Analyse Aktien Rohstoffe

Schätze in der Tiefe

Ein Beitrag von Squid 39 23.10.2014

Auf dem Meeresboden vermuten Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) Schätze im Wert von vielen Milliarden, wenn nicht gar Billiarden Euro.
 
Bauer AG
 
 
Barrick Gold Corporation
 
 
Anglo American PLC
 
 
Technip (ex-Technip-Coflexip)
 
 
NAUTILUS MINERALS INC. REGIST...
 
 
TECK RESOURCES LTD. REGISTE...
 

Die Rede ist von Manganknollen, Kobaltkrusten und Massivsulfiden, die in mehreren Kilometern Wassertiefe lagern. Denn diese Jahrmillionen alten Gesteinsbrocken beherbergen Metalle, die viele Milliarden Euro wert sind.


Ein Blick auf die Fakten:

Grundsätzlich muss man beim Meeresbergbau 2 Situationen unterscheiden: den Bergbau in den Hoheitsgewässern eines Staates und den Bergbau im Bereich der Hohen See, die als Erbe der Menschheit und somit als gemeinsame Ressource aller Staaten gilt. Den Bergbau in den Hoheitsgebieten regeln die Nationalstaaten in eigener Verantwortung. Im Bereich der Hohen See hingegen werden Lizenzgebiete von einer Behörde zentral vergeben, der Internationalen Meeresbodenbehörde (International Seabed Authority, ISA) mit Sitz in Kingston, Jamaika. Die ISA wacht insbesondere darüber, dass die Gewinne aus den Aktivitäten des Meeresbergbaus künftig gerecht verteilt werden. So soll verhindert werden, dass allein reiche Staaten Zugriff auf die vielversprechenden Ressourcen haben. In den vergangenen Jahren hat die ISA bereits zahlreiche Lizenzgebiete zur Erkundung an mehrere Staaten vergeben, die dort zurzeit nur explorieren dürfen. Abgebaut wird noch nirgends, weil die endgültigen Abbauregeln momentan noch diskutiert werden. Die ISA will bis 2016 die gesetzlichen Rahmenbedingungen für einen solchen marinen Bergbau aufstellen.

 

Um welche Rohstoffe geht es:

Die faustgroßen, etwa pfundschweren Manganknollen in 5.000 bis 6.000 Metern Tiefe bestehen vor allem aus Mangan- und Eisenoxiden und sind durch ihren Gehalt an Kupfer, Nickel und Kobalt für die Elektroindustrie und Stahlveredelung interessant. Wirtschaftlich interessante Vorkommen findet man vor allem im Pazifik und im Indischen Ozean in den weiten Tiefseeebenen in Meerestiefen von 3500 bis 6500 Metern. Die einzelnen Knollen liegen lose auf dem Meeresboden, sind aber teilweise auch von einer dünnen Sedimentschicht bedeckt. Theoretisch lassen sie sich relativ leicht vom Meeresboden ernten. Man kann sie mit Unterwassergefährten wie mit einer Kartoffelerntemaschine vom Meeresboden auflesen. Dass das funktioniert, wurde bereits Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre mit Prototypen gezeigt. Das damals größte deutsche Bergbauunternehmen Preussag erprobte 1978 eine in Kooperation mit Konzernen aus den USA, Japan und Kanada entwickelte Maschine für die Ernte von Manganknollen vom Grund des Pazifiks.

Die Knollen wurden von einer Raupe am Grund des Meeres eingesammelt und über gigantische Pumpen nach oben befördert. Doch ein Einbruch der Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt setzte dieser Entwicklung bald darauf ein jähes Ende. An Land gab es Lagerstätten für Rohstoffe, die billiger zu erschließen und auszubeuten waren.

 

In nennenswerter Menge kommen Manganknollen in den folgenden 4 Meeresregionen vor:

CLARION-CLIPPERTON-ZONE (CCZ): Diese Zone ist das weltweit größte Manganknollengebiet mit einer Fläche von rund 9 Millionen Quadratkilometern, was in etwa der Größe Europas entspricht. Die CCZ liegt im Pazifik und erstreckt sich von der Westküste Mexikos bis nach Hawaii.

