Analyse Aktien Online-Musik

Musik-Streaming: Gibt es Alternativen zum Marktführer?

Ein Beitrag von tzimmer 10 16.04 - 11:49

Der Handelsstart der Spotify-Aktie lenkte in den letzten Wochen viel Aufmerksamkeit auf das Geschäftsmodell „Musik-Streaming“. Das Feld der Wettbewerber scheint sich mittlerweile etabliert zu haben und besitzt mit Spotify derzeit einen klaren Marktführer im Bereich der Nutzerzahlen. Gibt es neben dem schwedischen Unternehmen und den Tech-Giganten wie Apple noch weitere vielversprechende Alternativen?
 
Spotify Tech Rg
 
 
Pandora Media Inc
 

Die Musikindustrie durchlief im neuen Jahrtausend durch die Verbreitung des Internets einen starken Wandel. Dies bezog sich zunächst auf den Vertriebsweg von Musikstücken über Internetplattformen, ehe das „Geschäftsmodell Musik“ an sich durch den Markteintritt von Musik-Streamingdiensten selbst eine Disruption erfuhr. Dienste wie Napster, Deezer oder Spotify erfreuten sich bei Konsumenten schnell großer Beliebtheit, nicht zuletzt durch das Angebot von kostenlosen Freeware-Versionen. Der Widerstand von Künstlern konnte die Etablierung nicht stoppen, zuletzt ließ auch die prominente amerikanische Sängerin Taylor Swift ihre Musik nach einem Boykott wieder auf der Plattform des Marktführers Spotify platzieren. Entgegen der Beteuerung ihres Managements dürfte es sich hierbei nicht um eine rein freiwillige Geste gehandelt haben, die Marktmacht der Streamingdienste im Bereich des Musikkonsums macht es für Künstler schlicht erforderlich, ihre Musik über die Dienste anzubieten. Das kürzlich erfolgte Spotify-IPO könnte man als vorläufigen Höhepunkt der Etablierung einer neuen Branche ansehen. Auffällig ist dabei, dass sich der Wettbewerb zwischen den einzelnen Diensten ähnlich wie bei anderen neuen Internet-Geschäftsfeldern entwickelt hat. War Spotify zu Beginn noch einer von vielen verschiedenen Wettbewerbern, hat sich das schwedische Unternehmen mittlerweile einen dominanten Marktanteil gesichert. Dabei besteht für die gesamte Branche weiteres Wachstumspotenzial. Eine zunehmende Verbreitung von mobilen Endgeräten in Schwellenländern, der wachsende Markt für Wearables-Technologien sowie der wachsende Werbemarkt auf mobilen Endgeräten könnten für Wettbewerber im Bereich Musik-Streaming zu steigenden Umsätzen führen. Bloomberg Intelligence geht laut eigenen Analysen von einem heutigen Marktvolumen von weltweit 8,4 Milliarden US-Dollar aus, bei etwa 120 Millionen zahlenden Nutzern. Bis zum Jahr 2025 könnten diese Zahlen auf bis zu 24 Milliarden US-Dollar und 400 Millionen zahlende Nutzer zulegen. Für Anleger stellen sich in diesem Zusammenhang insbesondere zwei Fragen. Besteht beim derzeitigen Branchenprimus Spotify noch Potenzial für weiteres Wachstum? Und gibt es derzeit interessante Alternativen zu den Diensten von Apple, Amazon und Google, welche zur Geschäftsentwicklung der Mutterkonzerne nur einen vergleichsweise geringen Teil beitragen?

Spotify Tech Rg (LU1778762911)

Ein Blick auf den schwedischen Marktführer offenbart ein erstaunliches Wachstum seit der Unternehmensgründung im Jahr 2006. Das mittlerweile rund 3.000 Mitarbeiter umfassende Unternehmen erzielte im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz in Höhe von 4,1 Milliarden Euro. In den etwa 60 Ländern, in denen man den Dienst derzeit anbietet, verfügt Spotify über mehr als 150 Millionen Nutzer, wovon etwa 70 Millionen Benutzer die zahlungspflichtige Version abonniert haben. Damit besitzt das schwedische Unternehmen etwa doppelt so viele Nutzer wie der nächstgrößere Streamingdienst auf dem Markt, Apple Music. Noch gravierender ist der Vorsprung auf den nächsten reinen Streaming-Anbieter und langjährigen Konkurrenten Napster. Dieser lag zu Beginn des Jahres 2017 bei einem Volumen von 6 Millionen zahlenden Nutzern. Diese Größe könnte man momentan auch als die größte Stärke des Unternehmens bezeichnen. Insbesondere bei Verhandlungen mit Rechteinhabern gewinnen die Nutzerzahlen immer mehr an Bedeutung und so konnte Spotify Mitte des vergangenen Jahres bessere Konditionen mit diversen Vertragspartnern aushandeln. Darüber hinaus könnte der resultierende große Datenfluss zukünftig bei der Verbesserung der eigenen Angebote und Algorithmen helfen. Durch Überarbeitung und Verfeinerung der Abonnementoptionen, insbesondere das Familien-Abo für bis zu sechs Personen wäre hier zu nennen, ist es Spotify gelungen, die Kundenbindung der Nutzer zu verstärken. Da sich branchenweit mittlerweile ein Preis von monatlich etwa 10 US-Dollar oder Euro etabliert hat, ergeben sich für Nutzer nun auch monetär immer weniger Anreize für einen Anbieterwechsel. Laut eigenen Angaben werden Kunden für Spotify ab einer Abodauer von mehr als einem Jahr profitabel, eine Verlängerung der Kundenbindung ist mit Hinblick auf die Erreichung der Profitabilitätszone also von enormer Bedeutung. Bis zum Ende des Jahres möchte man zudem 94 Millionen zahlende Nutzer erreichen. Dies soll vor allem durch eine umfangreiche Überarbeitung der kostenlosen Version erreicht werden, zudem mehren sich Gerüchte über die baldige Einführung eigener Hardware, beispielsweise eines speziell für die Nutzung in Autos entwickelten Abspielgeräts. Mittel- und langfristig wird für Spotify wichtig sein, zu welchem Zeitpunkt man es schafft, profitabel zu werden, auch 2017 betrug der Verlust etwa 1,24 Milliarden Euro. Anleger sollten genau verfolgen, inwiefern sich das Umsatzwachstum und die steigenden Nutzerzahlen in der Zukunft auf die Profitabilität auswirken.

