Analyse Aktien Reifenhersteller

Elektromobilität: Kommt Bewegung in den Reifenmarkt?

Ein Beitrag von tzimmer 7 11.05 - 14:36

Die besonderen Anforderungen an die Bereifung von Elektroautos könnten in dieser Branche zukünftig für Bewegung sorgen. Elektromobilität steht auch für brachiale Beschleunigungswerte, dies könnte die Nachfrage nach Reifen erhöhen.
 
Continental AG
 
 
KK Bridgestone
 
 
Goodyear Tire & Rubber Co
 

Ein wesentliches Potenzial zur Energieeinsparung liegt bei Elektroautos im Bereich der Reifen. Die Minimierung des Rollwiderstands nimmt in der heutigen Entwicklungsarbeit von Reifenherstellern eine noch elementarere Rolle ein als in der Vergangenheit. Der Rollwiderstand ist bei Elektroautos für etwa 25 bis 30 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs verantwortlich, bietet also ein großes Optimierungspotenzial in der Weiterentwicklung der Elektromobilität. Die größte Herausforderung stellt dabei die Balance zwischen Rollwiderstand und dem Grip der Reifen, insbesondere bei nassen Straßenverhältnissen, dar. Diese neue Anforderung an die Eigenschaften eines Reifens könnten für Bewegung in der Branche der Reifenhersteller sorgen, welche in den zurückliegenden Jahrzehnten eine vergleichsweise geringe Wettbewerbsintensität und geringe Anzahl an grundlegenden Innovationen gekennzeichnet war. Zusätzlich dürfte bei Elektroantrieben durch höhere Beschleunigungswerte ein deutlich höherer Abrieb bei den Reifen einsetzen. So beschleunigt der aktuelle Tesla Model S Performance, als fünf-sitzige Familienlimousine mit 2,7 Sekunden ähnlich brachial wie der Supersortwagen Bugatti Veyron, kostet aber im Vergleich dazu weniger als ein Zehntel. Damit könnte es durch die Elektromobilität zu einem deutlich höheren Reifenverschleiß kommen. Laut einer Studie von PwC soll der Anteil der Elektroautos an der Zahl der Neuzulassungen weltweit bis zum Jahr 2030 auf rund 30 Prozent ansteigen. Daher erscheint eine frühzeitige Positionierung in diesem Marktsegment für Reifenhersteller und Zulieferer als notwendig, sofern die momentane Marktposition gehalten oder gar ausgebaut werden soll. Gerade aus deutscher Sicht lohnt hier ein genauerer Blick auf Continental, ein Unternehmen, welches sich als einer der größten Automobilzulieferer weltweit etabliert hat und auch hinsichtlich der elektrischen Antriebe eine Vorreiterrolle einnehmen möchte.

Continental AG (DE0005439004)

Die Continental AG ist im Bereich der Automobilzulieferer eine etablierte Größe. Dem privaten Autofahrer hauptsächlich aufgrund der eigenen Reifensparte bekannt, produziert der Konzern mit Hauptsitz in Hannover für eine große Anzahl von automobilen Baugruppen Komponenten. Innerhalb Deutschlands besitzt der DAX-Konzern derzeit die Marktführerschaft auf dem Reifenmarkt. Auch im laufenden Geschäftsjahr stimmen die Unternehmenszahlen positiv. Erst kürzlich erhöhte die Konzernführung die Prognose für den Konzernumsatz um 500 Millionen Euro und geht nun von einem Gesamtumsatz in Höhe von 43,5 Milliarden Euro für 2017 aus. Trotz steigender Rohstoffkosten konnte auch der für die Reifenproduktion zuständige Bereich „Rubber Group“ im ersten Quartal einen Umsatzzuwachs in Höhe von 10,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verbuchen. Den Bedarf nach Reifen mit besonderen Eigenschaften hinsichtlich der Elektroantriebe erkannte die Konzernführung hierbei früh. Bereits im Jahr 2012 war das Unternehmen mit dem Modell „Conti.eContact“ auf dem Markt vertreten. Der Reifen besitzt einen größeren Durchmesser als üblich und ist dabei wesentlich schmaler gehalten. Die Lauffläche wurde unter anderem durch den Verzicht auf Querrillen hinsichtlich des Rollwiderstands optimiert. Laut eigenen Angaben hat Continental seit 2012 rund eine Milliarde Euro in die Forschungs- und Entwicklungsarbeit im Segment Elektromobilität investiert, erst Ende April kündigte der Vorstand weitere Investitionen im Umfang von 300 Millionen Euro bis zum Jahr 2021 an. Diese Investitionsbereitschaft könnte man als positives Zeichen für die Zukunft deuten, die Konzernführung scheint sich der Wichtigkeit der neuen Antriebskonzepte bewusst zu sein. Auch wenn die Reifenproduktion innerhalb des Konzerns nach wie vor eine sehr wichtige Rolle einnimmt, könnte auch die breite Diversifizierung des Produktportolios Continental weniger stark von Entwicklungen auf Einzelsegmenten des Zulieferermarktes machen. Abschließend könnte man auch die momentane Marktposition der Continental AG im Zulieferermarkt positiv bewerten. Die enge Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von großen Automobilhersteller, beispielsweise dem VW-Konzern, könnte dem Konzern auch in Zukunft wichtige Zulieferer- und Erstausstattungsaufträge sichern, welche die Marktposition des Unternehmens auch beim sukzessiven Übergang zur Elektromobilität absichern könnten.

 

Neben Continental könnten natürlich noch die globalen Reifenhersteller Bridgestone und Goodyear von erhöhter Nachfrage nach Reifen profitieren.

Goodyear Tire & Rubber Co (US3825501014)





 




KK Bridgestone (JP3830800003)

 

 

 

 

 


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