Analyse Aktien Sensorik

Sensorik: Renditechance im Schatten weiterer Großtrends?

Ein Beitrag von tzimmer 13 21.06 - 21:00

Sensoren stellen wichtige Bestandteile vieler wesentlicher Innovationsfelder unserer Zeit dar. Entsprechend bieten sich auch für die Wettbewerber in diesem Segment Wachstumspotenziale. Gibt es Unternehmen, die sich in diesem Zusammenhang besonders hervortun?
 
ON Semiconductor Corp
 
 
First Sensor AG
 

Im Schatten des globalen Trends zur Digitalisierung vieler Lebensbereiche findet sich mit dem Themenbereich Sensorik ein weiterer, für Anleger potenziell interessanter Wachstumsmarkt. Beispielhafte Anwendungsfelder für Sensoren stellen unter anderem Gebiete wie die Robotik, das Autonome Fahren, Augmented Reality, das Internet der Dinge oder auch der Einsatz als Teil von Diagnostikwerkzeugen dar. Für den Ausbau vernetzter Systeme und digitaler Kommunikationssysteme sind Sensoren unerlässlich. Die Marktforschungsgesellschaft „Allied Market Research“ geht in einer Studie von einem jährlichen Wachstum des globalen Marktvolumens für Sensorik in Höhe von 11,3 Prozent bis zum Jahr 2022 aus. Bis zu diesem Zeitpunkt soll der globale Markt auf bis zu 241 Milliarden US-Dollar angewachsen sein. Auch der Ausbau und Wandel unserer Infrastruktur könnte diesem Sektor weiteren Auftrieb verleihen. Sensoren stellen einen zentralen Bestandteil für Systeme wie Smart Grids, Smart Homes oder Smart Water Networks dar. Wachstumsmöglichkeiten scheinen für Unternehmen im Bereich Sensorik derzeit also gegeben, folglich stellt sich auch für Investoren die Frage nach den Erfolgspotenzialen diverser Mitbewerber in dieser Branche.

ON Semiconductor Corp (US6821891057)

Eine erste Alternative könnte die amerikanische Gesellschaft ON Semiconductor Corporation sein. In seiner ursprünglichen Form aus einer Abspaltung aus dem Motorola-Konzern im Jahr 1999 hervorgegangen, beschäftigt ON Semiconductor derzeit mehr als 30.000 Mitarbeiter und ist in Nordamerika, Asien und Europa vertreten. Kürzlich konnte das Unternehmen in einem der stärksten Wachstumsfelder für Sensorik, der Automobilbranche, eine potenziell wichtige strategische Partnerschaft mit Audi eingehen. Die Vereinbarung bezieht sich auf die Aufnahme in das Entwicklungsprogramm „Progressive SemiConductor Program“ (PSCP). Diese Beteiligung an der Entwicklung neuer Sensorik- und Halbleitersysteme könnte für ON Semiconductor zukünftig einen Wachstumsfaktor darstellen. Eine erfolgreiche Entwicklungsarbeit, welche schließlich zu einer Verwendung der Bauteile im Serienbetrieb führt, könnte große Folgeaufträge als Zulieferer bewirken, welche die Komponenten in einer der global wichtigsten Automobilmarken, insbesondere auf den beiden wichtigsten Märkten China und USA, etablieren. Der Automobilsektor wird für das amerikanische Unternehmen ein zunehmend wichtigerer Markt, dies spiegelt sich auch in der Entwicklungsarbeit wider. Vor kurzem erweiterte ON Semiconductor sein Produktportfolio an Siliziumkarbid-Schottky-Dioden um neue Varianten, die für den Einsatz im Automotive-Kontext optimiert sind. So wurde die Robustheit der Komponenten durch neuentwickelte Anschlüsse verbessert und das Fenster der möglichen Betriebstemperaturen weiter erhöht. Des Weiteren konnte man den Erwerb des irischen Unternehmens SensL Technologies bekanntgeben. Auch dieses Geschäft könnte man als Versuch der Unternehmensführung deuten, die eigene Position im Automobilsektor weiter zu verbessern. SensL ist insbesondere auf die Entwicklung von Lidar-Systemen spezialisiert, welche neben dem Einsatz in Automobilen, auch in medizinischen und industriellen Anwendungen Verwendung finden. Auch die aktuelle Geschäftsentwicklung könnte man als positiv bezeichnen. Im ersten Quartal des laufenden Jahres sank der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr zwar um 4 Prozent auf 1,38 Milliarden US-Dollar, dies war allerdings eine Folge der Änderung des Bilanzierungsansatzes. Bei rückwirkender Verwendung des neuen Ansatzes hat sich der Umsatz in diesem Zeitraum um etwa 7 Prozent erhöht. Darüber hinaus konnten auch die Bruttogewinnmarge (+2,6 Prozent) sowie das Betriebsergebnis (+2,6 Millionen auf 185,7 Millionen US-Dollar) verbessert werden. Derzeit geht die Unternehmensführung davon aus, im laufenden Geschäftsjahr einen freien Cashflow in Höhe von 800 Millionen US-Dollar zu erwirtschaften, mit Hilfe dessen die Fremdkapitalquote verringert werden und Aktienrückkäufe durchgeführt werden sollen.

