Analyse Aktien Quantencomputer

Quantencomputer: Serienreife in Sicht?

Ein Beitrag von tzimmer 8 28.11 - 13:11

Die Entwicklung einer neuen Generation von Computern nimmt immer mehr an Fahrt auf, das Potenzial von Quantencomputern ist beachtlich. Die Kommerzialisierung der Systeme verkommt dabei zu einem Wettrennen der Konzerne. Wie schlagen sich zwei Unternehmen, die bereits zu Beginn des ersten Computerbooms im Markt präsent waren?
 
International Business Machines...
 
 
Microsoft Corp
 

In der Vergangenheit stellten eines der größten Hindernisse zur Kommerzialisierung der Quantentechnologie die Komponenten dar, welche für deren Fertigung notwendig sind. Der technologische Fortschritt bei Lasern, Halbleitern, Elektronikkontrollbauteilen sowie Fertigungsverfahren bei niedrigeren Temperaturen haben jedoch dazu geführt, dass eine profitable Produktion von Quantentechnologie sukzessive realistischer wird. Besonders beim Betrachten von Prozessoren ergeben sich hierdurch sehr interessante Möglichkeiten. Während die Bits aktueller Prozessoren nur die Zustände 0 oder 1 annehmen können, ist es den sogenannten Qubits möglich, durch Quantenzustände wie Überlagerung und Verschränkung, mehrere Zustände gleichzeitig anzunehmen. Während aktuelle Prozessorgenerationen nur sequenziell rechnen können, wird es durch die Ermöglichung mehrerer Zustände zum gleichen Zeitpunkt möglich sein, Berechnungen parallel durchzuführen. Hierdurch ergibt sich eine um ein Vielfaches höhere theoretische Rechenleistung solcher Quantenprozessoren. Beispiele für wichtige potenzielle Bedarfsfelder der Quantencomputer wären beispielsweise die Analyse komplexer chemischer Moleküle in der Pharmabranche oder die Ermöglichung einer schnelleren Weiterentwicklung von Anwendungsmöglichkeiten der künstlichen Intelligenz. Laut einer Erhebung des Beratungsunternehmens McKinsey waren im Jahr 2015 dabei weltweit lediglich 7.000 Personen in der Erforschung der Systeme beschäftigt. Diesen stand allerdings ein Budget in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar zur Verfügung. Die Forschungsinvestitionen von Unternehmen, Universitäten und Staaten steigen stetig weiter. Zahlenmäßig ist eine genaue Einschätzung des Marktpotenzials hierbei sehr schwierig. Durch den Umstand, dass die vielfach erhöhte Rechenleistung wirtschaftsübergreifend in sämtlichen Industrien und Geschäftsfeldern Nutzen stiften könnte, dürfte für erfolgreiche Marktteilnehmer aber ein beträchtliches Geschäftspotenzial vorliegen. Daher lohnt ein Blick auf zwei Unternehmen, die bereits bei der Einführung der ersten kommerziellen Computergeneration sehr erfolgreich operierten.

International Business Machines Corp (US4592001014)

Bei der Etablierung der ersten Computer und auch bei der Einführung des Personal Computers spielte IBM eine wesentliche Rolle. Auch hinsichtlich von Quantencomputern möchte sich das amerikanische Unternehmen wieder frühzeitig am Markt platzieren. Im März 2017 kündigte IBM bereits an, als erstes Unternehmen weltweit eine kommerzielle Version eines Quantencomputers bauen zu wollen. Mittelfristiges Ziel soll die Realisierung eines auf bis zu 50 Qubits basierenden Quantencomputers sein. Bereits im Jahr 2016 stellte IBM auf Cloudbasis Forschungseinrichtungen und Unternehmen einen Quantencomputer basierend auf 16 Qubits zur Verfügung. Laut Unternehmensangaben sollen hiermit bisher bis zu 300.000 Experimente und Simulationen durchgeführt worden sein. Dieser Aspekt verdient Beachtung, da dies für IBM einen sehr frühen Kontakt mit potenziellen Kunden bedeutet, welcher bei der späteren Markteinführung oder Monetarisierung der Quantencomputer eine wichtige Rolle spielen könnte. Im Mai des Jahres 2017 konnte man darüber hinaus den Bau eines Quantenprozessors auf Basis von 17 Qubits bekannt geben. Dieser Prototyp soll der Grundstock des geplanten kommerziellen Quantencomputers sein. IBM setzt hiermit auch ein Zeichen an die bisherigen Nutzer des experimentellen Cloudservice. Im Zusammenhang mit diesem Service hat IBM auch ein passendes Software Development Kit zur Verfügung gestellt. Dies könnte die Verfügbarkeit und Neuentwicklung von Anwendungen für Quantencomputer beschleunigen und somit bereits kurz- bis mittelfristig spezifische Kundenbedürfnisse nach der Technologie entstehen lassen.