Durchschnittlich findet man in der CCZ pro Quadratmeter etwa 15 Kilogramm Manganknollen. Besonders ergiebige Gebiete bringen es auf 75 Kilogramm. Insgesamt rechnet man hier mit einer Manganknollenmasse von rund 21 Milliarden Tonnen.

PERU-BECKEN: Etwa 3000 Kilometer vor der peruanischen Küste liegt das Peru-Becken. Es ist etwa halb so groß wie die Clarion-Clipperton-Zone. Hier findet man pro Quadratmeter durchschnittlich 10 Kilogramm Manganknollen.

PENRHYN-BECKEN: Das dritte bedeutende Manganknollengebiet im Pazifik befindet sich im Penrhyn-Becken in unmittelbarer Nähe der Cookinseln, mehrere Tausend Kilometer östlich von Australien. Es hat eine Fläche von ungefähr 750000 Quadratkilometern. Große Bereiche in den Küstengewässern der Cookinseln weisen Gehalte von über 25 Kilogramm Manganknollen pro Quadratmeter Meeresboden auf.

INDISCHER OZEAN: Hier hat man bislang nur ein einziges größeres Manganknollengebiet entdeckt, das in etwa so groß wie das Areal im Penrhyn-Becken ist. Es liegt im zentralen Indischen Ozean. Auf 1 Quadratmeter Meeresboden liegen hier rund 5 Kilogramm Manganknollen.

Ein Manganknollenabbau im industriellen Maßstab ist derzeit deshalb nicht möglich, weil es noch keine marktreifen Abbaumaschinen gibt. Japan und Südkorea haben in den vergangenen Jahren zwar bereits Prototypen gebaut und im Meer getestet, doch müssen diese noch weiter verbessert werden. Die deutsche Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hatte vor 3 Jahren eine Designstudie für den Entwurf entsprechender Tiefseemaschinen ausgeschrieben, die Deutschland künftig im eigenen Lizenzgebiet in der CCZ einsetzen will.

 

Schwieriger mit dem Abbau wird es bei den Kobaltkrusten. Diese sind fest mit dem Substratgestein verbunden. Diese Krusten enthalten Kobalt, Nickel, Mangan, Titan, Kupfer und Cer sowie Spurenmetalle wie Platin, Molybdän, Tellur und Wolfram. Solche Kobaltkrusten an den Hängen der sogenannten Seamounts können je nach Gebiet und Alter des Vulkanberges zwischen zwei und 26 Zentimeter dick sein. Kobaltkrusten findet man in Tiefen von 600 bis 7000 Metern. Wie Untersuchungen an Seebergen ergeben haben, bilden sich die dicksten und wertstoffreichsten Krusten im oberen Bereich der Seeberghänge, die gut angeströmt werden. Im Durchschnitt liegen diese in Wassertiefen von 800 bis 2500 Metern in der Nähe der Sauerstoffminimumzone. Analysen zeigen außerdem, dass Krusten in einer Tiefe von 800 und 2200 Metern den höchsten Kobaltgehalt haben. Warum das so ist, wissen die Forscher noch nicht genau. Forscher schätzen die Menge der Kobaltkrusten in einem Gebiet rund 3000 Kilometer südwestlich von Japan auf insgesamt 7,5 Milliarden Tonnen.

 

Die Massivsulfide in 3.000 bis 4.000 Metern Wassertiefe schließlich sind vulkanischen Ursprungs und treten an aktiven und erloschenen Schwarzen Rauchern auf – Hydrothermalquellen, an denen bis zu 400 Grad Celsius heißes Wasser aus dem Meeresboden schießt. Dabei fallen Sulfidminerale aus und können Lagerstätten von einigen hundert Metern Durchmesser bilden. Sie bestehen aus Kupfer, Blei, Zink, aber auch Gold, Silber und Hochtechnologiemetallen wie Indium, Germanium, Wismut und Selen. Allein vor Papua-Neuguinea sollen 2,5 Millionen Tonnen dieser Metallsulfide in knapp 1700 Meter Tiefe lagern.