First Sensor AG (DE0007201907)

Konkurrenz erhält ON Semiconductor unter anderem auch von deutschen Unternehmen. Die First Sensor AG ist hier einer der wichtigsten Mitbewerber. Das 1991 in Berlin gegründete Unternehmen konzentriert sich auf die Produktion von Chips bis hin zu umfassenden Sensoriksystemen für seine Kernmärkte Automobil- und Medizintechnik sowie im industriellen Fertigungskontext. Insbesondere im Bereich von Lidar-Systemen, welche für viele Fahrassistenzsysteme im Automobilsektor wichtig sind, konnte sich First Sensor hinsichtlich der Avalanche Photodioden eine marktführende Position auf dem globalen Markt sichern. Im Automotive-Sektor konnte das Unternehmen kürzlich auch die Produktion des 10-millionsten Drucksensors verzeichnen. Dies erfolgte im Zusammenhang eines Vertrags mit einem namentlich nicht näher genannten deutschen Erstzulieferer. Die Vertragslaufzeit reicht bis ins Jahr 2021 und soll First Sensor ein Umsatzvolumen von bis zu 8 Millionen Euro jährlich einbringen. Diese Zusammenarbeit existiert bereits seit 2011 und könnte als Indiz für eine gute Qualität der Sensoren gedeutet werden, wodurch zumindest mittelfristig die Positionierung auf dem Heimatmarkt gesichert werden könnte. Durch den zuletzt erfolgten Produktionsstart der Kameraserie „Blue Next“, welche im Rahmen des Autonomen Fahrens zum Einsatz kommen wird, erhofft sich First Sensor, in den kommenden Jahren weitere Marktanteile im Bereich Automotive erzielen zu können. Etwa die Hälfte des Gesamtumsatzes erzielt die First Sensor AG derzeit im Bereich industrieller Systeme. Die Avalanche Photodioden könnten aber auch in der industriellen Produktion zukünftig eine große Rolle spielen, sie kommen in der Steuerung von Robotern, bei autonomen Transportsystemen sowie in Logistikdrohnen zum Einsatz. Für die mittel- und langfristige Diversifizierung der Unternehmenserträge wäre eine positive Geschäftsentwicklung in diesem Bereich wichtig, die aktuelle Weltmarktführerschaft könnte in dieser Hinsicht aber als positives Signal gedeutet werden. Der Geschäftsbericht des Jahres 2017 erfordert eine genauere Betrachtung. So ist einerseits der Gesamtumsatz im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen (von 150,1 auf 147,5 Millionen Euro) und das EBIT konnte ebenfalls nur marginal gesteigert werden (von 10 auf 10,6 Millionen Euro). Andererseits konnte die Nettoverschuldung gesenkt werden, bei gleichzeitiger Erhöhung der Eigenkapitalquote. Besonders positiv hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang der starke Anstieg beim Auftragseingang, welcher von 132,9 Millionen Euro im Jahr 2016 auf 163,7 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr angestiegen ist. Dieser Umstand schürt Hoffnung, dass der Wachstumskurs der vergangenen Jahre, nach der Pause in 2017, im laufenden Geschäftsjahr fortgesetzt werden kann. Das erste Quartal des Jahres 2018 konnte nur in etwa auf Vorjahresniveau gestartet werden, dies war nach Aussage der Unternehmensführung aber auf die Einführung eines neuen ERP-Systems zurückzuführen, wodurch es im Produktionsprozess zu Verzögerungen kam. Auch in diesem Quartal hat sich der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahr jedoch erhöht (39,3 Millionen zu 35,1 Millionen Euro) und derzeit rechnet das Unternehmen mit der Erreichung der Umsatz- und Gewinnziele für das Gesamtjahr. Interessierte Anleger sollten dies jedoch beobachten, da ein enttäuschendes Ergebnis hier in Verbindung mit den Vorjahreszahlen durchaus zu Kursrücksetzern führen könnte.


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