Analyse Aktien Rückversicherungen

Aktuelle Entwicklungen im Rückversicherungsgeschäft

Ein Beitrag von tzimmer 14 12.11 - 13:58

2017 entpuppte sich für Rückversicherer als kostspieliges Geschäftsjahr. Eine ungewöhnlich hohe Zahl an schweren Naturkatastrophen ließ die Überschüsse der Gesellschaften dahinschmelzen. Erstmals seit Jahren bedeutete dies für die Branche aber auch wieder gesteigerte Risikoprämien. Ein Blick auf zwei deutsche Wettbewerber soll die aktuelle Situation innerhalb des Rückversicherungsmarktes näher beleuchten.
 
Hannover Rueck SE
 
 
Munich Reinsurance Company
 

Das Jahr 2017 stellte sich für die Rückversicherungsbranche als Herausforderung dar. Eine Serie von Hurrikans in der Karibik und den USA verursachten enorme Schadenssummen. Währenddessen sorgte die weiter zunehmende Konkurrenz durch Hedge-Fonds, welche in immer größerem Maße in das Rückversicherungsgeschäft eindringen, die Prämienverhandlungen unter Druck und verringerten die Margen der traditionellen Rückversicherer. Durch die hohen Schadensausschüttungen konnten jedoch auch erstmals seit 2013 wieder Prämienerhöhungen mit den Erstversicherern ausgehandelt werden. Das erste Halbjahr 2018 verlief hinsichtlich von Naturkatastrophen erfreulich für die Versicherer. Die Schadenssummen fielen über diesen Zeitraum so niedrig aus wie seit 13 Jahren nicht mehr. Die Belastungen legten im dritten Quartal zu, insgesamt konnten sich viele der Versicherer jedoch im Gewinnbereich halten. Innerhalb der Branche stellt die erhöhte M&A-Aktivität im laufenden Geschäftsjahr einen Trend dar. Der Preisdruck, zusammen mit hohen Digitalisierungskosten, macht Fusionen vor allem für kleinere Wettbewerber notwendig und könnte auch in den kommenden Jahren für eine weitere Konsolidierung des Marktes sorgen. Im Folgenden soll ein genauerer Blick auf die beiden deutschen Gesellschaften Hannover Rück und Münchner Rück geworfen werden, um ihre aktuelle Marktsituation und ihre Aktivitäten bezüglich zukünftiger Geschäftsmodelle zu analysieren.

Hannover Rueck SE (DE0008402215)

Im Falle der Hannover Rück handelt es sich um die derzeit viertgrößte Rückversicherung der Welt. Mit Hilfe seiner 3.300 Mitarbeiter erzielte die Gesellschaft im Jahr 2017 ein Prämienvolumen in Höhe von etwa 17,8 Milliarden Euro. Nachdem das Unternehmen im Jahr 2009 kurzfristig dem DAX zugeordnet wurde, wird es derzeit wieder im MDAX gelistet. Das Geschäftsjahr 2017 fiel trotz seiner Fülle an Katastrophen für die Hannover Rück insgesamt positiv aus. Der erzielte Gewinn lag bei rund 950 Millionen Euro. Zwar konnte der Vorjahreswert von etwa 1,2 Milliarden Euro nicht wiederholt werden, die Erwartungen der Analysten konnten dennoch deutlich übertroffen werden und im Vergleich zu vielen Konkurrenten stach das Ergebnis positiv hervor. Für das laufende Geschäftsjahr konnte man zudem das Prämienvolumen im Kerngeschäft der Schadensrückversicherung um mehr als 12 Prozent steigern, wobei auch die Raten um fast 1,5 Prozent höher ausfielen als noch im Vorjahr. Durch diese Umstände visiert die Unternehmensführung für 2018 wieder die Überschreitung der Milliarden-Grenze für den Konzerngewinn an. Das erste Halbjahr 2018 könnte man hierbei als gute Basis zur Erreichung dieses Ziels bezeichnen. Der Gewinn lag in diesem Zeitraum bei 555 Millionen Euro, wofür primär die niedrige Zahl an Schadensfällen und Naturkatastrophen verantwortlich gemacht werden kann. Für das kommende Jahr ist ein Wechsel des Vorstandsvorsitzes geplant. Nach zehn Jahren an der Spitze des Unternehmens wird sich der bisherige Vorsitzende, Ulrich Wallin, in den Ruhestand begeben und seine Position an Jean-Jacques Henchoz abgeben. Für Henchoz handelt es sich dabei um einen brancheninternen Wechsel, er war zuvor beim Konkurrenten Swiss Re beschäftigt. Dies könnte eine geringere Einarbeitungszeit zur Folge haben, Henchoz arbeitet bereits seit gut 20 Jahren innerhalb der Versicherungsbranche und dürfte mit den Gegebenheiten und Dynamiken innerhalb dieses Marktes vertraut sein. Interessierte Anleger sollten jedoch auch auf das Geschäft mit Lebensversicherungen in den USA achten. Hier kündigte der Konzern an, dass aus dem Abbau von Verträgen durch Erstversicherer im zweiten Halbjahr noch Belastungen zwischen 300 bis 600 Millionen US-Dollar entstehen könnten. Durch die Umstrukturierung will man das defizitäre Geschäft für die Zukunft besser aufstellen, das diesjährige Gewinnziel soll trotz dieser Kosten erreicht werden, Investoren sollten diese Situation dennoch aufmerksam verfolgen.

