Analyse Aktien Rückversicherungen

Hilft der Klimawandel den Rückversicherungsaktien?

Ein Beitrag von Zapata 2 24.08.2013

Keine Frage, die Schäden durch Naturkatastrophen nehmen zu. Daran ist nicht einmal allein der Klimawandel Schuld. Die Menschen bauen einfach immer mehr komplexe Infrastruktur in gefährdeten Gebieten auf. Küstenlinien oder Überschwemmungsgebiete sind heute dicht besiedelt, die früher menschenleer waren. Und ein einziges Naturereignis, wie ein Hochwasser in Deutschland, ein Hurricane in den USA oder ein Erdbeben in der Türkei kann zu astronomischen Schadenssummen führen. Dies sollte den Bedarf an Rückversicherungen erhöhen, Rückversicherungsaktien sollten profitieren.
 
Hannover Rueck SE
 
 
Munich Reinsurance Company
 

Welche Faktoren sprechen für und gegen die Aktien?

Die Anzahl an Naturkatastrophen scheint zuzunehmen. Der Bedarf an Erstversicherungen gegen Schadensfälle nimmt weltweit zu, dies erhöht den Bedarf an Rückversicherungen.

Allerdings gibt es einen sehr negativen Effekt für die Rückversicherer. Immer mehr institutionelle Anleger wie Pensionsfonds, Vermögensverwalter oder Hedge-Fonds steigen über sogenannte „Katastrophenanleihen, Cat-Bonds“ in das Rückversicherungsgeschäft mit ein. Denn hier können noch hohe Renditen erzielt werden, sollte das negative Naturereignis eben nicht eintreffen. Dies lockt in Zeiten global niedriger Zinsen viele institutionelle Anleger an, ihre Analgegelder konkurieren mit den Rückversicherern und dies drückt damit auf die Margen der Rückversicherer.

So schätzen Experten von Morgan Stanley, dass die Preise für Rückversicherungsverträge durch diesen Effekt teilweise um 20 Prozent sinken können. Und der Markt für Cat-Bonds wächst seit Jahren um ca. 20 Prozent per annum. Interessant für die institutionellen Anleger ist zudem, dass die Naturkatastrophen nicht mit dem Kapitalmarkt korrelieren, somit das allgemeine Risiko senken.

Gelder von nicht klassischen Rückversicherern sollen in diesem Jahr bereits 40 Mrd. Dollar umfassen, bei Neuverträgen macht der Anteil sogar bereits rund 30 Prozent aus. Der gesamte Markt der Rückversicherungen wird auf 260 Mrd Dollar geschätzt.

Langfristig könnte das Geschäft der Rückversicherer also selbst großen Schaden nehmen, insbesondere solange hohe Verzinsungen von Anlagegeldern schwer zu erzielen bleiben! Daher gebe ich eine langfristig negative Empfehlung für Aktien der Rückversicherer.


Kurzfristig glaube ich jedoch, könnten die Rückversicherungsaktien anziehen.


Die Münchener Rück notiert aktuell gerade mal bei einem KGV von 8,6 und einer Dividendenrendite von 4,9 %!!! Die Hannover Rück ist mit einem KGV von 8,05 sogar noch günstiger bewertet.

Munich Reinsurance Company (DE0008430026) Hannover Rueck SE (DE0008402215)

D.h. der Margendruck ist aus meiner Sicht in den aktuellen Kursen eingepreist, die KGVs erscheinen mir sehr günstig.

Was aus meiner Sicht in den aktuellen Analysen für die Rückversicherungsaktien noch wenig berücksichtigt wurde ist der aktuelle Zinsanstieg am Kapitalmarkt.  Dieser hilft den Rückversicherungen massiv bei den eigenen Kapitalanlageerträgen. So sagt Peter Schaffrik, Chef-Zinsstrategie bei der kanadischen Royal Bank of Canada gestern in DER WELT online  "Die Zinswende ist schon oft vorhergesagt worden, doch diesmal ist sie wirklich da", "Das Zinstief liegt definitiv hinter uns."

So stiegen die zehnjährigen Bundesanleihen von 1,15 Prozent im Mai auf 2,0 Prozent an diesem Freitag. Ein solcher scharfer Anstieg in solch kurzer Zeit ist beachtlich. Davon sollten die Rückversicherer stark profitieren, auch wenn das allgemeine Zinsniveau historisch noch immer niedrig ist.

Ich selbst halte Aktien der Münchener Rück, und ich hoffe, diese in den nächsten Monaten  bei einem höheren Kursniveau verkaufen zu können, denn langfristig scheinen die Margen der Rückversicherer unter Druck zu geraten.

 










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