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Online-Reiseportale: Weiteres Wachstum in Sicht?

Ein Beitrag von tzimmer 14 30.03 - 22:24

Wenige Branchen wurden durch das Internet ähnlich stark transformiert wie der Tourismusbereich. Zudem könnte weiteres Marktwachstum durch eine Reihe derzeitiger Rahmenbedingungen ermöglicht werden. Ein Blick auf zwei große amerikanische Marktteilnehmer soll klären, ob diese sich derzeit als Investment eignen könnten.
 
Expedia Inc Del
 
 
TripAdvisor Inc
 

Als eine der Branchen, welche im vergangenen Jahrzehnt durch das Internet grundlegend verändert wurden, könnte man den Tourismussektor bezeichnen. Buchungsportale für Flüge, Hotels, Mietwagen und Ferienwohnungen, Bewertungsportale für Restaurants oder Sehenswürdigkeiten, aber auch Dienstleister im Bereich der Sharing Economy (beispielsweise Airbnb) haben den Prozess der Reiseplanung für Urlauber transparenter gestaltet und dem klassischen Geschäft der Pauschalreisenanbieter und Reisebüros erhebliche Marktanteile streitig gemacht. Welche Größe dieser Online-Markt mittlerweile erreicht hat, lässt sich anhand der Zahlen des Jahres 2017 abschätzen. Laut einer Analyse des Marktforschungsunternehmens „Zion Market Research“ betrugen die weltweiten Umsätze hier rund 765 Milliarden US-Dollar. Die gleiche Studie prognostiziert zudem bis zum Jahr 2026 ein Gesamtvolumen von etwa 1.955 Milliarden US-Dollar. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate würde in diesem Szenario bei circa 12 Prozent liegen. Als Gründe für diese Prognose könnte man eine Reihe von Faktoren anführen. Die zunehmende Digitalisierung unseres Alltags, steigender Wohlstand in einigen wichtigen Emerging Markets, welcher vor allem auf dem wachsenden chinesischen Urlaubsmarkt noch Potenziale bieten könnte, sowie die hohe Marktdurchdringung der Online-Portale bei jüngeren Nutzergruppen könnten für einen solchen Verlauf der Wachstumskurve sprechen. Gerüchte über einen bevorstehenden Airbnb-Börsengang lenken derzeit das Interesse vieler Anleger auf diesen Markt. Daher soll an dieser Stelle ein Blick auf weitere Wettbewerber geworfen werden, welche für ein Investment in Frage kommen könnten.

Expedia Inc Del (US30212P3038)

Expedia wurde ursprünglich im Jahr 1996 als Bestandteil von Microsoft gegründet und im Jahr 1999 als Spin-Off zu einer eigenständigen Gesellschaft umgewandelt. Die Unternehmensgeschichte war bisher von zahlreichen Verschmelzungen und Zukäufen geprägt. Expedia selbst wurde im Jahr 2003 von der InterActiveCorporation erworben, welche zwei Jahre später wiederum die „Expedia Corporation“ ausgliederte. Die aktuelle Unternehmensform wurde 2011 durch ein Spin-Off aus der TripAdvisor Media Group erreicht. Im März vergangenen Jahres erfolgte die Umbenennung in „Expedia Group Corporation“. Das in Washington State ansässige Unternehmen beschäftigt mittlerweile mehr als 20.000 Angestellte und erzielte im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz in Höhe von rund 10 Milliarden US-Dollar. Zu den bekanntesten Portalen der Gruppe zählen unter anderem Expedia.com, Ebookers, trivago, HomeAway, Hotels.com oder auch Travelocity. Dieses umfassende Portfolio an Portalen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Zielgruppen könnte man zu den größten Stärken des Unternehmens zählen, da es Expedia Marktanteilpotenziale in verschiedenen Sektoren und demografischen Gruppen eröffnet. Der wachsende asiatische Markt rückt mehr und mehr in den Fokus der Unternehmensführung. Musste man sich 2015 noch von einer großen Beteiligung am Mobilfunk- und Booking-Unternehmen eLong trennen, so diversifiziert Expedia seine Aktivitäten im asiatischen Raum nun wieder zunehmend. Im August vergangenen Jahres wurde bekannt, dass Expedia auch die verbleibenden 25 Prozent des seit 2011 mit AirAsia betriebenen Joint Ventures „AAE Travel“ übernimmt und zukünftig alleiniger Besitzer des Unternehmens sein wird. AAE Travel besitzt Exklusivrechte für den Fremdvertrieb der AirAsia-Flüge im Asien-Pazifik-Raum. Des Weiteren ging Expedia eine Minderheitsbeteiligung mit einem Volumen von 350 Millionen US-Dollar an der indonesischen Booking-Seite Traveloka ein. Seit 2016 operiert zudem ein chinesischer Ableger des Portals, das Portal Hotels.com behauptet sich auf dem südkoreanischen Markt. Mit der prognostizierten steigenden Bedeutung des asiatischen Marktes für die Branche könnte man diese Aktivitäten durchaus positiv deuten. Die jüngsten Quartalsergebnisse zeichneten ein gemischtes Bild. Bereinigt um einmalige Belastungen konnte der Quartalsgewinn im Jahresvergleich von 132 Millionen auf 191 Millionen Euro gesteigert werden. Der Umsatz erhöhte sich währenddessen von 2,3 Milliarden US-Dollar auf 2,6 Milliarden US-Dollar. Der tatsächliche Gewinn betrug jedoch lediglich 17 Millionen US-Dollar und lag somit deutlich unter dem Vorjahreswert von 55 Millionen US-Dollar. Gründe hierfür liegen unter anderem, vor allem in der ersten Jahreshälfte, in höheren Ausgaben für Vertrieb und Marketing, gestiegene administrative Kosten sowie höheren Investitionen in Technologie und Webcontent. Für Investoren wird es interessant zu beobachten sein, ob diese Investments in das eigene Geschäft sich in den kommenden Quartalen auszahlen werden. Die Unternehmensführung ist hinsichtlich dieser Frage optimistisch. So kündigte man für das Geschäftsjahr 2019 einen Anstieg des EBITDA in Höhe von 10 bis 15 Prozent an, die meisten Analysten gingen von maximalen Werten um die 9 Prozent aus. Anleger sollten zudem HomeAway im Blick behalten. In der jüngeren Vergangenheit war es vor allem dieses Portal, was die Gesamtumsätze stark antrieb, zuletzt ließen die Wachstumsraten hier jedoch etwas nach.

