Analyse Aktien Satelliten

Satelliten: Revolution im Weltraum?

Ein Beitrag von Mr. Dow 2 10.06 - 11:28

Der erfolgreiche Flug der SpaceX-Raumkapsel „Crew Dragon“ zur Raumstation ISS könnte für die Raumfahrt eine neue Ära einleiten. Die Trägertechnologie des Unternehmens verspricht bedeutende Kostensenkungen für Transporte in den Weltraum. Von dieser Entwicklung könnten in der Folge auch Satellitenbetreiber profitieren.
 
SES S.A.
 
 
Iridium Communications Inc
 
 
OHB AG
 

Die bemannte Raumfahrt steht seit wenigen Tagen wieder im Fokus der breiten Öffentlichkeit, da es dem amerikanischen Unternehmen SpaceX gelungen ist, die Raumkapsel „Crew Dragon“ von Cape Canaveral ausgehend an die internationale Raumstation ISS anzudocken und die beiden Besatzungsmitglieder an Bord der Raumstation zu bringen. Erstmalig führte somit ein privates Unternehmen eine Reise zur ISS durch. Die SpaceX-Pläne würden die Kosten für den Transport von Personal und Gütern in den Weltraum massiv senken, da die Trägerraketen wiederverwendbar sind. Darüber hinaus könnten jedoch auch die Produzenten und Betreiber von Satelliten stark profitieren, da die Kosten für die Inbetriebnahme und Platzierung von Satelliten ebenfalls stark sinken könnten. Die Marktforschungsgesellschaft „Allied Market Research“ geht in einer Prognose folglich von einem starken Wachstum aus, über den Zeitraum von 2018 bis 2026 soll das jährliche Wachstum rund 20 Prozent betragen und der Markt im Jahr 2026 eine Größe von 15,7 Milliarden US-Dollar umfassen. Vor diesem Hintergrund gibt es eine Reihe von Unternehmen, die für Investoren potenziell von Interesse sein könnten.

Iridium Communications Inc (US46269C1027)

Ein erster interessanter Kandidat ist das amerikanische Unternehmen Iridium Communications. Die Gesellschaft betätigt sich im Bereich der Telekommunikation und betreibt ein eigenes Satelliten-Netzwerk. Mit seinen Services konnte Iridium Communications die Corona-Krise vergleichsweise gut bewältigen. Aus dem Ergebnisbericht des ersten Quartals geht hervor, dass die Umsätze an Geschäftskunden, die etwa 90 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen, im Vergleich zum Vorjahresquartal um 7 Prozent zulegen konnten. Dieser Wert konnte erzielt werden, obwohl die Umsätze wichtiger Kunden, wie Flug- und Schifffahrtsgesellschaften oder Öl- und Gasunternehmen, ihre Geschäfte stark einschränken mussten. Neben sinkenden Kosten für den Betrieb der Satelliten könnte Iridium Communications auch von Änderungen in der Arbeitsorganisation profitieren. Ein Trend zu verstärkten Home-Office-Aktivitäten, als Folge der Corona-Zeit, könnte für das Unternehmen mit seinem Geschäftsmodell profitabel sein, wie die Zahlen des ersten Quartals andeuten. Im vergangenen Jahr konnte Iridium mit der US-amerikanischen Regierung zwei lukrative Verträge abschließen. So wird die Gesellschaft auch in den kommenden 5 Jahren umfangreiche Services für das amerikanische Verteidigungsministerium zur Verfügung stellen und dafür bis zu 76 Millionen US-Dollar erhalten. Der Aufbau der aktuellen Infrastruktur war langwierig und kostspielig, als Folge hiervon besitzt das Unternehmen seit Längerem einen hohen Bestand an Verbindlichkeiten, welche sich derzeit auf 1,6 Milliarden US-Dollar belaufen. Die Investitionen erscheinen jedoch rentabel, in den vergangenen Jahren stieg die Profitabilität stetig an. Eine EBITDA-Marge von 51 Prozent in Q1 2020 bedeutet, dass das Management den angestrebten Abbau der Verbindlichkeiten vorantreiben kann, zumal die technische Basis der Gesellschaft ausreichend ausgebaut ist, ohne dass in den kommenden Jahren weitere Refinanzierungsrunden zu erwarten wären. Sofern sich auch der Luft- und Seeverkehr sowie die Rohstoffnachfrage in den kommenden Monaten erholen und Iridium somit wieder auf Umsätze zentraler Kunden setzen kann, könnte die Aktie für Anleger interessant werden.

