Analyse Aktien Nahrungsmittel

Lebensmittelproduzenten arbeiten unter Volllast!

Ein Beitrag von Mr. Dow 0 28.03 - 13:03

Um die Lebensmittelversorgung zu gewährleisten und der stark gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden, arbeiten Nahrungsmittelhersteller derzeit mit Hochdruck. Hierdurch könnten sie gleichzeitig auch als attraktives Krisen-Investment für Anleger dienen. Während sich viele Branchen mit Umsatzrückgängen und Beeinträchtigungen der Geschäftsaktivitäten konfrontiert sehen, blicken Lebensmittelproduzenten in der näheren Zukunft guten Geschäfts- und Marktbedingungen entgegen.
 
Campbell Soup Co
 
 
General Mills Inc
 

Die Corona-Pandemie hat die Börsen der Welt in den vergangenen Wochen in einen Sturzflug geschickt. Anders als beispielsweise während der letzten Krise in den Jahren 2008 und 2009 erlitten die Märkte dieses Mal jedoch einen externen Schock, während im Falle der letzten Krise eher ein systemisches Versagen in Folge einer Kreditklemme vorlag. In der aktuellen Situation gibt es hierdurch auch Branchen und Industrien, welche durch die Pandemie profitieren konnten. Insbesondere Lebensmittelproduzenten und -händler sehen sich durch den derzeitigen Nachfragschub sogar vor Herausforderungen gestellt. So appellierte der Vorstandsvorsitzende von Nestlé, Mark Schneider, zu Beginn der Woche an seine knapp 300.000 Mitarbeiter, dass sie sich in den kommenden Wochen auf Sonderschichten und hohe Betriebsauslastungen einstellen sollten. Im Gegensatz zu anderen Branchen sehen sich die Lebensmittelproduzenten derzeit einer sehr sicheren Auftragslage gegenüber, die hohe Nachfrage seitens der Händler könnte ihre Verhandlungsposition für den Absatz der Ware gar verbessern und zu gesteigerter Profitabilität führen. In der Folge könnten sich diese Unternehmen während der Krisenzeit auch als interessante Anlagemöglichkeiten für Investoren herausstellen.

General Mills Inc (US3703341046)

Es wird gemeinhin damit gerechnet, dass sich die USA in Bezug auf die Virusausbreitung rund zwei bis drei Wochen hinter den meisten europäischen Ländern befinden. Das exponentielle Wachstum, welches etwa in Deutschland in der vergangenen Woche gut zu beobachten war, steht in den Staaten also noch aus. Schon jetzt zeigt sich in vielen Städten und Bundesstaaten ein ähnliches Vorratsverhalten der Lebensmittelkonsumenten wie in anderen Ländern. Dieser Umstand könnte General Mills für Anleger interessant erscheinen lassen. Das Unternehmen, derzeit als sechstgrößter Lebensmittelproduzent der Welt registriert, zeigt in seinem Produktportfolio eine starke Ausrichtung auf sogenanntes „Convenience Foods“, also Speisen, die sich zuhause einfach und schnell zubereiten lassen. Zu den 89 eingetragenen Marken des Unternehmens zählen Produkte wie Mehl, Fertigpizzen, Pasta, Frühstücksprodukte, Eiscreme, Milchprodukte sowie diverse Fertiggerichte. Darüber hinaus vertreibt das Unternehmen auch Tiernahrung. Durch die Schließung vieler Restaurants und Imbissstätten in den USA könnte General Mills mit seinem Angebot in den Fokus der Konsumenten rücken. Das Unternehmen erzielt circa 60 Prozent seines Umsatzes auf dem Heimatmarkt, könnte von diesen Entwicklungen also in hohem Maße profitieren. Das Management konnte vor wenigen Tagen bekannt geben, dass das Unternehmen die Wachstumsziele im dritten Quartal des Fiskaljahrs erreichen konnte. Dies geschah, obwohl das chinesische Geschäft, wo General Mills einen großen Anteil seines Umsatzes mit Häagen-Dazs-Präsenzfilialen erzielt, während des Quartals stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die höhere Nachfrage in den übrigen Geschäftsbereichen konnte diesen Effekt jedoch wieder ausgleichen. Für das verbleibende sowie für das kommende Fiskaljahr rechnet die Unternehmensführung derzeit mit substanziellen Umsatzsteigerungen. Derzeit geht man von einem Umsatzwachstum zwischen 4 bis 6 Prozent aus, auch wenn auf die dynamische Situation verwiesen wurde, die genaue Prognosen erschwert. Um der gestiegenen Nachfrage zu begegnen, verkündete General Mills erstmals in der Unternehmensgeschichte die Aufnahme eines permanenten Fertigungsbetriebs, 24 Stunden an 7 Wochentagen. Der Konzern rechnet zudem mit einer steigenden Rentabilität. Für das laufende Fiskaljahr rechnet das Unternehmen mit einer Steigerung des Gewinns pro Aktie zwischen 6 und 8 Prozent, die ursprünglichen Prognosen lagen hier zwischen 3 und 5 Prozent. Ein weiteres Argument für General Mills könnte deren Dividendenpolitik darstellen. Mit einer jährlichen Ausschüttungsrendite von 3,7 Prozent zeigte sich das Unternehmen zuletzt hier sehr generös.

