 Millionen US-Dollar fallen. Die Verluste, die Hain Celestial derzeit einfährt, sind hierbei einkalkuliert. Insbesondere die Reduktion des großen, aber unprofitablen Stamms an Babynahrungsprodukten sowie Restrukturierungsmaßnahmen der Lager- und Vertriebsstrukturen sollen zeitnah realisiert werden. Das neue Management möchte den Kurs der vergangenen Jahre, welcher auf die Generierung von Wachstum um jeden Preis ausgerichtet war, revidieren. Anleger sollten bezüglich Hain Celestial zunächst abwarten, ob das Unternehmen den geplanten Kurs einhalten kann und im Zuge dessen auch auf die Zielsetzungen für das kommende Geschäftsjahr achten. Historisch hatte das Unternehmen durch organisches Wachstum und Absatzsteigerungen stark an Wert gewonnen. Eine Wiederaufnahme dieser Strategie, wie sie derzeit verfolgt wird, könnte auch angesichts der neuen Wachstumsmärkte auf dem veganen und vegetarischen Sektor zur Rückkehr in höhere Profitbereiche beitragen.

Ein weiteres Unternehmen, welches man in diesen Trend einordnen könnte, auch wenn es keinen direkten Kontakt zum Endkunden hat, wäre Ingredion. Dieses Unternehmen produziert Inhaltsstoffe zur Herstellung oder Zubereitung von Nahrungsmitteln und verkauft diese an Kundenunternehmen aus den Bereichen der Lebensmittel-, Getränke- oder der Pharmaziebranche sowie vielen weiteren Industriesektoren. Hauptsächlich arbeitet Ingredion hierbei auf Basis von Kornprodukten, Tapioka oder Kartoffelstärke, es kommen aber auch diverse Gemüsearten und Obstsorten zum Einsatz. Diese Stärken und Süßungsmittel vertreibt man hierbei auch an Produzenten veganer und vegetarischer Gerichte. 60 Prozent seiner Umsätze erzielt das Unternehmen momentan noch auf seinem amerikanischen Heimatmarkt, zunehmend expandiert Ingredion aber weltweit auf allen Kontinenten. In den vergangenen zehn Jahren konnte das Unternehmen ein stetiges Wachstum verbuchen. So lag die durchschnittliche Wachstumsrate bei den Umsätzen bei etwa 4 Prozent pro Jahr, der Gewinn pro Aktie stieg im gleichen Zeitraum jährlich um etwa 7 Prozent. Diesen Wachstumskurs möchte Ingredion zukünftig vor allem durch eine stärkere Fokussierung und ein Absatzwachstum im Segment seiner „Spezialprodukte“ generieren. Zu diesem Segment zählen fünf Produktgruppen: stärkebasierte Texturgeber, Ernährungssysteme, „saubere“ Inhaltsstoffe, Spezialsüßungsmittel und eben pflanzenbasierte Proteine, wie sie beispielsweise auch von Beyond Meat verwendet werden. Im Geschäftsjahr 2018 lag der Umsatzanteil dieser Spezialprodukte bei 29 Prozent, für das Jahr 2022 hat sich das Management zum Ziel gesetzt, diesen Anteil auf einen Korridor zwischen 33 und 36 Prozent anzuheben. In den vergangenen Monaten stand der Aktienkurs des Unternehmens unter Druck. Einer der Hauptgründe hierfür könnten die Quartalszahlen für das erste Quartal des aktuellen Geschäftsjahrs sein. Im Rahmen der Veröffentlichung dieser Zahlen musste Ingredion einen Rückgang des Gesamtumsatzes in Höhe von 3,3 Prozent und einen Rückgang des Verkaufsvolumens um etwa 2 Prozent bekannt geben. Als Gründe hierfür gab die Unternehmensführung gestiegene Rohstoffkosten auf dem amerikanischen Markt sowie negative Währungseffekte an. Beide Faktoren könnten mit den internationalen Handelskonflikten in Verbindung gebracht werden. Dennoch verordnete sich das Unternehmen selbst einen Sparkurs, welcher unter dem Namen „Cost Smart“ publiziert wurde. Laut dieses Plans möchte das Unternehmen bis Ende des Jahres 2021 insgesamt 125 Millionen US-Dollar eingespart haben. Diese Summe soll durch die Optimierung der Vertriebsstrukturen sowie durch Einsparungen bei Vertriebs- und Verwaltungskosten realisiert werden. Der langfristige Trend bei Ingredion erscheint weiterhin solide, auch wenn kurz- bis mittelfristig aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen die Gefahr von Kursrücksetzern nicht ausgeschlossen werden kann. Die wachsende globale Präsenz des Unternehmens könnte dem Unternehmen Zuwächse in stark wachsenden Märkten bescheren, vor allem auf dem asiatischen Kontinent besteht in diesem Zusammenhang Potenzial. Auch einige der Spezialprodukte konnten in der jüngeren Vergangenheit solide Wachstumsraten aufweisen, so etwa die Sparte pflanzenbasierte Proteine, welche im vergangenen Jahr um 51 Prozent zulegte. Sollten zudem die Restrukturierungsmaßnahmen Früchte tragen, so könnte eine gesteigerte Profitabilität ebenfalls positiv zu Buche schlagen.


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