TripAdvisor Inc (US8969452015)

Das in Needham, Massachusetts ansässige Unternehmen Tripadvisor betreibt das gleichnamige Reiseportal, welches neben den Booking-Services auch einen hohen Wert auf Informationen zu Reisezielen und Reiseplanung legt. Mit mehr als 700 Millionen Bewertungen, 7,5 Millionen registrierten Unterkünften, Restaurants oder Attraktionen sowie mehr als 450 Millionen Nutzern gilt Tripadvisor gemeinhin als das größte Reiseportal auf diesem Markt. Ähnlich wie Expedia besitzt auch die Tripadvisor Corporation eine Reihe von Tochtergesellschaften, die bekanntesten wären in diesem Fall TravelPod und SeatGuru. Im Geschäftsjahr 2018 lag der Gesamtumsatz der Gruppe bei rund 1,6 Milliarden US-Dollar. Aus Anlegersicht verlief das Jahr 2018 erfreulich. Nach einem ernüchternden Jahr 2017, welches in den beiden letzten Quartalen jeweils eine Senkung der Umsatzprognose umfasste, stieg der Kurs der Aktie im darauffolgenden Jahr von 28 auf 46 Euro. Einen Strategiewechsel zu Beginn des Jahres 2018 könnte man in diesem Zusammenhang als wichtigen Wegbereiter für diese Entwicklung nennen. Nachdem das Hauptaugenmerk zuvor noch auf Umsatzwachstum ausgerichtet war, konzentrierte man sich von nun an vor allem auf eine Erhöhung der Profitabilität mit einem Fokus auf das Geschäft der Hotelvermittlungen. Infolgedessen konnte man beim operativen Ergebnis zulegen. Die erhöhte Profitabilität erkaufte sich das Management, unter anderem auch durch Kürzungen der Werbebudgets, mit einem leichten Umsatzrückgang im Bereich der Hotelvermittlung. Der Umsatz pro Nutzer stieg jedoch erstmals seit mehr als einem Jahr wieder an. Im Zusammenhang mit Tripadvisor muss zweifelsohne angemerkt werden, dass die teils starken Kursgewinne des vergangenen Jahres auch auf dem Umstand beruhen, dass die Erwartungen der Anleger an das Unternehmen zu Jahresbeginn sehr gering waren. Im kommenden Geschäftsjahr könnten die höhere Bewertung sowie die gestiegenen Erwartungen zu einer Verlangsamung der Kursentwicklung beitragen. Ein erstes Anzeichen dieses Phänomens konnte man in der Reaktion der Märkte auf die Zahlen des vierten Quartals beobachten. Obwohl Tripadvisor die Analysteneinschätzungen zu den Umsätzen und Nutzerzahlen schlagen konnte, verlor die Aktie als Reaktion zwischenzeitlich bis zu 8 Prozent ihres Werts. Als Grund hierfür könnte man die niedrigeren Gesamtumsätze der Hotelsparte sehen, welche aufgrund der Strategieänderung zwar profitabler wurden, im Gesamtumsatz aber ein leichtes Minus im Vergleich zum Vorjahr auswiesen. Währenddessen konnten die übrigen Geschäftsfelder um rund 38 Prozent zulegen. Investoren sollten auf die Entwicklung des Hotelgeschäfts achten. Auch wenn die Umsätze der übrigen Aktivitäten stetig wachsen, dürfte dieses Segment nach wie vor eine überragende Bedeutung für die Gesamtentwicklung der Gruppe besitzen.


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