 

Das kanadisch-australische Bergbauunternehmen Nautilus Minerals (ISIN NAUTILUS MINERALS INC. REGISTERED SHARES O.N. (WKN A0JMQ5) (CA6390971043)) bereitet sich bereits darauf vor, diese Sulfidvorkommen auszubeuten. Bereits Ende 2013 wollte Nautilus mit dem Abbau beginnen, dies verzögerte sich aber Aufgrund eines Streits mit Papua-Neuguinea über die Finanzierung des Projekts. Trotzdem bleibt das Unternehmen zuversichtlich, eines Tages große Mengen Gold, Zink und Silber mit dem Sulfid zutage zu fördern. Vor allem setzt Nautilus aber auf Kupfer: Der Schlamm, der aus den Tiefen der Bismarcksee geholt wird, könnte bis zu 7,2 Prozent Kupfer enthalten - mehr als zwölfmal so viel wie Erz aus Minen an Land.

Partner und Investoren an diesem Projekt sind unter anderem:

Im März 2005 führte Nautilus Minerals in einem Joint Venture mit dem kanadischen Bergbaukonzern Placer Dome im Gebiet Solwara 1 Side-Scan-Sonar-Untersuchungen und Probenentnahmen mit dem Kettensack-Dredge (Schleppnetz) durch. Placer Dome Inc. gehört mittlerweile zu der Barrick Gold Corp. (ISIN Barrick Gold Corporation (CA0679011084)). Die Barrick Gold Corp. ist einer der weltweit größten Goldkonzerne. Das Unternehmen betreibt Goldminen und Entwicklungsprojekte in den USA, in Peru, Tansania, Chile, Argentinien und Kanada. Dort wird Gold, Kupferkonzentrat und Kupferkathode gewonnen.





 

Die Anglo American PLC (ISIN Anglo American PLC (GB00B1XZS820)) besitzt 11,1 % an Nautilus Minerals und zählt weltweit zu den größten Minenbetreibern. Zu den geförderten Produkten gehören Eisenerz, Mangan, Kohle, Kupfer und Nickel. Im Mineralienbereich gehört das Unternehmen zu den führenden Förderern von Diamanten. Außerdem gilt es als größter Platinförderer weltweit. Produktionsstätten befinden sich in Asien, Afrika, Australien, Nord- und Südamerika und Europa. Die Tätigkeiten von Anglo American umfassen neben der Förderung, Aufbereitung und Verhüttung der Bodenschätze auch die Erschließung neuer Förderstandorte und die Entwicklung neuer Technologien.

 

Teck Resources Ltd. (ISIN TECK RESOURCES LTD. REGISTERED SHARES CLASS A O.N. (WKN 855086) (CA8787423034)) besitzt 6,8 % an Nautilus Minerals und  ist ein Bergbauunternehmen aus Kanada mit Unternehmenssitz in Vancouver. Das Unternehmen betreibt 13 Minen die sich in Kanada, den USA, Chile und Peru befinden.




 

Die Soil Machine Dynamics Ltd. baut zwei spezielle unterseeische Abbaugeräte, das Seafloor Mining Tool (SMT), eine Art ferngesteuerte Planierraupe. Zwei SMT wurden bei Soil Machine Dynamics Ltd. für 65,5 Millionen US-Dollar von Nautilus Minerals geordert. SMD gehört seit 2008 zur Inflexion Private Equity. Inflexion ist ein Unabhängiges Mid-Market-Private-Equity-Haus, das in etablierte Unternehmen mit hohem Wachstumspotential investiert, bei einem Gesamt-Invest Volumen von 800 Millionen £.

