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Connected Car - Apple und Google sind gut positioniert!

Ein Beitrag von tzimmer 15 17.10.2015

Während die Automobilhersteller mit der Entwicklung eigener Bordbetriebssysteme beschäftigt sind, haben sich Google und Apple mit Hilfe der von ihren mobilen Betriebssystemen gesteuerten Endgeräte eine dominante Marktstellung erarbeitet. Android un iOS weite somit ihr Einflussgebiet auch auf den Automobilmarkt aus.
 
Apple Inc
 

Laut der Unternehmensberatungsgesellschaft McKinsey wird sich der Markt für Connectivity-Features bis 2020 verfünffachen (von heute 30 Mrd. auf 170 Mrd. €). Apple und Google befinden sich diesbezüglich in einer sehr guten Marktposition. Gerade beim Einsammeln und Verwerten von Daten haben beide Firmen den Vorteil, dass sie aufgrund der hohen Anzahl an mobilen Endgeräten, welche von ihrer Software betrieben werden, eine dominante Marktstellung einnehmen. Zwar sind viele Automobilhersteller mit der Entwicklung eigener Connectivity-Systeme beschäftigt, so verkündete Ford kürzlich eine wiederholte Zusammenarbeit mit Microsoft, mit dem Ziel das bestehende SYNC System weiter zu verbessern.

Gegenwärtig funktionieren viele der Infotainment-Services jedoch über eine Verbindung der bordeigenen Systeme mit mobilen Endgeräten. Daher sind vor allem Apple und Google, mit den Betriebssystemen iOS und Android, in großem Maße an dem aktuell wichtigsten Connectivity-Markt beteiligt. Vor allem Umsätze aus den Applikationen und damit verbundene Werbeeinnahmen sorgen hier für Einnahmen. Zudem können über die GPS-Ausstattung der meisten Geräte wichtige Bewegungsdaten der Benutzer generiert werden.

Die beiden Technologie-Unternehmen wollen ihren Einfluss im Zukunftsmarkt „Connected Car“ jedoch weiter erhöhen. Google ist seit mehreren Jahren mit der Entwicklung eines autonom fahrenden Fahrzeugs beschäftigt. Seit Beginn des Jahres 2014 produziert Google hierzu Prototypen und führt Praxistests mit den führerlosen Automobilen durch. Der Ansatz, welchen Google langfristig verfolgt, ist jedoch eher auf die Erbringung von Dienstleistungen ausgerichtet. Die autonomen Fahrzeuge könnten beispielsweise im innerstädtischen Verkehr als Taxis oder als Transportationsmittel für Güter zum Einsatz kommen. Problematisch erweisen sich beim Betrieb dieser Fahrzeuge momentan noch unterschiedliche Umweltbedingungen und Wettereinflüsse, welche autonom fahrende Automobile momentan noch nicht mit vollständiger Sicherheit und Genauigkeit erkennen und die eigene Fahrweise auf die Information anpassen können.

Google (ISIN: Alphabet Rg-A (US02079K3059)) befindet sich zudem seit dem Jahr 2014 in der Open Automotive Alliance (OAA). Diese von Google initiierte Allianz besteht aus einer  großen Anzahl bedeutender Automobilhersteller, einigen Soft- und Hardwarehersteller, sowie einiger Elektronikproduzenten. Ziel der OAA ist es, das Google Betriebssystem Android sukzessive auch in der Bordelektronik von Fahrzeugen mit Connectivity-Features zu etablieren. Diese Allianz stellt für Google ein wichtiges Werkzeug dar, um die Entwicklung von „Android Auto“ voranzutreiben. Die Vielzahl der Fahrzeugmodelle, in denen die Software Verwendung finden wird und die große Anzahl an Partnerunternehmen, mit denen Google bei der Integration von Android zusammenarbeiten wird, sollte bei die Entwicklungsgeschwindigkeit und die Kompatibilität des Programms positiv beeinflussen. Der Bildschirm des Infotainment-Systems des Automobils dient dabei als Bedienoberfläche der sich auf dem mobilen Endgerät befindlichen Android Auto App. Mehr als 30 Automobilhersteller haben mittlerweile Bordsysteme angekündigt, welche die App unterstützen sollen, zuletzt kündigte VW an, dass die konzerneigenen Systeme ab dem Modelljahr 2016 kompatibel sein werden. Einen Anspruch auf Exklusivität besitzt Google dabei aber nicht. Viele der Unternehmen, welche sich an der Allianz beteiligen, arbeiten parallel auch an Lösungen mit anderen Softwarekonzernen, vor allem Apple und Microsoft sind in diesem Zusammenhang zu nennen.  

