Analyse Aktien Solarenergie

Solarenergie: Der Markt zieht an!

Ein Beitrag von tzimmer 15 01.08 - 12:11

Der Markt rund um das Thema Solarenergie erlebte zuletzt in den Jahren 2011 und 2012 eine starke Kursrallye. Starker Wettbewerbsdruck und nachlassende Subventionen von staatlicher Seite führten in der Folge vermehrt zu Kurseinbrüchen oder -rücksetzern, von den ehemaligen Höchstwerten waren viele Unternehmen weit entfernt. Aktuell erleben viele Aktien wieder Aufwind, handelt es sich hierbei um nachhaltige Entwicklungen oder Bewegungen, die durch das aktuelle Interesse am Thema Klimawandel angetrieben werden?
 
JinkoSolar Holdings Co Ltd
 
 
First Solar Inc
 
 
VIVINT SOLAR INC (WKN A12AWB...
 
 
SUNPOWER CORP. REGISTERED ...
 

Die Themen Klimawandel und Umweltschutz sind derzeit gesellschaftlich und medial sehr präsent, vor allem Bewegungen wie „Fridays for Future“ oder Nachrichten wie der Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen trugen in der jüngeren Vergangenheit zu diesem Phänomen bei. Gänzlich neu ist dieses Thema hierbei natürlich nicht, bereits im Jahr 2011 verkündete die damalige Bundesregierung, auch unter öffentlichem Druck in Folge der Fukushima-Katastrophe, den Ausstieg aus der Atomenergie mit dem langfristigen Ziel, den Anteil aus Erneuerbaren Energien langfristig deutlich zu erhöhen. Insbesondere das Segment der Solarenergie unterlag in den folgenden Jahren einer sehr wechselhaften Marktentwicklung. Befeuert durch staatliche Subventionen konnte dieser Markt im privaten Sektor zunächst stark zulegen, um anschließend nach Ende der staatlichen Zuschüsse und durch einen intensiven Preiskampf der Wettbewerber in eine Krise zu stürzen. In vielen Ländern ähnelte dieser Verlauf der deutschen Marktentwicklung. Die Weiterentwicklung der Produkte und Lösungen schritt dennoch fort, unter veränderten Rahmenbedingungen könnte der Markt für Solarenergie wieder an erfolgreichere Phasen anknüpfen. In Deutschland könnte man die jüngsten Zahlen aus dem vergangenen Jahr in diese Richtung deuten. Im Jahr 2018 wurden in Deutschland Photovoltaik-Neusysteme mit einer Gesamtleistung in Höhe von 2,96 Gigawatt installiert, dies entspricht einem Zuwachs von 68 Prozent im Vergleich zu 2017. Die 28 EU-Staaten installierten insgesamt Neusysteme mit einer Leistung von 8 Gigawatt, womit man ein Plus in Höhe von 36 Prozent verbuchen konnte. Auch auf dem amerikanischen Markt könnten die Vorzeichen derzeit positiv interpretiert werden. Bloomberg prognostiziert in seiner „New Energy Finance“-Studie für das Jahr 2019 einen Anstieg der Gesamtleistung in den USA auf bis zu 141 Gigawatt, im Jahr 2018 lag dieser Wert noch bei 109 Gigawatt. Anhand dieser Zahlen und dem derzeitigen Interesse an den Erneuerbaren Energien könnte für Investoren ein Blick auf einige der Marktführer in diesem Segment lohnen.

First Solar Inc (US3364331070)

Das im amerikanischen Bundesstaat Arizona ansässige Unternehmen First Solar betätigt sich seit 1999 auf dem Markt für Solarenergie und bietet neben einzelnen Solarmodulen auch Photovoltaik-Gesamtsysteme an. Als Schlüsseltechnologie könnte sich für das Unternehmen das neuste Solarmodul namens „Modul 6“ herausstellen. Bisher konnte die Nachfrage nach dem neuen Produkt die Erwartungen der Unternehmensführung erfüllen, ein Ausbau der Produktionskapazitäten ist geplant. Im Vergleich zu seinen Vorgängerserien lassen sich mit dem Modul 6 bessere Margen beim Verkauf realisieren, eine Eigenschaft, der in dem traditionell sehr preisumkämpften Markt eine hohe Bedeutung zukommt. Diese Margensteigerung ist angesichts der Tatsache, dass die First Solar-Module zu den kostengünstigeren auf dem Markt zählen, positiv zu bewerten. Eine kompetitive Preissetzung in Verbindung mit einer hohen Profitabilität könnte den Unternehmenserfolg in Zukunft begünstigen. Derzeit befindet sich First Solar auf Kurs, die gesetzten Jahresziele bezüglich Umsatzes und Gewinn im laufenden Geschäftsjahr zu erreichen. Der Umsatz für das Gesamtjahr soll sich auf den Korridor zwischen 3,25 bis 3,45 Milliarden US-Dollar, der Gewinn auf einen Wert zwischen 2,25 und 2,75 US-Dollar pro Aktie belaufen. Im vergangenen Jahr lagen diese Werte noch bei 2,2 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 1,36 US-Dollar. Sorgen der Anleger, dass sich die Zollpolitik des US-Präsidenten Donald Trump negativ auf First Solar auswirken, da das Unternehmen unter anderem auch Produktionsstätten in Asien betreibt, haben sich derweil nicht bewahrheitet. Die Produkte des Unternehmens wurden nicht als Importware eingestuft, folglich treffen die Zölle die Solarmodule nicht. Interessierte Anleger sollten dennoch die Situation bezüglich der US-Zollpolitik im Auge behalten. Derzeit profitiert First Solar tendenziell von der Politik, sollten die Zölle im Rahmen internationaler Verhandlungen jedoch fallen, könnten sich die derzeit günstigen Geschäftsvoraussetzungen für das Unternehmen wieder ein wenig eintrüben, primär wäre hiervon der amerikanische Heimatmarkt betroffen.

