Analyse Aktien Schweiz

Einstiegschancen bei Schweizer Aktien nach Kurssturz

Ein Beitrag von Oli41Gel 31 23.02.2015

Mitte Januar schockte die Schweiz sowohl die eigenen Unternehmen als auch den Euroraum: Die bis dato sehr lange bestehende Kursobergrenze des Schweizer Franken zum Euro wurde plötzlich und für die meisten Marktteilnehmer völlig unerwartet aufgehoben. Bereits kurz nach der Meldung stürzte der Euro um etwa 20 Prozent auf teilweise unter die Parität, also einem Kurs von 1:1 zum Schweizer Franken. Der Schweizer Aktienindex SMI schloss sich an und fiel an einem Tag ebenfalls um mehr als 15 Prozent. Manche Schweizer Unternehmen malen bereits Schreckensszenarien auf, jedoch gilt dies keineswegs automatisch für alle rund
 
The Swatch Group Ltd
 
 
Novartis Inc
 
 
Nestle SA
 
 
Credit Suisse Group AG
 

Schon seit geraumer Zeit bewegte sich der Franken im Vergleich zum Euro auf der festgesetzten Kursobergrenze, die bei 1,20 Franken/Euro lag. Somit war es bis dato nicht möglich, dass der Euro gegenüber der Schweizer Währung noch weiter an Wert verlieren konnte, obwohl dies nach Ansicht vieler Fachleute eigentlich „korrekt“ gewesen wäre. Was zuvor für relativ unwahrscheinlich gehalten wurde, setzte die Schweizer Notenbank jedoch tatsächlich um, nämlich die Kappung dieser Kursobergrenze. Die Reaktion folgte sofort, indem der Euro innerhalb weniger Stunden teilweise über 20 Prozent an Wert gegenüber dem Franken verlor. Kurzzeitig ging es sogar unter die Parität, sodass man für einen Euro weniger als einen Franken bekam. Mittlerweile hat allerdings eine leichte Gegenbewegung eingesetzt, sodass der Franken aktuell (12. Februar 2015) mit rund 1,05 wieder deutlich über der Parität liegt.


Nicht nur die Euro-Finanz- und Wirtschaftsminister zeigten sich sehr überrascht, sondern vor allem auch die Schweizer Unternehmer waren teilweise regelrecht schockiert. Durch die ohnehin zuvor bereits anhaltende Franken-Stärke war es nämlich schon seit geraumer Zeit so, dass es bei manchen Firmen Absatzprobleme im Exportbereich gab. Der Grund ist schlichtweg der, dass die Stärke des Franken Exporte Schweizer Unternehmen für die Käufer sehr teuer macht, insbesondere natürlich bei Handelspartnern aus der Eurozone. Vor allem die großen Konzerne, deren Aktien im SMI gelistet werden, befürchten nach dem Wegfall der Kursobergrenze eine Verschärfung Situation. Dies ist definitiv auch ein Grund dafür, dass der Schweizer Aktienindex so negativ reagierte und teilweise mehr als 15 Prozent fiel.


Trotz dieser scheinbar ausschließlich negativen Folgen zeigt die aktuelle Situation an den Aktienmärkten bereits, dass die Reaktion sicherlich übertrieben war. Fiel der SMI nach dem „Franken-Schock“ noch von über 9.000 auf unter 7.900 Punkte, so hat er sich derzeit mit etwa 8.950 Punkten schon wieder deutlich erholt. Ein Grund ist sicherlich auch der, dass Anleger erkannt haben, dass keineswegs alle größeren Aktiengesellschaften in größerem Umfang unter der Stärke des Franken zu leiden haben. Dennoch gab es auch bei den Aktien solcher nicht oder kaum betroffenen Unternehmen deutlich Kursabschläge. Dies wiederum stellt eine gute Chance für Anleger dar, denn nicht wenige Experten sehen bei manchen Schweizer Aktien jetzt sogar noch gute Einstiegskurse.


Im Folgenden sollen einige Aktien vorgestellt werden, die zwar auch zu den großen Gesellschaften zählen und deren Aktienwerte im SMI notiert werden, die aber voraussichtlich kaum unter dem starken Franken leiden bzw. bei denen die Kursaussichten dennoch recht positiv sind.


