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Digitalisierung eröffnet Spieleproduzenten neue Chancen!

Ein Beitrag von tzimmer 14 10.03 - 15:36

Technologische sowie infrastrukturelle Entwicklungen des Internets verleihen dem Markt für Spielesoftware seit wenigen Jahren wieder ein beschleunigtes Wachstum. Die digitale Monetarisierung von Spieleinhalten über das Netz eröffnet den Spieleproduzenten dabei zuvor nicht mögliche Umsatzpotenziale. Die Wettbewerber in diesem Segment könnten somit auch für Anleger interessant sein.
 
Electronic Arts
 
 
Take-Two Interactive Software In...
 

Die Videospielgeschichte ist eng mit der Entwicklungsgeschichte des Personal Computers verwoben. Die sukzessive Verbreitung von PCs führte dazu, dass sich das ehemals vor allem auf Automaten fokussierte Spieleerlebnis nun auch bei den Verbrauchern zuhause rekonstruieren ließ. Seither durchlief diese Industrie einige Evolutionsschritte, sowohl technologischer, als auch sozialer Natur. Softwarehersteller mussten hierbei einerseits in regelmäßigen Abständen ihre Entwicklungsroutinen und Markenkerne anpassen, profitierten andererseits aber auch von sich ständig verbessernden Hardware-Komponenten und einer zumeist stetig wachsenden Nachfrage. Mittlerweile ist aus dem Konzept Gaming ein wichtiges Wirtschaftssegment geworden. Im Jahr 2015 setzte die Videospielindustrie in Deutschland beispielsweise mehr um als die Filmwirtschaft oder die Musikbranche. Insbesondere für Softwarehersteller ergaben sich in den vergangenen Jahren dabei wichtige Marktveränderungen. Hauptsächlich hat die infrastrukturelle Entwicklung global mittlerweile ein Niveau erreicht, auf dem die meisten Spieler in der Lage sind, die Online-Funktionen der Spiele flüssig und ohne Unterbrechungen zu nutzen. Hieraus könnten sich eine Reihe von positiven Entwicklungen für die Unternehmen ergeben. Durch die Interaktion mit anderen Spielern steigt die Nutzungsdauer von Spielen, während sich durch die Möglichkeit der digitalen Bereitstellung von Patches und Erweiterungen das Produkt auch nach der Erstveröffentlichung verbessern und erweitern lässt. Vor allem können über Online-Sales aber auch Spielinhalte oder zusätzliche Funktionen monetarisiert werden, wodurch die Softwareproduzenten, im Gegensatz zu früher, auch nach dem Verkauf der eigentlichen Software noch weitere Einnahmen generieren können. In den bisherigen Kernmärkten hat sich mittlerweile der Wettbewerb auf einige etablierte Konzerne eingependelt. Für Anleger könnten hierbei zwei amerikanische Softwareproduzenten hinsichtlich der neuen Potenziale interessant sein.

Take-Two Interactive Software Inc (US8740541094)