JinkoSolar Holdings Co Ltd (US47759T1007)

Der derzeit größte Produzent von Solarpanels sitzt in Shanghai und hört auf den Namen Jinko Solar. Im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen global Produkte mit einer Gesamtleistung von 11,4 Gigawatt absetzen. Das Geschäftsjahr 2018 konnte Jinko Solar mit einem moderaten Gewinn in Höhe von rund 63 Millionen US-Dollar abschließen. Im laufenden Geschäftsjahr hat sich die Auftragslage nochmals stark verbessert. Bereits Ende April konnte man ein Auftragsvolumen in Höhe von 10,7 Gigawatt bekannt geben. Diese Aufträge konnten zudem größtenteils zu Festkonditionen ausgehandelt werden. Auf dem heimischen chinesischen Markt rechnet das Management für die zweite Jahreshälfte darüber hinaus mit einem Anziehen der Auftragslage auf dem Installationsmarkt für Privatkunden, welcher im bisherigen Jahresverlauf noch hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückblieb. Ende Juni konnte man des Weiteren einen zusätzlichen Großauftrag aus Vietnam über eine Leistung von 258 Megawatt bekannt geben. Die letztjährigen Absatzzahlen könnten also bis zum Ende des Geschäftsjahres stark ausgebaut werden. Angesichts der im Branchenvergleich hohen Profitabilität des Unternehmens könnte dies zu einer starken Gewinnsteigerung beitragen. Dennoch ist bei Jinko Solar auch Vorsicht geboten. Das Unternehmen produziert größtenteils nur die Solarmodule, deren Preisentwicklung den Trend der vergangenen Jahre auch 2019 fortzusetzen scheint. Der Preis bei den Modulen liegt derzeit noch bei etwa 0,30 US-Dollar pro Watt. Während Produzenten von Gesamtsystemen und Unternehmen mit einem Fokus auf der Installation von PV-Anlagen hiervon profitieren können, stellt diese Entwicklung Unternehmen wie Jinko Solar vor Herausforderungen. Auch weitere Strafzölle könnten Jinko Solar als chinesischen Produzenten treffen. Die Auftragslage für das Unternehmen ist demgegenüber derzeit jedoch als positiv einzustufen, weitere Senkungen der Produktionskosten oder eine Stabilisierung des Preisniveaus könnten Jinko Solar in den kommenden Monaten für Investoren daher trotzdem interessant werden lassen.

SUNPOWER CORP. REGISTERED SHS DL -,01 (WKN A1JNM7) (US8676524064)

