Analyse Aktien Spiele

Der Markt für Spieleentwickler befindet sich im Wandel!

Ein Beitrag von tzimmer 14 29.12.2018

Der Markt für Computer- und Videospiele unterlag in der vergangenen Dekade einem stetigen Wandel. Online-Gaming, Mobile Games und Mikrotransaktionen sind heute wesentliche Erfolgsfaktoren für Wettbewerber in diesem Segment. Ein Blick auf zwei Unternehmen soll aufzeigen, auf welche Weise sie den neuen Herausforderungen entgegentreten.
 
UBISOFT Entertainment
 
 
Activision Blizzard Inc
 

Lange Zeit galt das Weihnachtsgeschäft als wichtiger Gradmesser für den Erfolg der Spieleentwickler, wichtige Titel wurden oftmals zeitlich passend zu dieser Saison veröffentlicht. Auch wenn die Umsätze aus der Weihnachtssaison heute noch einen Faktor in der Branche darstellen, so hat sich das Geschäftsmodell mittlerweile signifikant verändert. Durch die Vernetzung von Spielekonsolen ist es Spieleproduzenten heute möglich, auch nach dem Absatz der Software online weitere Umsätze zu generieren, indem sie den Spielern Erweiterungen oder Bonusinhalte anbieten. Darüber hinaus wirkt sich auch die zunehmende Popularität von E-Sports positiv auf die Branche aus. Der hiermit verbundene Werbeeffekt steigert die Popularität der eigenen Spiele und ermöglicht Werbeeinnahmen aus den Spieleligen und -übertragungen. Infolgedessen fokussiert sich das Geschäft zunehmend auf einzelne, sehr beliebte Spieletitel und Franchises, beispielsweise auf Titel wie „Grand Theft Auto“, „Fifa“ oder „Call of Duty“. Für Spieleentwickler ist es heute von hoher Bedeutung, über solche profitablen Spielereihen zu verfügen, die Angebotsvielfalt verliert gegenüber der Vergangenheit etwas an Bedeutung. Der diesjährige Start in die Weihnachtssaison verlief, vor allem für die amerikanischen Marktteilnehmer, vielversprechend. Die Umsätze aus Videospielen betrugen im Oktober dieses Jahres 965 Millionen US-Dollar, im Vergleich zum Vorjahresmonat betrug das Plus hier satte 104 Prozent (473 Millionen US-Dollar in 2018). Die Markteinführung zweier wichtiger Titel innerhalb dieses Monats dürfte ursächlich für diese Entwicklung gewesen sein, Activision Blizzard´s „Call of Duty – Black Ops 4“ sowie Take Two´s „Red Dead Redemption 2“ wurden von den jeweiligen Fangemeinden bereits seit längerer Zeit erwartet und fanden nach Veröffentlichung guten Absatz. Im Folgenden sollen zwei große Wettbewerber aus dieser Branche hinsichtlich ihrer Potenziale, in Bezug auf oben genannte Kriterien, untersucht werden, namentlich der amerikanische Konzern Activision Blizzard und das französische Unternehmen Ubisoft.

Activision Blizzard Inc (US00507V1098)

Das Geschäftsjahr 2018 verlief für Activision Blizzard bisher wenig erfreulich, mehr als 20 Prozent seines Börsenwerts büßte das Unternehmen seit Jahresbeginn ein. Ursächlich hierfür waren einerseits rückläufige Nutzerzahlen im Online-Gaming, andererseits erreichten die Veröffentlichungen aus diesem Jahr nicht ganz die Erwartungen des Managements und der Anleger.
Dennoch gibt es im Hinblick auf Activison Blizzard auch eine Reihe vielversprechender Entwicklungen. Die Gesamtzahl der Nutzer war in der jüngeren Vergangenheit zwar rückläufig, jedoch konnte die Nutzerzeit der Spieler erstmals über die Marke von täglich 50 Minuten erhöht werden. Der Großteil der Mikrotransaktionen und Online-Sales entfallen auf eine vergleichbar kleine Nutzergruppe von Vielspielern, die weiter steigende tägliche Spielzeit spricht für eine steigende Kundenbindung in eben dieser Zielgruppe. Darüber hinaus entfiel der Großteil der rückläufigen Nutzerzahlen auf den Bereich der Mobile Games, den Activision Blizzard durch die Übernahme des Produzenten King Digital Entertainment im Jahr 2015 ausgebaut hatte. Im Bereich der Mobile Games bestehen in der Zukunft noch größere Potenziale zum Aufbau profitabler Franchises, sofern das Management aus der rückläufigen Entwicklung in diesem Bereich die richtigen Schlüsse zieht, könnte man auf dem noch immer schwer umkämpften Markt der Mikro- und Online Games Marktanteile zurückgewinnen. Innerhalb seines Kerngeschäfts hat Activision Blizzard im Laufe der Jahre einige wichtige Marken aufgebaut. Zu diesem Portfolio zählen beispielsweise die Franchises „Call of Duty“, „Diablo“, „Candy Crush“, „World of Warcraft“ oder „Starcraft“. Diese Spielereihen könnten dem Unternehmen zukünftig auch die Möglichkeit bieten durch die Einrichtung neuer E-Sports Ligen weitere Monetarisierungspotenziale zu realisieren. Die von Activision Blizzard initiierte „Overwatch League“ konnte eine zufriedenstellende erste Saison verzeichnen. Mit einer durchschnittlichen Zuschauerzahl von etwa 861.000 pro Minute und einer Gesamtzuschauerzahl von knapp 11 Millionen konnte das Finale der Liga die gesetzten Erwartungen sogar übertreffen. In der Vergangenheit keimten bereits Gerüchte über eine „Call of Duty“-Liga auf, welche eine der populärsten Spielereihen des Marktes erstmals in ein kompetitives Umfeld überführen würde und Activision Blizzard weitere Umsätze und öffentliches Interesse bescheren könnte. Das Unternehmen hat momentan durchaus Ansatzpunkte, die Verbesserungen bedürfen, etwa das lahmende Mobile Games-Geschäft, der starke Kursverfall des laufenden Jahres dürfte zu einem gewissen Teil aber auch durch die enorm hohen Erwartungen der Anleger bedingt gewesen sein. Activision Blizzard verfügt über eine Reihe wichtiger Titel, mit denen auch die Umsatzpotenziale noch nicht vollständig ausgeschöpft scheinen, vor allem in Bezug auf E-Sports. Anleger sollten die Entwicklung der Mobile-Sparte genauer beobachten, da besonders dieser Bereich das Unternehmen derzeit zu einem gewissen Grad einbremst.