Die Konkurrenzplattform von Apple Apple Inc (US0378331005) hört auf den Namen „CarPlay“, ehemals bekannt als „iOS in the car“, und wurde erstmals im Jahr 2013 vorgestellt. Eben wie Google arbeitet auch Apple mit einer großen Anzahl wichtiger Automobilhersteller zusammen und plant die zeitnahe Implementierung des Systems in neuen Fahrzeugmodellen. Zudem kooperiert das Unternehmen unter anderem mit den Zulieferern Pioneer und Alpine, welche Infotainment-Geräte als Nachrüstsätze herstellt. Diese nachrüstbaren Geräte unterstützen die Applikation CarPlay, genau wie sämtliche mobilen Apple-Geräte mit der Software iOS 7.1 oder besser. Aus dem Feld der Automobilhersteller bot Volvo erstmal im Jahr 2015 eine mit dem Programm kompatible Bordlösung in einem massenmarkttauglichen Fahrzeugmodell an. Zuvor hatte im Jahr 2014 Ferrari das erste Auto mit serienmäßiger Unterstützung von CarPlay ausgeliefert. Opel integrierte das System kürzlich in der auf der IAA vorgestellten neuen Astra Generation. Ähnlich wie bei Android Auto versuchen auch hier die Mehrzahl der Automobilunternehmen eine zeitnahe Kompatibilität ihrer Bordlösungen mit Apples Applikation zu erreichen.

Auch die Entwicklung eines eigenen Fahrzeugs treibt Apple Gerüchten zufolge weiter voran. Dabei soll es sich um ein batteriebetriebenes, voll-elektrisches Fahrzeug handeln, welches mit zunehmender Weiterentwicklung auch fähig sein soll, vollständig autonom zu fahren. Bisher hat sich das Unternehmen nicht zu den Gerüchten um dieses Projekt geäußert, branchenintern ist es jedoch auffällig, dass Apple eine Vielzahl ehemaliger Ingenieure aus der Automobilindustrie angestellt hat.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich sowohl Google als auch Apple auf ihrer hervorragenden Marktposition im Bereich Car-Connectivity Features nicht ausruhen, sondern aktiv versuchen, auch im Bereich eigener Fahrzeug- und Mobilitätslösungen in den Markt einzutreten. Es bleibt abzuwarten, mit welcher Geschwindigkeit beide Unternehmen ihre eigenen Fahrzeuge an die Serienreife heranführen können. Selbiges gilt für die Automobilindustrie im Hinblick auf in vollem Umfang funktionale Infotainment- und Connectivity-Lösungen.

Für Apple und Google war der Schritt von den mobilen Endgeräten hin zu den Bordsystemen von Automobilen derweil der nächste logische Schritt, um die Nutzungsdauer ihrer Betriebssysteme weiter zu erhöhen. Die Nutzung von Mobiltelefonen während der Fahrt wird in Zukunft so einfach und intuitiv wie nie zuvor möglich sein. Für die beiden Technologie-Riesen bietet dieser Umstand die Möglichkeit, an eine noch größere Masse von Nutzerdaten zu gelangen. Zukünftig werden sie dadurch nicht nur in der Lage sein, ihre Applikationen (beispielsweise Kartendienste wie Google Maps) weiter zu optimieren, sondern auch die Nutzer gezielter mit für sie relevanten Informationen aus dem jeweiligen Bewegungsprofil zu versorgen. Momentan befinden sich Google und Apple auf dem Themengebiet „Connected Car“ in einer glänzenden Ausgangsposition. Auch die Aktienkurse sollten davon profitieren. 


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