Microsoft Corp (US5949181045)

Der Aufstieg von Microsoft zu einem weltweiten Technologie-Giganten hing eng mit der Einführung der ersten Generation der Personal Computer zusammen. In den letzten 15 Jahren könnte man die Geschäftsentwicklung des Konzerns aber als enttäuschend bezeichnen. Der Verlust der Marktführerschaft bei Betriebssystemen von Endgeräten, welche man durch Android an Google abtreten musste, ein stetig sinkender Absatz von PCs im klassischen Sinne und auch die letztlich nicht gelungene Etablierung eines eigenen Betriebssystems für mobile Endgeräte sorgten bei Investoren für Enttäuschung und führten zum Verlust der starken Marktposition der frühen 1990er-Jahre. In dieser Hinsicht ist es wenig verwunderlich, dass Microsoft sich in der Erforschung von Lösungen für das „Quantenzeitalter“ stark engagiert. Fehlende Software für Quantencomputer könnten sich für das Unternehmen als fatal erweisen. Die Innovationskultur der neuen Unternehmensführung umfasste seit 2014 dabei beispielsweise große Investments in Cloudtechnologien oder auch Augmented Reality. Auch hinsichtlich von Quantencomputern arbeitet Microsoft mit Hochdruck an Lösungen. Die Strategie umfasst hierbei neben dem Bau eigener Quantencomputer vor allem auch die Entwicklung geeigneter Software-Lösungen, um im Falle einer beginnenden Vermarktung dieser Computer ähnlich wie im Falle der Personal Computer vollumfänglich von deren Verbreitung profitieren zu können. Zur Unterstützung seiner Bemühungen geht Microsoft, ähnlich wie IBM, auch in immer größerem Umfang auf Forschungseinrichtungen zu. Zuletzt gab das Unternehmen eine Kooperation mit der Universität Kopenhagen bekannt, welche vorsieht, in direkter Nähe zum Niels-Bohr-Institut ein eigenes Forschungszentrum zu errichten und die Universität hierdurch zu einem wichtigen Zentrum für die Erforschung von Quantenmechanik auszubauen. Während sich Microsoft zu Veröffentlichungsterminen von Hardware-Komponenten noch bedeckt hält, möchte das Unternehmen zeitnah Fortschritte bei der Entwicklung einer neuen Programmiersprache verzeichnen, welche auf das Leistungsvermögen von Quantencomputern optimiert sein wird. Diese Programmiersprache soll für die Anwendung der Microsoft-Entwicklungsumgebung „Visual Studio“ optimiert sein. Im Gegensatz zu IBM kann Microsoft noch keinen Zugang zu einem Quantencomputer ermöglichen. Bis dieser zur Verfügung stehen wird, will das Unternehmen den Programmierern der Sprache zeitnah einen Simulator anbieten, um die Entwicklungsschritte testen zu können. Im Vergleich zu IBM fokussiert sich Microsoft sehr viel stärker auf den Softwareaspekt der neuen Computer-Generation, während man bei der Entwicklung der Hardware-Komponenten noch keine ähnlichen Fortschritte verzeichnen kann. Sollte durch die Etablierung der neuen Programmiersprache allerdings eine frühzeitige Standardisierung auf die Microsoft-Entwicklungsumgebung stattfinden und die rechtzeitige Fertigstellung eines leistungsfähigen Betriebssystems gelingen, könnten Quantencomputer für das Unternehmen eine ähnliche Erfolgsgeschichte darstellen wie Windows zu Beginn des PC-Booms.

Anleger sollten beachten, dass eine endgültige Kommerzialisierung von Quantencomputern noch Jahre, eventuell auch Jahrzehnte entfernt ist. Momentan verursacht die Forschung für die Unternehmen primär Kosten. Aufgrund des immensen Potenzial der Quantentechnologie in allen Sektoren der Wirtschaft kann sich ein genaues Verfolgen des Entwicklungsfortschritts einzelner Unternehmen dennoch lohnen.


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