Analyse Aktien Satellitenhersteller

Satelliten: Starke Zahlen aus Deutschland

Ein Beitrag von tzimmer 8 14.06 - 21:59

Im Schatten des Wettrüstens zwischen SpaceX, Blue Origin und weiteren Raketenproduzenten könnte eine weitere Branche von den Entwicklungen profitieren. Sollten in Zukunft die Transportkosten für Satelliten sinken, beispielsweise durch wiederverwendbare Trägerraketen, könnte sich die Auftragslage für Satellitenhersteller verbessern. Insbesondere auch ein deutsches Unternehmen scheint sich hierfür gerade in eine gute Ausgangsposition zu bringen.
 
OHB AG
 

Vor wenigen Monaten stellte das von Amazon-Gründer Jeff Bezos ins Leben gerufene Unternehmen Blue Origin eine erste eigene Rakete namens „New Glenn“ vor. Die Besonderheit an dieser Rakete ist die Leistungsfähigkeit. Mit einer Nutzlast zwischen 13 und 45 Tonnen, abhängig von der vorgesehenen Zieltransporthöhe der Ladung, übertrifft die New Glenn die Leistungsdaten vieler sich ebenfalls in der Entwicklungsphase befindlichen Einwegraketen. Bei den wiederverwendbaren Raketen des momentan wohl größten Konkurrenten, Elon Musk´s SpaceX, stellt sich die Situation ähnlich dar. Die „Falcon Heavy“ dieses Unternehmens liegt bei der Nutzlast zum Transport in den höher gelegenen Übergangsorbit, in den vor allem geostationäre Satelliten transportiert werden, gar noch ein wenig höher. Diese technologischen Fortschritte könnten zu drastisch sinkenden Transportkosten für Satelliten führen. Hierzu könnten auch verbesserte Antriebskonzepte der Trägerraketen beitragen. So verfügt die New Glenn schon über methanbetriebene Triebwerke, welche im Vergleich zu den bisher hauptsächlich verwendeten Kerosinantrieben wesentlich effizienter operieren. Während der Raketenentwicklung ein Großteil der medialen Aufmerksamkeit zukommt, könnten aber auch reine Satellitenhersteller von den sinkenden Kosten profitieren. Unternehmen wie die Bremer Gesellschaft OHB SE dürften sich in diesem Szenario künftig über eine verbesserte Auftragslage freuen.

Die OHB AG (DE0005936124) ist ein Raumfahrtkonzern mit Hauptsitzen in Bremen und München, welcher derzeit knapp 2.500 Mitarbeiter beschäftigt. Seit dem Börsengang im Jahr 2001 ist die Gesellschaft stark gewachsen, in den vergangenen Jahren haben sich die Jahresumsätze in einem Bereich zwischen 700 und 800 Millionen Euro eingependelt. Der aktuelle Auftragsbestand beträgt allerdings rund 1,6 Milliarden Euro. Zu Beginn des Jahres gelang es OHB den ersten deutschen Telekommunikationssatelliten seit 30 Jahren fertig zu stellen, dieser wurde anschließend mit einer Sojus-Rakete in einer Höhe von 36.000 Kilometern platziert. Über den Zeitraum der nächsten 15 Jahre soll mit diesem Satelliten in Teilen Südeuropas und in Südamerika Breitband-Internet zur Verfügung gestellt werden. Eine Besonderheit dieses Satelliten ist seine im Vergleich zu bisherigen eingesetzten Exemplaren seine geringe Größe, er wiegt mit rund 3 Tonnen nur etwa die Hälfte herkömmlicher Satelliten. Dies ist möglich, da der Satellit bereits auf der neuen SmallGEO-Plattform basiert. Diese neue Baureihe wurde mit einigen anderen europäischen Raumfahrtunternehmen im Auftrag der europäischen Raumfahrtbehörde ESA entwickelt. OHB produzierte im Rahmen dieses Projekts die äußere Hülle, die dem Schutz der eigentlichen Technik im Inneren dient. Das Projekt könnte man im Zusammenhang mit dem Unternehmen zweifach positiv deuten. Einerseits könnte die Beteiligung an einem solch wichtigen innereuropäischen Projekt für die bedeutende technologische Rolle der Gesellschaft innerhalb des europäischen Raumfahrtmarktes sprechen, die Beteiligung an der neuen Plattform könnte darüber hinaus aber auch für zukünftige Folgeaufträge sorgen. Ein weiteres Indiz hierfür könnte auch die Beteiligung an der Entwicklung der neuen europäischen Trägerrakete „Ariane 6“ sein, welche ebenfalls aus einer Kollaboration verschiedener europäischer Unternehmen hervorgehen soll.

Für OHB selbst stellte der kürzlich entsandte Satellit dabei ebenfalls eine Premiere dar. Bisher hatte das Unternehmen lediglich Satelliten produziert, welche in tieferen Flugregionen platziert wurden. Durch diesen neuen Satelliten gelingt OHB der Einstieg in den Bereich der Telekommunikationssatelliten, welcher als umkämpft, aber auch lukrativ gilt. In diesem Zusammenhang könnte die geringe Größe der neuen Satelliten für OHB zu einem Marktvorteil in diesem Segment werden. Durch das niedrigere Gewicht können beim Transport unter anderem Treibstoffkosten eingespart werden, welche die Entsendung der Satelliten erheblich günstiger gestalten. Für die von OHB auf Basis der SmallGEO-Plattform hergestellten Telekommunikationssatelliten könnte dies in den kommenden Jahren ein äußerst wichtiger Kostenvorteil sein. Die Auftragslage des Unternehmens entwickelt sich darüber hinaus auch im Jahr 2017 positiv. Im April konnte die Unternehmensführung einen weiteren Auftrag durch die ESA bekannt geben. Dieser umfasst den Bau und Test von acht Satelliten für das Satelliten-Navigationssystem „Galileo“. Mit bisher 22 Satelliten war OHB bereits zuvor Hauptauftragnehmer der Entwicklung dieses Systems.

In den vergangenen Jahren konnten die Geschäftsberichte der OHB SE zumeist überzeugen. Im Geschäftsjahr 2016 gingen die Umsatzerlöse im Vergleich zum Vorjahr von rund 719 Millionen auf knapp 700 Millionen Euro zurück, dafür konnte das EBIT aber um etwa 2,5 Millionen Euro auf 42,7 Millionen gesteigert werden. Dies spiegelte sich auch im Ergebnis pro Aktie wider, welches um 7 Cent auf 1,28 Euro pro Aktie gesteigert werden konnte. Auch das erste Quartal des Jahres 2017 verlief zufriedenstellend. Der Quartalsumsatz konnte im Vergleich zum Vorjahr um rund 1 Prozent auf 147 Millionen Euro erhöht werden. Der Ertrag vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg um circa 20 Prozent auf 9,4 Millionen Euro. Das Ziel von einer jährlichen Gesamtleistung in Höhe von 800 Millionen Euro scheint nach dem bisherigen Geschäftsverlauf möglich zu sein.

Innerhalb der letzten 15 Jahre hat sich die OHB SE im europäischen Raumfahrtsektor etabliert. Positiven Einfluss könnten für die zukünftige Unternehmensentwicklung die erfolgreiche Platzierung eines eigenen Telekommunikationssatelliten sowie der Verfügbarkeit der neuen SmallGEO-Plattform haben. Sollte durch technologische Verbesserungen im Bereich der Trägerraketen die Nachfrage nach Satelliten zunehmen, könnte man OHB wohl zumindest nach heutigem Stand eine gute Ausgangsposition attestieren. 


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