Analyse Aktien Online-TV

Online-TV: Neue Konkurrenz auf dem Markt?

Ein Beitrag von tzimmer 14 30.08 - 18:18

Im Bereich des Online-Fernsehens haben sich die Marktverhältnisse in den letzten Jahren gefestigt. Eine Reihe von Ankündigungen und Neuigkeiten ließen in den vergangenen Monaten jedoch aufhorchen. In naher Zukunft könnten sich etablierte Wettbewerber wie Netflix oder Amazon neuer Konkurrenten gegenübersehen.
 
Walt Disney Company
 
 
Netflix Inc
 
 
Apple Inc
 

Online-TV ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil des Alltags vieler Menschen geworden. Vor allem angetrieben durch das rasante Wachstum amerikanischer Anbieter wie Netflix etablierte sich im vergangenen Jahrzehnt ein Markt, der derzeit diverse Anbieter umfasst, darunter etwa auch die Angebote von Amazon oder Google. Die Verhältnisse innerhalb dieser neuen Branche erschienen in den letzten Jahren relativ konstant. Sukzessive kommen jedoch in den letzten Monaten Nachrichten und Gerüchte über einen bevorstehenden Markteintritt der beiden Großkonzerne Apple und Walt Disney auf. Der Wettbewerb könnte in naher Zukunft also vor einer größeren Disruption stehen. Insbesondere Walt Disney möchte sich durch die anvisierte Übernahme von 21st Century Fox zukünftig besser aufstellen, um rückläufigen Erträgen aus dem Kabelgeschäft in den USA entgegen zu wirken. Währenddessen wächst der Markt für bezahlte Online-Inhalte stetig weiter. Auch im vergangenen Jahr erhöhte sich der Umsatz in diesem Sektor in Deutschland um etwa 15 Prozent auf etwa 3,1 Milliarden Euro. Dies geht aus einer Marktanalyse des Verbands Privater Medien (Vaunet) hervor. Wie ist es derzeit um Netflix bestellt und wie sind die Bemühungen der neuen Interessenten einzuschätzen?

Netflix Inc (US64110L1061)

Netflix konnte sich in vielen Ländern und Märkten in den letzten Jahren eines rasanten Wachstums erfreuen. Dies spiegelte sich auch im Aktienkurs des Unternehmens wider. Alleine in den letzten drei Jahren legte dieser um 171 Prozent zu. Beim Blick auf die jüngsten Quartalszahlen ergibt sich ein gemischtes Bild. Zwar konnten Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum beträchtlich zulegen, jedoch konnten die Prognosen von Analysten bezüglich dieser Kennzahlen sowie die eigenen Vorhersagen zum Nutzerwachstum nicht erreicht werden. Hinsichtlich der Nutzer verfehlte man das gesetzte Ziel um rund 1 Millionen Neukunden, dennoch konnten weltweit im zweiten Quartal 5,14 Millionen neue Nutzer verzeichnet werden. Der Umsatz stieg um 40 Prozent auf 3,91 Milliarden US-Dollar, während der Gewinn von 65,6 Millionen auf 384,3 Millionen US-Dollar erhöht werden konnte. Analysten hatten den Gewinn jedoch wesentlich höher eingeschätzt, von den prognostizierten 79 Cent pro Aktie war man mit einem tatsächlichen Ergebnis von 55 Cent ein ganzes Stück entfernt. Netflix beziffert die Investitionen für die Eigenproduktionen im laufenden Geschäftsjahr auf 8 Milliarden US-Dollar. Dies ist Teil der langfristigen Strategie, um sich von Filmverleihern und Produktionsstudios unabhängiger zu machen und Kunden durch hochwertige Exklusivinhalte zu binden und anzulocken. Diese Bemühungen scheinen zu fruchten. Kein anderer Produzent erhielt für die amerikanischen Emmy-Awards, welche man als Gradmesser für Qualität und Beliebtheit der Filme, Dokumentationen und Serien heranziehen könnte, mehr Nominierungen als Netflix. Kürzlich gab Netflix eine Kooperation mit Sky bekannt, einem seiner größten europäischen Konkurrenten. Gegenstand der Zusammenarbeit soll ein Austausch von Inhalten sein. Über die jeweiligen Plattformen beider Unternehmen sollen zukünftig auch Angebote des jeweils anderen Anbieters abrufbar sein. Je nach Ausgestaltung und Umfang dieser Vereinbarung könnte dies für Netflix eine Möglichkeit darstellen, die Reichweite seiner Produktionen weiter zu erhöhen und so potenziell auch weitere Kunden zu gewinnen. Denkbar wäre hier auch eine Erweiterung der eigenen Abo-Varianten, um zusätzliche Umsätze von Bestandskunden zu generieren. Dennoch könnte in den kommenden Jahren ein Rückgang der Wachstumsdynamik der vergangenen Jahre eintreten. Dies dürfte nicht zuletzt in der Tatsache begründet liegen, dass die Konkurrenz auf diesem Sektor stetig zunimmt, mittlerweile ist auch den etablierten Fernsehsendern und Medienanstalten die Bedeutung des Online-TVs für den Medienkonsum der Zukunft bewusst und auch diese verschieben ihr Angebot nun zusehends in Online-Plattformen. Darüber hinaus sieht sich Netflix aufgrund er Entwicklung der vergangenen Jahre einer enormen Erwartungshaltung der Märkte entgegen, was zuletzt an den hohen Gewinnerwartungen der Wall Street beobachtet werden konnte und der Aktie einen Kursrutsch bescherte. Zudem stehen Markteintritte neuer, potenziell bedeutender Konkurrenten bevor. Diese Faktoren sollten den weiteren Ausblick aber auch nicht zu pessimistisch erscheinen lassen. Netflix konnte auch im bisherigen Jahresverlauf weiter wachsen, der Markt für Online-Inhalte könnte auch in den kommenden Jahren noch an Volumen gewinnen und die für den Unternehmenserfolg äußerst bedeutenden Eigenproduktionen werden von der Unternehmensführung nach wie vor in den Fokus gerückt und erfreuen sich derzeit sowohl bei Nutzern, als auch bei Kritikern überwiegend großer Beliebtheit.