UBISOFT Entertainment (FR0000054470)

Konträr zur Entwicklung bei Activision Blizzard verlief das Jahr 2018 für die Aktionäre des französischen Ubisoft-Konzerns erfreulich. Im laufenden Jahr verzeichnet der Kurs bisher ein Plus von knapp 30 Prozent. Ein Umsatzplus in Höhe von fast 20 Prozent im Geschäftsjahr 2017 und starke Absatzzahlen der neusten „Far Cry“- und „Assassin´s Creed“-Ableger trieben die Aktie in den vergangenen Monaten an. Ähnlich wie der amerikanische Konkurrent hat sich auch Ubisoft eine Reihe beliebter Titel aufgebaut, zu nennen wären in diesem Zusammenhang etwa Spiele der „Splinter Cell“- und „Rainbow Six“-Reihen, aber auch Titel der „Anno“-, „Far Cry“- und „Assassin´s Creed“-Franchises fanden in der Vergangenheit starken Absatz. Auf Basis des Titels „Rainbow Six Siege“ hat auch Ubisoft eine eigene E-Sports Liga etabliert, welche auf das Interesse der Zuschauer und Spieler stößt. Das Finale der siebten Staffel im Mai dieses Jahres verhalf dem Titel mit einer Gesamtzuschauerzahl von etwa 2,3 Millionen auf Platz sechs der meistgesehenen Videos auf der im E-Sports Bereich populären Plattform „Twitch“. Analog zur Situation bei Activision Blizzard könnte auch im Falle von Ubisoft noch Potenzial zur Einführung weiterer Ligen vorhanden sein. Titel aus der „Anno“- oder „Far Cry“-Reihen erfreuen sich nach wie vor großer Fangemeinden und könnten hinsichtlich einer Umsetzung in den E-Sports-Kontext Vermarktungspotenzial besitzen. Zur guten Geschäftsentwicklung des Gesamtkonzerns trug in der jüngeren Vergangenheit auch die auf Mobile Games-Sparte bei. Besonderes Augenmerk könnten Investoren auf die Entwicklung Ubisofts in China richten. In Zusammenarbeit mit dem chinesischen Unternehmen Tencent, welches zugleich eine fünfprozentige Beteiligung an Ubisoft hält, hat Ubisoft bereits mobile Titel wie „Assassin´s Creed“ oder „Rabbids“ veröffentlicht. Tencent könnte sich in diesem Zusammenhang als wertvoller Partner erweisen, um einerseits bei der Anpassung der Spiele auf die spezifischen Bedürfnisse des chinesischen Marktes zu assistieren und andererseits bei rechtlichen Fragestellungen, denen sich ausländische Anbieter ausgesetzt sehen, zu vermitteln. Zu beachten wäre zudem, dass sich die Ubisoft-Aktie im Laufe des Jahres enorm verteuert hat und die Erwartungen an das Unternehmen ebenfalls gestiegen sind. Dieser Umstand trägt derzeit wohl in Teilen zur Misere Activision Blizzards bei und könnte zukünftig auch im Fall von Ubisoft nicht ausgeschlossen werden, die zugrundeliegende Geschäftsentwicklung könnte man derzeit dennoch als gut bezeichnen.


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