Analyse Aktien Nickel

Nickel: Wachsende Bedeutung für die E-Mobilität?

Ein Beitrag von tzimmer 15 23.02 - 19:27

Die Suche nach Alternativen zur derzeit als Standard verwendeten Lithium-Ionen-Batterie im Zusammenhang mit der E-Mobilität schreitet unablässig fort. Nickel ist dabei einer der Rohstoffe, dem derzeit, auch im Zusammenhang mit Tesla, gesteigerte Bedeutung zukommen könnte. Dieser Umstand könnte positive Auswirkungen für Unternehmen haben, die sich auf die Nickel-Förderung spezialisiert haben.
 
BHP Billiton Ltd
 
 
Anglo American PLC
 

Die Suche nach Innovationen im Bereich der Batterietechnologie für Elektroautomobile schreitet weiterhin fort. Derzeit dominiert in diesem Sektor nach wie vor die Lithium-Ionen-Technologie. Vor allem aufgrund der im Vergleich zu konventionellen Verbrennungsmotoren noch niedrigen Reichweite greifen viele Autofahrer nach wie vor zu den herkömmlichen Antriebsarten. Auch die stark gestiegenen Preise einzelner Rohstoffe und Edelmetalle, welche zur Herstellung der Batterien benötigt werden, bedingen ein weiterhin hohes Preisniveau für die Akkus, wodurch wiederum die Preise für Elektrofahrzeuge auf einem hohen Niveau verharren. Mitte des vergangenen Jahres kündigte Panasonic, der Hauptlieferant Teslas für Batteriezellen des Model 3, daher an, die Forschungsbemühungen hinsichtlich einer Substitution von Kobalt durch Nickel zu intensivieren. Kobalt ist einer der Rohstoffe, die sich enorm verteuert haben und dessen Bestände sich bei zunehmendem Bedarf zukünftig verknappen könnten. Darüber hinaus gibt es jedoch auch Entwicklungsarbeit hinsichtlich von Nickel-Zink-Akkus. Diese sollen nicht nur Gewichtseinsparungen im Vergleich zu den Lithium-Ionen-Akkus bieten, sondern auch zu einer Erhöhung der Sicherheitsstandards beitragen, da sie seltener  Entzündungen oder Explosionen verursachen sollen. Beide oben beschriebenen Szenarien könnten zu einer Steigerung der Nachfrage nach Nickel führen. So rechnet das Mineralienforschungsunternehmen „Roskill“ im kommenden Jahrzehnt mit einem Anstieg des Nickelbedarfs um jährlich circa 4 Prozent. Diese prognostizierte Nachfragesteigerung könnte zu Preiserhöhungen des Nickels führen, wodurch Bergbauunternehmen, welche sich in der Förderung betätigen, künftig profitieren könnten.

Anglo American PLC (GB00B1XZS820)