SES S.A. (LU0088087324)

Die SES S.A. ist eine Holdinggesellschaft von Satellitenbetreibern mit Sitz in Luxemburg. Zum Ende des vergangenen Jahres umfasste das Netzwerk des Unternehmens 51 geostationäre Satelliten. CoVid-19 beeinflusste auch die Geschäfte der luxemburgischen Gesellschaft. Im ersten Quartal sank der Gesamtumsatz der Gruppe währungsbereinigt um 1,9 Prozent auf 478,9 Millionen Euro. Ähnlich wie Iridium Communications operiert aber auch SES sehr profitabel, die EBIT-Marge beläuft sich auf 59,5 Prozent, nach Einrechnung von Kapitalaufwendungen für die technische Infrastruktur. Das Unternehmen profitiert zudem von seinem Bestand an langfristigen Verträgen. SES hält derzeit ein Portfolio an Verträgen, welche über ihre Laufzeit 6,2 Milliarden Euro an Einnahmen garantieren. Für das laufende Geschäftsjahr sind bereits 85 Prozent der prognostizierten Umsätze gesichert. Aufwendungen stehen SES durch Vorgaben der US-Behörde für Kommunikation, der „FCC“, ins Haus. Die Behörde hatte Unternehmen verpflichtet, das C-Band Spektrum zu räumen. Um diesen Vorgaben nachzukommen, schätzt SES seine Kosten auf 1,6 Milliarden US-Dollar, für den Neubau und die Platzierung neuer Satelliten. Kürzlich verpflichtete man sich, dem Wunsch der Behörde bereits zum Jahr 2023 nachzukommen. Durch diese Verpflichtung kann SES Zahlungen von bis zu 3,96 Milliarden US-Dollar aus einem speziell zu diesem Zweck aufgelegten Anreizprogramm der US-Regierung beziehen. Diese Mittel verringern den Refinanzierungsdruck der Gesellschaft weiter. Dennoch plant SES für eine weitere Optimierung der Profitabilität die Initiative „Simplify & Amplify“. Im Zuge dieses Programms werden die Büros in Brüssel, London, der Isle of Man, Warschau und Zürich geschlossen und deren Aktivitäten auf andere Unternehmenseinheiten umgelegt. Von den Maßnahmen erhofft sich das Unternehmen eine EBITDA-Optimierung von 40 bis 50 Millionen Euro ab nächstem Jahr. Für das kommende Jahr plant SES die Platzierung zweier wichtiger Satellitenprojekte. Das mPower-Netzwerk sowie der SES-17-Satellit sollen der Gesellschaft gegen Ende des Jahres 2021 bereits weitere Umsätze garantieren. Für die erfolgreiche Durchführung der Projekte steht der Gesellschaft notfalls noch eine revolvierende Kreditfazilität in Höhe von 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung.

OHB AG (DE0005936124)

Einen direkten Kontakt zu SpaceX hat auch die deutsche OHB SE, die am Bau der Ariana 6-Trägerrakete beteiligt ist, welche zukünftig für die Operationen von SpaceX eine zentrale Rolle einnehmen soll. Kürzlich konnte das in Bremen ansässige Unternehmen die Fertigstellung der „Plato-Halle“ bekannt geben. 15 Millionen Euro investierte OHB in das neue Gebäude, welches neben Büroräumlichkeiten nun die größte Reinraumfläche des Unternehmens darstellt und somit Planungssicherheit für künftige Produktionsausweitungen gibt. Zudem erfüllt das Gebäude die Reinheitsklasse „Iso 8“, wodurch hier künftig der Schwerpunkt der Satellitenprojekte liegen soll. Die Investition folgte auf einen Vertragsabschluss über 288 Millionen Euro mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Natürlich spürt auch OHB die Auswirkungen der Corona-Krise, die allgemeine Geschäftsentwicklung könnte man aber weiterhin als solide bezeichnen. Im Geschäftsjahr 2019 knackte das Unternehmen beim Umsatz erstmals die Milliardengrenze. Das derzeitige Auftragsvolumen weist einen Buchbestand in Höhe von 1,84 Milliarden Euro auf. Ende des vergangenen Jahres hatten sich die EU-Staaten zudem auf eine Ausweitung der Finanzierung der ESA geeinigt, welche der größte Auftraggeber der norddeutschen Gesellschaft ist. Das Management geht derzeit von weiteren Auftragseingängen aus dem Navigationstechnik-Projekt Galileo, dem Electra-Projekt für Telekommunikationssatelliten sowie dem Copernicus-Satellitenprogramm aus. Kürzlich konnte sich OHB auch die Refinanzierung für die kommenden Jahre sichern, das Kreditvolumen wurde im Zuge dieser Runde von 225 Millionen auf 300 Millionen Euro angehoben. Die Ausweitung der Finanzierung ist ein Indiz dafür, dass die Unternehmensführung angesichts der momentanen Auftrags- und Branchensituation positiv in die Zukunft blickt und weitere Kapazitätsausweitungen anstrebt. Eine Hiobsbotschaft gibt es für investierte Anleger derzeit jedoch auch. Im Zuge der Liquiditätsstärkung wird OHB nach Beschluss der Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2019 keine Dividende ausschütten. Von diesem Wehrmutstropfen abgesehen, könnte die OHB SE für Anleger in der derzeitigen Geschäftssituation aber durchaus einen Blick wert sein, auch weil die großen Konkurrenten Airbus und Boeing durch Corona derzeit mit bedeutenden Problemen in ihrem Kerngeschäft konfrontiert sind.


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