 

Das durch die SMT’s abgebaute Erz soll mit einem bei Technip S.A. (ISIN Technip (ex-Technip-Coflexip) (FR0000131708)) für 116 Millionen US-Dollar bestellten Liftsystem zum Transport der Erze an die Oberfläche, dem Riser and Lifting System (RALS) in 30 cm im Durchmesser starken Rohren zum Schiff hoch gepumpt und auf dem Bergbauschiff vorverarbeitet werden. Anschließend wird es auf Lastkähne umgeladen, an Land zu einer Erzaufbereitungsanlage gebracht, zu einem stark goldhaltigen Kupferkonzentrat verarbeitet und in eine Kupferschmelzerei abtransportiert. Technip S.A. ist eine Unternehmensgruppe, die im Technologie- und Projektmanagement für die Öl-, Gas- und Petrochemieindustrie in den Bereichen Subsea (Unterwasser), Offshore (der Küste vorgelagert) und Onshore (an Land) international tätig ist. Das Segment Subsea bietet eine breite Palette von Produkten und Technologien wie Pipelines, Versorgungsleitungen und Leitungssysteme, die bis zu einer Wassertiefe von 3.000 Metern eingesetzt werden können, an.

Das sich dieser Aufwand und die Investitionen auch lohnen liegt daran, das Nautilus Minerals über mehr als zehn weitere potenzielle Lagerstätten in der Bismarcksee (Solwara 2–13) verfügt. Zwei aussichtsreiche Projekte befinden sich nahe dem Solwara 1 Gebiet in rund 1700 m Tiefe.

 

Alternativen:

Auch deutsche Technologieunternehmen sehen im Tiefseebergbau einen Zukunftsmarkt mit großem Potenzial. Ein Beispiel ist die zur Bauer Gruppe(ISIN Bauer AG (DE0005168108)) gehörende Bauer Maschinen GmbH im bayerischen Schrobenhausen. Die Firma erstellt Produkte für die Tiefsee-Exploration wie etwa Meeresboden-Bohrgeräte. "Durch unsere Praxiserfahrungen sowie unsere wettbewerbsfähigen Tiefsee-Explorationsgeräte rechnen wir mittelfristig mit weiteren Umsatzsteigerungen", sagt Leonhard Weixler. Er ist Leiter des Geschäftsbereiches "Maritime Technologien" bei der Bauer Maschinen GmbH und zugleich erster Vorsitzender des Gründungsvorstands der "DeepSea Mining Alliance". Unter dem Dach der Bauer Holding sind über 110 Tochterfirmen zusammengefasst. Diese bieten neben umfassenden Serviceleistungen auch Geräte und Werkzeuge für den Spezialtiefbau. In enger Zusammenarbeit mit den Kunden werden dabei verschiedene Projekte geplant, entwickelt und in ihrer Durchführung überwacht. Zu den Tochterfirmen der Bauer Holding gehören unter anderem die Bauer Spezialtiefbau GmbH, die Bauer Maschinen GmbH, die Bauer Resources GmbH, die FWS Filter- und Wassertechnik GmbH, FAMBO Sweden AB und PILECO, Inc.

 

Die Tochtergesellschaft Aker Wirth aus Erkelenz gehört zum im internationalen Ölgeschäft tätigen Konzern Aker Solutions ASA (ISIN NO00010234552). Aker Solutions ASA (früher Aker Kværner ASA) ist ein norwegischer Konzern, der 2004 aus der Fusion der Konzerne Kværner und Aker ASA entstanden ist.

 

Robeco SAM Smart Materials (ISIN JB Mp RSAM SmMa BC (LU0175575991)). Wem ein Einzelwert wie Nautilus zu riskant ist, der kann mit einem breit ausgerichteten Rohstofffonds wie dem Robecosam Smart Materials auf den Rohstoffmarkt setzen. Der Fonds investiert weltweit in Unternehmen, die Technologien oder Dienstleistungen zum Abbau und effizienten Umgang von Rohstoffen anbieten. Derzeit machen US-Titel fast die Hälfte des Fondsvermögens aus. Seit 2009 hat sich der Kurs mehr als verdoppelt - und das trotz fallender Rohstoffpreise im vergangenen Jahr.

 

 

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