Ein solches Unternehmen könnte die Anglo American PLC sein. Der 1917 gegründete und in London ansässige Konzern ist sowohl im Bergbau, als auch in der Metallverarbeitung aktiv. Mit knapp 70.000 Beschäftigten erzielte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2017 einen Gesamtumsatz in Höhe von etwa 28,7 Milliarden US-Dollar. Hinsichtlich der Förderung von Nickel zählt Anglo American zu den größten Produzenten weltweit. Die Gesamtmenge von 44 Kilotonnen aus dem Jahr 2017 verteilte sich dabei auf die beiden brasilianischen Minen Barro Alto (35 Kilotonnen) und Codemin (9 Kilotonnen). Für die Jahre 2018 und 2019 geht das Unternehmen von einer gleichbleibenden Fördermenge aus. Die Förderkosten sollen hierbei im laufenden Jahr von knapp 8 US-Dollar auf 8,80 US-Dollar pro Kilogramm ansteigen. Für die Jahre 2020 und 2021 plant Anglo American mit einer Jahresproduktion von 45 Kilotonnen. In den kommenden Monaten steht bezüglich der Leitung des Konzernbereichs „Unedle Metalle“ ein Führungswechsel an. Der bisherige Chef des brasilianischen Geschäfts, Ruben Fernandes, soll künftig die globale Koordination im Bereich der Unedlen Metalle übernehmen. Den Kern der Bemühungen im Zusammenhang mit den Anforderungen der Elektromobilität soll hierbei Südamerika bilden. Nickel fördert Anglo American ausschließlich in Südamerika. Insbesondere von der „Quellaveco“-Mine in Peru erhofft man sich in diesem Zusammenhang wichtige Erträge. Allerdings liegt der Fokus dieses Projektes, das ab 2022 die Förderung aufnehmen soll, auf der Gewinnung von Kupfer. Insgesamt betrachtet rückt Nickel in der Strategie des Unternehmens vor allem gegenüber Kupfer in den Hintergrund. Anglo American bemüht sich durchaus um die Nähe zu den wichtigen Märkten im Zusammenhang mit der Elektromobilität, beispielsweise eröffnete man im vergangenen April ein Büro in Shanghai. Als Erweiterung zu den bestehenden Niederlassungen in Peking und Singapur soll auf diese Weise die Abdeckung des ostasiatischen Marktes verbessert werden, wo sich vor allem innerhalb Chinas, angetrieben durch das Entwicklungszentrum für Akkutechnologien in Shenzhen, wichtige Absatzpotenziale bezüglich der E-Mobilität ergeben könnten. Bisher befindet sich der Nickel-Zinn-Akku noch in der Entwicklungsphase. Auch wenn die Vorteile der Technologie vielversprechend sind, so könnten zukünftig auch alternative technologische Lösungen zur Ablösung des Lithium-Ionen-Akkus in Frage kommen. In einem solchen Szenario wäre der mangelnde Fokus von Anglo American auf Nickel von geringerer Bedeutung. Das Unternehmen zählt auch ohne Intensivierung seiner Aktivitäten zu den derzeit größten Produzenten von Nickel, positive Effekte könnte eine Steigerung der globalen Nachfrage also durchaus mit sich bringen, die Unternehmensleitung setzt jedoch derzeit auf die Maximierung anderer Ertragspotenziale im Zusammenhang mit Akkutechnologien.

BHP Billiton Ltd (US0886061086)

Ein weiteres interessantes Bergbauunternehmen ist die australische-englische BHP Group, welche bis November 2018 noch unter dem Namen BHP Billiton firmierte. In ihrer derzeitigen Form besteht die BHP Group seit 2001, sie entstand aus einer Fusion des britischen Unternehmens Billiton und des australischen BHP-Konzerns. Mit global rund 60.000 Angestellten erzielte die BHP Group im Jahr 2017 einen Umsatz von etwas mehr als 38 Milliarden US-Dollar. In diesem Geschäftsjahr lag die Nickelproduktion des Konzerns bei 70 Kilotonnen, welche sämtlich in der australischen Mine „Nickel West“ gefördert wurden. Bezüglich der Förderung in dieser Region konnte die BHP Group kürzlich den Erhalt einer wichtigen Genehmigung verbuchen. Als Erweiterung zu Nickel West plant man im laufenden Jahr Probebohrungen im Bereich eines auf den Namen „Venus“ titulierten Projektes. Die Förderung soll hier bereits im Jahr 2020 starten, die Nickel-Reserven in diesem Gebiet schätzt man derzeit auf etwa 200.000 Tonnen. Die jährliche Ausbringungsmenge soll 100.000 Tonnen Nickelsulfat betragen, woraus rund 22.000 Tonnen Nickel gewonnen werden könnten. Derzeit arbeitet BHP an weiteren Plänen, mit welchen man die Größe der Anlage verdoppeln könnte. Inwiefern dieses Vorhaben die Einholung weiterer Genehmigungen umfasst, bleibt abzuwarten. Mittel- bis langfristig gesehen könnte die starke Positionierung und gute Vernetzung des Unternehmens in Australien eine wichtige Rolle in Bezug auf die Nickelförderung spielen. Australien, insbesondere der Bundesstaat Queensland, gilt als eine der Regionen mit den größten Vorkommen weltweit. Rund 17 Prozent der jährlichen Nickel-Förderung entfallen auf australische Minen. Die Einrichtung einer Mine mit primärem Zweck der Gewinnung von Nickel, zur Erweiterung der bereits jetzt großen Nickel-Fördermenge, könnte als Signal gesehen werden, dass die BHP Group, im Gegensatz zum Konkurrenten Anglo American, von einer gesteigerten Bedeutung dieses Rohstoffs für die Akkutechnologien der Zukunft ausgeht. Für Investoren, denen die Fokussierung auf Nickel wichtig ist, könnte die BHP Group somit in diesem Vergleich die bessere Alternative darstellen. Insbesondere der Status der geplanten Erweiterung des neuen Venus-Projektes sollte in diesem Zusammenhang genauer verfolgt werden.


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