Munich Reinsurance Company (DE0008430026)

Die Münchener Rück ist die weltweit größte Rückversicherungsgesellschaft mit einem Prämienvolumen in Höhe von 49,1 Milliarden Euro im Jahr 2017. Dabei beschäftigt der Konzern insgesamt mehr als 42.000 Mitarbeiter. Von den Naturkatastrophen des vergangenen Jahres wurde die Gesellschaft dabei vergleichsweise schwer getroffen. Der Konzernüberschuss betrug lediglich 392 Millionen Euro, im Jahr 2016 hatte er 2,6 Milliarden Euro betragen.
Im Bereich der Digitalisierung, welche für die Branche in den kommenden Jahren eine hohe Bedeutung haben könnte, konnte der Konzern kürzlich einen Vollzug vermelden. Die Tochtergesellschaft HSB Group sicherte sich für eine Summe von 251,7 Millionen US-Dollar 100 Prozent der Aktien der relayr Corporation. Dieses Unternehmen spezialisiert sich auf Internet of Things-Anwendungen, Softwarelösungen sowie Beratungsdienstleistungen im Themengebiet Digitalisierung. Künftig möchte die Konzernführung, unter anderem auch durch stärkere Digitalisierung von Unternehmensabläufen, das Geschäft effizienter gestalten und operative Kosten verringern. Hierzu wurde zu Beginn des Jahres ein Stellenabbau von 900 Positionen in der Münchener Zentrale sowie bei der amerikanischen Tochtergesellschaft angekündigt. Durch die eingesparten Kosten, die auf etwa 200 Millionen Euro beziffert werden, sollen wiederum Digitalisierungspotenziale verfolgt werden und die Rendite im Rückversicherungsgeschäft erhöht werden. Bis zum Jahr 2020 strebt die Münchener Rück wieder einen Jahresgewinn von mindestens 2,8 Milliarden Euro an. Auch wenn diese Zahl noch nicht an einige der Ergebnisse aus der Zeit vor 2015 heranreichen würde, in der man auch schon Überschüsse von mehr als 3 Milliarden Euro vorweisen konnte, so würde man damit doch den Trend der rückläufigen Gewinne der vergangenen Jahre stoppen. Anleger blieben von Folgen des suboptimalen Geschäftsverlaufs der jüngeren Vergangenheit dabei verschont. Die Dividende wurde auf 8,60 Euro belassen, im Laufe dieses Jahres wurde wieder ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm initiiert. Zukünftig spekuliert die Gesellschaft zudem wieder auf gesteigerte Renditen aus den eigenen Kapitalanlagen. Diese belaufen sich derzeit auf 230 Milliarden Euro, die Renditeeinnahmen aus diesen Anlagen könnten im Falle eines steigenden Zinsniveaus, was sich vor allem in den USA derzeit abzuzeichnen scheint, den Konzerngewinn merklich ankurbeln. Die Unternehmensführung kalkuliert für das Jahr 2020 mit Erträgen von mehr als 500 Millionen Euro, im vergangenen Jahr lag diese Zahl noch bei knapp 275 Millionen Euro. Anleger sollten neben diesem Zinsniveau auch die Zielerreichung bezüglich der Konzerngewinne verfolgen. Ein dauerhaftes Verpassen der gesteckten Ziele, in Kombination mit der negativen Geschäftsentwicklung der jüngeren Vergangenheit, könnte auch Auswirkungen auf die Dividendenpolitik haben, mit potenziell negativen Auswirkungen auf das Kursniveau.


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