Take 2 Interactive wurde 1993 gegründet und beschäftigt mit Niederlassungen in Europa und Nordamerika weltweit etwa 2.500 Mitarbeiter. Den größten Teil des Vertriebs übernehmen mittlerweile die beiden Tochtergesellschaften 2K Games und Rockstar Games. In der Spieleszene ist der Konzern vor allem durch Titel wie „Grand Theft Auto“, „Red Dead Redemption“ oder die Basketball-Simulation „NBA 2K“, welche seit Jahren eines der weltweit umsatzstärksten Sportspiele ist, bekannt. Hinsichtlich von digitalen Umsätzen konnte die Unternehmensführung insbesondere im vergangenen Jahr gute Nachrichten überbringen. Vor allem für das Spiel „GTA 5“ zeigen die Umsätze, wie wertvoll Aftersales für Unternehmen in Zukunft sein könnten. Neben dem Verkauf von 15 Millionen weiteren Grundspielen, wodurch das Spiel auch mit nun mehr als 90 Millionen abgesetzten Einheiten das meistverkaufte Spiel in der Geschichte des amerikanischen Marktes ist, hat Take 2 Interactive seit der Auflage des Spiels 2013 insgesamt mehr als eine Milliarde US-Dollar durch digitale Verkäufe generiert. Insgesamt wurden durch den Titel etwa 1,5 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Ähnlich sieht es bei anderen bekannten Titeln des Konzerns aus. Im zweiten Quartal des vergangenen Jahres betrug der Anteil der digitalen Umsätze am Netto-Umsatz rund 68 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum konnte in diesem Bereich ein Plus von mehr als 31 Prozent von 230 Millionen auf 303 Millionen US-Dollar verzeichnet werden. Take 2 Interactive möchte zukünftig noch stärker auf einen digitalisierten Vertrieb setzen. Nach der Vision der Konzernleitung soll auch der Vertrieb der Grundsoftware in zunehmendem Maße online erfolgen. Dies würde Take 2 Produktions- und Distributionskosten ersparen und Abgaben an Händler reduzieren. Nach mehreren Terminverschiebungen steht für das Unternehmen im Oktober dieses Jahres mit „Red Dead Redemption 2“ ein wichtiger Release an, welcher auch das diesjährige Weihnachtsgeschäft ankurbeln könnte und, basierend auf dem Erfolg des Vorgängers vor einigen Jahren, das Potenzial besitzt, Umsätze in ähnlicher Größenordnung wie „GTA“ zu erzielen. Problematisch könnte die mittlerweile hohe Bewertung der Aktie sein. Die Aktie notiert derzeit bei mehr als dem Zwanzigfachen des antizipierten Gewinns für das laufende Geschäftsjahr. Anleger sollten diesen Umstand in ihren Überlegungen berücksichtigen.

Electronic Arts (US2855121099)

Ein weiteres Schwergewicht der Spielebranche ist der 1982 gegründete Electronic Arts-Konzern. Mit einer Mitarbeiterzahl von knapp 10.000 Mitarbeitern sowie einem Umsatz von 4,8 Milliarden US-Dollar handelt es sich hier um einen der größten Wettbewerber. Eine der größten Stärken des Unternehmens liegt in den Exklusivlizenzen, welche „EA“ beispielsweise mit dem Fußball-Weltverband „FIFA“, der nordamerikanischen Footballliga „NFL“ oder für die Filmserie „Star Wars“ hält. Dieser Umstand bescherte dem Unternehmen in der Vergangenheit stetige Umsätze bei den jeweiligen Fangemeinschaften der Sportarten oder Filmreihen. Kürzlich verkündete der CEO Andrew Wilson, dass EA künftig, ähnlich wie Take 2 Interactive, den Fokus auf digitale Transaktionen und Aftersales legt. Hierfür wird auch ein Ausbau des Abo-Services „EA Access“ erwogen, welcher Nutzer gegen Gebühr auf Spiele des Herstellers zugreifen lässt, ohne dass diese die Spiele käuflich erwerben müssen. Dieser „Games-as-a-Service“-Ansatz besitzt hierbei durchaus innovativen Charakter für die Monetarisierung von Spielen. Beim Release des Blockbuster-Titels „Star Wars: Battlefront 2“ im vergangenen Jahr scheint das Unternehmen die Schraube im Bereich Aftersales allerdings überdreht zu haben. Die, nach Meinung der Fans, unzureichende Grundversion sorgte für einen teilweisen Boykott des Titels durch Fans, wodurch das Absatzziel um rund 1 Millionen Einheiten verfehlt wurde und der Aktienkurs zwischenzeitlich litt. Die Konzernführung verspricht, auch mit Hinblick auf die wichtigen Neuerscheinungen des aktuellen Jahres, „Anthem“ und „Battlefield 2018“, aus den Fehlern gelernt zu haben. Zuletzt kamen Gerüchte über eine mögliche Übernahme durch Microsoft auf, wodurch das Xbox-Geschäft des Technologie-Giganten gestärkt werden soll. Sollten sich die Gerüchte bewahrheiten, könnte dies in den kommenden Monaten für volatile Bewegungen der EA-Aktie sorgen. Bei einem Einstieg in den Wert sollten Anleger dies im Hinterkopf behalten.


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