Campbell Soup Co (US1344291091)

Von den derzeitigen Entwicklungen profitiert auch ein weiteres amerikanisches Lebensmittelunternehmen: die Campbell Soup Company. Auch dieser Produzent hat derzeit den Vorteil, dass das eigene Kerngeschäft stark von Restaurantschließungen und Hamsterkäufen profitiert. Campbell fertigt vor allem Dosenprodukte und verarbeitete Lebensmittel zur Eigenzubereitung. Auch Gebäck, Süßigkeiten und Getränke zählen zum Portfolio. Viele dieser Produkte besitzen den Vorteil ihrer langen Haltbarkeit, was sie in der aktuellen Situation sowohl für Endkunden als auch für Handelsketten attraktiv macht, da sich größere Mengen bei geringerem Verfallsrisiko lagern lassen. Darüber hinaus leidet das Produktportfolio des Unternehmens kaum unter der Absage öffentlicher Veranstaltungen. Der Großteil des Produktangebotes ist ohnehin für den Heimverbrauch konzipiert, lediglich die Getränkemarken könnten ein wenig unter den Einbußen der Gastronomen leiden. In den vergangenen Jahren litt Campell unter einem Rückgang des Konsumenteninteresses an seinen Produkten, das Management war in den vergangenen Jahren mit der Konzernsanierung beschäftigt und trennte sich von unprofitablen Unternehmensteilen. Durch diese Maßnahmen verfügt Campbell derzeit über ein Kapitalpolster und konnte seine Profitabilität stark verbessern. Die Nettoerlöse der Spartenverkäufe beliefen sich auf rund 3 Milliarden US-Dollar, welche größtenteils in die Schuldentilgung investiert wurden. Die Verbindlichkeiten wurden seit März 2018 von 9,6 auf 4,9 Milliarden US-Dollar reduziert, was Campbell bei den Zins- und Tilgungszahlungen enorm entlastet. Für das zweite Quartal des laufenden Fiskaljahres konnte man Anfang März einen Nettoertrag von 1,2 Milliarden US-Dollar bekannt geben, im Vorjahr lag der Konzern hier noch bei -59 Millionen US-Dollar. Dieser Anstieg konnte bei fast unverändertem Umsatz erzielt werden. Die finanzielle Flexibilität und das krisensichere Produktangebot könnten Campbell in der derzeitigen Lage attraktiv machen. Nach der Krise sollten investierte Anleger darauf achten, wie das Management nach Bereinigung der Schuldensituation die Kernprodukte auch außerhalb von Krisenzeiten attraktiv vermarkten möchte. Dieses Problem der vergangenen Jahre wird durch die Corona-Krise derzeit kaschiert.

Der Schweizer Großkonzern Nestlé bereitete sich bereits Ende Februar umfassend auf die Corona-Krise vor und verhängte vergleichsweise früh Dienstreisenverbote, begann zudem mit dem Aufbau von Lagerbeständen. Als derzeit größter Nahrungsmittelproduzent der Welt bietet Nestlé mit seinen Marken ein umfassendes Angebot für die heimische Versorgung. Frühstücksprodukte finden sich hier ebenso wie Tiefkühlkost, Kaffee, Milcherzeugnisse, Süßigkeiten, Backwaren oder Tiernahrung. Insgesamt vertreibt das Unternehmen hierbei knapp 2.000 Marken. Zusätzliche Einnahmen können auch durch die Unternehmenssparte für Arzneimittel generiert werden. Ähnlich wie General Mills überzeugt auch Nestlé seine Anleger seit Jahren mit der eigenen Dividendenstrategie. Bereits zum 24. Mal in Folge steigerte der Konzern zuletzt seine Ausschüttung. Basis hierfür war ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2019, in dem man den Umsatz abermals um 1,2 Prozent auf rund 92,6 Milliarden Franken steigern konnte. Unter dem Strich blieb hierbei ein Gewinn von 12,6 Milliarden Franken, was einem Anstieg von mehr als 24 Prozent entsprach (wobei hier auch die Einnahmen aus dem Verkauf der Sparte für Hautpflegeprodukte als Einmaleffekt mit einflossen). Zum Ende des Jahres 2019 hat Nestlé zudem seinen Kassenbestand stark ausgebaut. Während sich dieser Mitte des Jahres noch auf umgerechnet 4,4 Milliarden Franken belief, lag er Ende des Jahres 2019 bei circa 7,45 Milliarden Franken. Neben einer finanziellen Handlungsfähigkeit verschafft diese hohe Barreserve dem Konzern zudem eine gewisse Krisenresistenz. Mit seiner großen Anzahl an Unternehmensbereichen und Markenpräsenzen versteht es Nestlé darüber hinaus gut, schnell auf Bedürfnisse und Wünsche der Kunden zu reagieren. Aktuell verkaufen sich beispielsweise Fertigprodukte aus den Tochterunternehmen „Wagner“ oder „Maggi“ überdurchschnittlich gut. Durch seine Größe und Marktabdeckung könnte Nestlé ein gutes Investment in der aktuellen Lage darstellen, auch für die Zeit nach der Krise scheint der Konzern gut gerüstet. Hier könnten sich durch die Kursrücksetzer der vergangenen Wochen also auch für Investoren mit langfristigem Anlagehorizont interessante Einstiegsmöglichkeiten ergeben.


DruckversionArtikel melden

0 Kommentare Kommentar verfassen

x