Apple Inc (US0378331005)

Ähnlich der Situation um das Apple Car, halten sich auch um einen Streamingdienst aus dem Hause Apple seit einiger Zeit hartnäckig Gerüchte. Nun verdichten sich die Anzeichen immer mehr, dass bereits nächstes Jahr das Angebot online gehen könnte. So wurden in den vergangenen Monaten eine Vielzahl erfahrener Produzenten von diversen Produktionsfirmen abgeworben, verschiedene Lizensierungsverträge abgeschlossen und in Los Angeles ein mehr 10.000 Quadratmeter großes Office-Gebäude angemietet. Einen wesentlichen Vorteil von Apple könnte, neben den beträchtlichen finanziellen Möglichkeiten des Unternehmens, auch die weitreichende Verbreitung seiner Geräte und Services darstellen. Per Update könnte das Online-TV für die weltweit mehr als eine Milliarde genutzten Apple-Geräte verfügbar gemacht werden. Sollte man sich dazu entscheiden, die Funktionalität in iTunes oder Apple Music zugänglich zu machen, so würde sich diese Reichweite auch auf Computer und mobile Endgeräte anderer Hersteller erhöhen. Die Programmgestaltung soll der von Netflix ähneln, auch hier sollen Eigenproduktionen eine wichtige Rolle im Gesamtangebot des Dienstes übernehmen, um sich mittelfristig weniger abhängig von großen Produktionsfirmen und Filmverleihern zu machen. Das Wall Street Journal berichtete, dass Apple bereits im laufenden Geschäftsjahr rund eine Milliarde US-Dollar in diese Eigenproduktionen investiert und sich diese Summe laut Tim Cook in den kommenden Jahren noch signifikant erhöhen könnte.


Walt Disney Company (US2546871060)

Auch Disney hat angekündigt, gegen Ende des Jahres 2019 einen eigenen Streaming-Dienst etablieren zu wollen. Analog zu seinen Konkurrenten wird auch es auch hier eigenproduzierten Content geben, die New York Times berichtete in diesem Zusammenhang kürzlich von einer Serienversion der Star Wars-Saga. Darüber hinaus verfügt Disney aber auch über diverse weitere populäre Rechte, deren exklusives Erscheinen auf der eigenen Plattform deren Attraktivität erhöhen könnten. Hierzu zählen unter anderem die Marvel-Charaktere, die Dokumentationen von National Geographic und, bei erfolgreichem Abschluss oben bereits erwähnter Übernahme von 21st Century Fox, auch die „X-Men“ oder auch die Simpsons. Preislich soll der Disney-Streaming-Dienst unterhalb von Netflix angesiedelt werden. Anscheinend plant man den neuen Service gezielt an bestimmte Nutzergruppen wie Kinder und Fans größerer Franchises wie Star Wars zuzuschneiden. Mit Hulu würde man von 21st Century Fox zudem eine bereits sehr gut etablierte Plattform hinzuerwerben, um Netflix im Bereich von Fremdproduktionen und Serien die Stirn zu bieten. Disney könnte mit dem neuen Angebot Netflix treffen, bereits ab 2019 werden Disney-Inhalte in den USA nicht mehr über Netflix abrufbar sein. Anleger sollten dennoch im Falle von Apple und Disney auf konkrete Unternehmensmitteilungen und die Veröffentlichung weiterer Details abwarten, da in beiden Fällen noch wichtige Informationen für eine genauere Prognose der Erfolgsaussichten fehlen, beispielsweise die geplante Preisgestaltung oder zukünftige Endgerätkompatibilitäten. 


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