Die Großbank Credit Suisse


Ein Wert, der ebenfalls abgestraft wurde und in den vergangenen Monaten um über 10 Prozent gefallen ist, sind die Aktien der Schweizer Großbank Credit Suisse Credit Suisse Group AG (CH0012138530). Weltweit betrachtet gehört die Credit Suisse Group zu den führenden Finanzdienstleistungsunternehmen und ist demzufolge global vertreten. Das Kreditinstitut ist insbesondere im Bereich Private Banking sowie Vermögensveraltung tätig. Vom Franken-Schock dürfte die Bank jedoch nach Ansicht der meisten Analysten nicht nennenswert betroffen sein. Dies liegt sicherlich auch daran, dass Kreditinstitute ganz andere Möglichkeiten als Unternehmen aus anderen Branchen haben, auf Währungsturbulenzen zu reagieren. Zudem sieht das Geschäftsmodell natürlich ohnehin internationale Investments in vielen Währungen vor, sodass in dem Sinne keine „Abhängigkeit“ von der Stärke oder Schwäche des Franken vorhanden ist. Die Aktien notieren aktuell nahezu unverändert im Vergleich zu vor 3 Monaten, nämlich bei rund 21,50 Euro.


Der Pharmakonzern Novartis


Die aus der Schweiz stammende Novartis AG Novartis Inc (CH0012005267) ist ein global aufgestellter Pharmakonzern. Das Unternehmen ist sowohl im Bereich der Forschung als auch der Entwicklung sowie des Vertriebes von Produkten tätig, die zur Behandlung diverser Erkrankungen dienen können. Beim Medikamentenportfolio ist der Konzern breit aufgestellt und hat Niederlassungen in vielen Ländern. Auf der einen Seite befindet sich der Hauptabsatzmarkt zwar im Euroraum, sodass Novartis durchaus durch die Franken-Stärke betroffen ist. Auf der anderen Seite ist es jedoch so, dass der Pharmakonzern schon seit vielen Jahren eine hervorragende Marktposition innehat und daher gegen derartige „Währungsturbulenzen“ bestens gerüstet sein dürfte. Dies zeigt auch der jüngste Kursverlauf, denn anders als beispielsweise bei den Credit Suisse Aktien der Fall, gab es hier keine negative Reaktion. Stattdessen ist der Aktienkurs in den letzten drei Monaten von rund 75 auf über 90 Euro gestiegen und befindet sich – charttechnisch – weiter auf dem Vormarsch.


Der Nahrungsmittelhersteller Nestlé


Nestlé Nestle SA (CH0038863350) gehört zu den weltweit größten Herstellern von Nahrungsmitteln. Die zahlreichen Lebensmittelprodukte können Verbraucher nahezu rund um den Globus kaufen. Zum Repertoire gehören zum Beispiel Tiefkühlwaren, Getränke und Süßwaren. Diese globale Aufstellung des Konzerns zeigt sich jetzt im Zuge des Franken-Schocks als besonders wertvoll. Es ist bei Nestlé nämlich so, dass die Waren zum größten Teil auch in dem Land produziert werden, in dem sie auf den Markt kommen. Demzufolge ist es nicht wie bei vielen anderen Schweizer Unternehmen, dass die Produkte vor allem in Franken bezahlt werden müssen, sondern in der jeweiligen Landeswährung. Daher ist der Konzern auch kaum von der Kursentwicklung der eigenen Währung betroffen. Die Aktien haben sich in den vergangenen Wochen sogar hervorragend entwickelt und stiegen von etwa 59 Euro Mitte November 2014 auf aktuell über 67 Euro an.


Der Uhrenhersteller Swatch


Ein Aktientitel, der wiederum deutlich unter der Reaktion auf das Geschehen rund um den Schweizer Franken zu leiden hatte, ist der Uhrenhersteller Swatch The Swatch Group Ltd (CH0012255151). Der weltweit bekannte Konzern ist in erster Linie mit der Produktion sowie dem Vertrieb von Uhren, Schmuck und diversen Komponenten beschäftigt. Swatch ist – wie viele Schweizer Großunternehmen – am globalen Markt tätig. Allerdings gehört das Unternehmen durchaus zu den Gesellschaften, die von einer zunehmenden Aufwertung des Franken betroffen sind. Die Aktie bietet derzeit sicherlich keine Garantie für Kursgewinne, allerdings gilt sie dennoch als interessantes Investment. Zwar ist der Kurs in den vergangenen 90 Tagen von rund 400 auf unter 360 Euro gefallen, jedoch hat in den letzten Tagen eine deutliche Gegenreaktion stattgefunden, sodass die Aktien aktuell wieder bei knapp unter 400 Euro notieren.


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