Pandora Media Inc (US6983541078)

Bereits vor sieben Jahren erfolgte das IPO der in Oakland, Kalifornien ansässigen Pandora Media Corporation. Im Bereich des Musik-Streamings operiert das amerikanische Unternehmen den Dienst namens „Pandora“. Das Grundkonzept unterscheidet sich hierbei wesentlich von dem Spotify-Ansatz. Der Ausgangspunkt für den Service stellte zu Beginn des Jahrtausends das „Music Genome Project“ dar, welches eine Datenbank von Songs erstellte, und diesen Titeln Attribute zuordnete. Auf Basis dieser Attribute konnte ein Algorithmus Playlists erstellen, welche sich an den Präferenzen des jeweiligen Nutzers orientieren. Auf diesem Konzept basiert Pandora auch heute noch. Die Einführung eines mehrstufigen Abo-Modells erfolgte jedoch vergleichsweise spät erst im vergangenen Jahr. Bisher konnte Pandora 5,5 Millionen zahlende Nutzer generieren, dem gegenüber stehen rund 75 Millionen monatliche Nutzer, welche den werbefinanzierten kostenlosen Service bevorzugen. Der Rückstand zu Spotify ist also beträchtlich, zudem wurden die letzten Jahre des Unternehmens durch eine Reihe von Managementwechseln, Verlustjahren, einem sinkenden Aktienkurs sowie fluktuierenden Nutzerzahlen durchzogen. Allerdings gibt es derzeit auch eine Reihe von Faktoren, die für eine Kehrtwende sorgen könnten. Der Algorithmus gilt nach wie vor als einer der Besten der Branche, auch wenn Spotify und andere Konkurrenten mittlerweile ähnliche Playlist-Modelle anbieten. Pandora blickt auf fast zwei Jahrzehnte Entwicklungszeit zurück und ordnet Musiktiteln bis zu 450 Attribute zu, auf technischer Seite dürfte man hiermit mehr als konkurrenzfähig sein. Des Weiteren startete Pandora Media kürzlich ein Projekt namens „Podcast Genome Project“, welches die Funktionsweise des Musikdienstes auf Podcasts übertragen soll. Podcasts bieten trotz steigender Beliebtheit für die Werbeindustrie die Problematik, dass der Werbetreibende die Effektivität der bezahlten Werbung schlecht nachvollziehen kann, da die meisten Anbieter Podcasts nicht streamen, sondern per Download bereitstellen. Der Download eines Podcasts bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass der Nutzer das Programm auch tatsächlich anhört. Pandora kann das Nutzungsverhalten der Hörer besser analysieren und durch den Algorithmus eventuell zukünftig auch die Hördauer der Nutzer erhöhen. Auch in der Werbeindustrie selbst intensiviert Pandora Media seine Aktivitäten durch den Erwerb des Unternehmens Digital AdsWizz für 145 Millionen US-Dollar, zu dessen Kunden man bisher zählte. Digital AdsWizz zählt aber auch andere Wettbewerber zum Kundenkreis, beispielsweise auch Spotify. Spezialisiert ist das Unternehmen auf die Erstellung Audiowerbung für Streamingdienste. Hieraus könnten für Pandora Media zukünftig auch außerhalb des Kerngeschäftes Umsätze generiert werden. Der weitere Weg des Unternehmens in den kommenden Monaten und Jahren sollte für Investoren interessant zu beobachten sein, insbesondere die Frage, ob sich Pandora in seinem Geschäftsmodell ausreichend von Spotify differenziert hat, um der Marktmacht des schwedischen Unternehmens standzuhalten und eigene Kundenkreise anzusprechen.


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