Im Falle von SunPower handelt es sich wiederum um ein amerikanisches Unternehmen. SunPower betätigt sich in der Produktion von Solarzellen und Photovoltaikanlagen, die Unternehmensgeschichte geht bis auf das Jahr 1985 zurück. Im März dieses Jahres sorgte SunPower dabei für Aufsehen, als es seine neue „Maxeon 3“-Technologie vorstellte, die erstmals die Leistungsgrenze von 400 Watt für Eigenheim-Module überschritt. Während die Systeme des Unternehmens auch in der Vergangenheit technologisch als leistungsfähig angesehen wurden, verhinderten die hohen Preise eine nachhaltige Marktdurchdringung der Produkte. Einen weiteren limitierenden Faktor stellten in der Vergangenheit zeitweise die, im Verglich zu einigen Konkurrenten, niedrigen Produktionskapazitäten dar. Zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres lag die Kapazität für die Zellenproduktion bei 1400 Megawatt, die Kapazitäten für Fertigung von Solarmodulen beliefen sich auf einen Wert von 1500 Megawatt. Bezüglich der Zellproduktion ist SunPower bereits seit Beginn des vergangenen Jahres ausgelastet, zusätzliche Kapazitäten konnten durch Kooperationen mit chinesischen Produzenten geschaffen werden. Den Umstand, dass ein Unternehmen die Nachfrage nach seinen Produkten über einen längeren Zeitraum nicht decken kann, könnte man generell positiv bewerten, auch wenn SunPower durch die Fremdproduktion und die damit verbundenen Logistikkosten in diesem Fall wohl noch weiteres Potenzial verschenkt. Den größeren Teil des Geschäfts macht betriebsintern das Segment „Energy Services“ aus, das sich mit der Installation von privaten und gewerblich genutzten Solaranlagen beschäftigt. Derzeit entfallen rund 60 Prozent des Gesamtumsatzes auf diesen Geschäftsbereich. Branchenüberspannend erwies sich das Installationsgeschäft in der Vergangenheit als profitabler als die Komponentenproduktion. Für das aktuelle Geschäftsjahr hat sich SunPower eine Bruttomarge von 20 Prozent für Installationen zum Ziel gesetzt, Anleger könnten diese Kennzahl also als mögliches Bewertungskriterium für die Einschätzung der Geschäftsentwicklung in Erwägung ziehen. Des Weiteren sollten Investoren die Entwicklung der Schuldensituation im Auge behalten. SunPower sieht sich nach Jahren mit schwieriger Geschäftsentwicklung mit einem hohen Niveau seiner Verbindlichkeiten konfrontiert. Die momentane Geschäftsentwicklung zeigt sich im Vergleich zur Vergangenheit stark verbessert, dennoch könnten die Verbindlichkeiten und deren Tilgung die finanzielle Entwicklung oder die Renditen für die Anleger negativ beeinflussen. Aufgrund der derzeit soliden Auftragslage und der technologischen Ausgereiftheit der SunPower-Produkte könnte ein genauerer Blick auf das Unternehmen dennoch lohnen.

VIVINT SOLAR INC (WKN A12AWB) (US92854Q1067)

Im US-Bundesstaat Utah ist das letzte der betrachteten Unternehmen ansässig. Vivint Solar beschäftigt sich mit der Entwicklung, der Installation und der Wartung von Photovoltaik für den Privatgebrauch. Im Fokus stehen für das Unternehmen hierbei auch Ladesysteme für Elektroautos sowie Systeme zur Steuerung und Optimierung des häuslichen Stromverbrauchs. Neben eines Direktkaufs vermietet oder verleast Vivint Solar die PV-Anlagen auch an Kunden und ermöglicht diesen somit auch temporäre Bedarfsanpassungen. Den umfassenden Service-Ansatz könnte man als eine der größten Stärken des Unternehmens nennen. Von der Angebotserstellung über den Entwurf des individuellen Systems bis hin zur Wartung oder letztlich des Abbaus einer Anlage kann Vivint Solar seine Kunden betreuen und auf diese Weise entlang der Wertschöpfungskette diverse Umsatzpotenziale abschöpfen. Dieses Geschäftsmodell könnte dazu beigetragen haben, dass Vivint Solar den aktuell wachsenden Markt für PV-Heimsysteme in den USA sogar noch outperformen konnte. Im Vorjahresvergleich stieg die Leistung der von Vivint Solar installierten Systeme um knapp 13 Prozent auf 45,6 Megawatt an. Des Weiteren lohnt auch ein genauerer Blick auf die Vertragsgestaltung des Unternehmens mit seinen Kunden. Bei den abgeschlossenen Leasing- oder Kaufverträgen handelt es sich oftmals um Vereinbarungen mit Laufzeiten zwischen 20 bis 30 Jahren. Dies ermöglicht Vivint Solar eine hohe Kalkulierbarkeit seiner mittel- und langfristigen Einnahmen. Darüber hinaus profitiert Vivint Solar derzeit von starkem Wachstum und günstigen Marktvoraussetzungen auf seinem Heimatmarkt. Das Unternehmen engagiert sich derzeit ausschließlich auf dem amerikanischen Markt und bedient exklusiv Privatkunden. Daher kann Vivint in vollem Umfang von den aktuell für US-Unternehmen günstigen Rahmenbedingungen dieses Marktes profitieren, beispielsweise aus der momentan niedrigen Zinslage sowie den protektionistischen Maßnahmen der US-Regierung gegen internationale Konkurrenten. Wie im Fall von Konkurrent SunPower muss allerdings auch bei Vivint Solar die aktuelle Bilanzsituation beachtet werden. Wie viele der anderen Marktteilnehmer auch, musste sich Vivint in den vergangenen Jahren zunehmend verschulden, um den Geschäftsbetrieb in normalem Maße weiterführen zu können. Auch im vergangenen Jahr verzeichnete das Unternehmen noch keinen operativen Gewinn. Infolgedessen liegt die Eigenkapitalquote nur noch bei etwas mehr als 15 Prozent, die langfristigen Schulden überschritten zum Ende des letzten Geschäftsjahres den Bestand an liquiden Mitteln um das mehr als Fünffache. Daher gilt auch in diesem Fall, dass sich die verbesserte Marktsituation möglichst bald auch in der Bilanz des Unternehmens bemerkbar machen sollte.


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