Analyse Aktien Wearable Computing

Smart Glasses: Die Entwicklung schreitet voran

Ein Beitrag von tzimmer 9 11.12.2017

Nach der Etablierung der Smart Watch am Markt suchen Technologieunternehmen Wege zur Markteinführung weiterer Wearables. Datenbrillen sind hierbei seit Jahren ein Thema, zumal es auch interessante Potenziale in der industriellen Anwendung gibt. Dabei gibt es durchaus unterschiedliche Interpretationsansätze bezüglich der Funktionalität der Smart Glasses.
 
Sony KK
 
 
Amazon.com Inc
 

Smart Glasses rückten vor wenigen Jahren bereits in den Fokus der breiten Öffentlichkeit, als Google einen Markteinstieg mit seinen Modellen versuchte. Der große Wurf blieb damals jedoch aus. Zwar gab es für die potenziellen Dienste und Funktionen durchaus einen Bedarf, aber das Design der Brillen war insbesondere durch ihre Größe für viele Interessenten noch ein Grund gegen eine Anschaffung der Geräte. Neben der Optik stellte auch die relativ geringe Akkukapazität einen der größten Kritikpunkte dar. In den vergangenen fünf Jahren hat sich hinsichtlich der genannten Kritikpunkte technologisch allerdings vieles weiterentwickelt, sodass der Markt für die Smart Glasses nun langsam an Dynamik gewinnen könnte. Konkurrenz durch mehrere Marktteilnehmer scheint auch in diesem Zusammenhang belebend zu wirken. Neben der privaten Anwendung rückt vor allem auch der betriebliche Einsatz der Datenbrillen immer stärker in den Vordergrund. So können diese Geräte Mitarbeiter durch Augemented Reality-Anwendungen in ihrem Arbeitsablauf durch gezielte Bereitstellung relevanter Daten unterstützen. Für die kommenden fünf Jahre prognostiziert eine Studie des Marktforschungsunternehmens Juniper Research ein ansehnliches Wachstum. Unter den Geräten des Marktsegments „Wearables“ sollen die Smart Glasses in diesem Zeitraum das stärkste Wachstum verzeichnen. Von den heutigen 327 Millionen US-Dollar soll der weltweite Markt bis zum Jahr 2021 auf bis zu 9 Milliarden US-Dollar ansteigen. Anhand dieser Zahlen ist ersichtlich, warum sich mehr und mehr Unternehmen für die Konstruktion eigener Smart Glasses interessieren. Während Sony seinem Ruf als Innovationstreiber im technologischen Bereich nachkommen möchte, interpretiert Amazon die Rolle der neuen Technologie nochmals anders als seine Mitkonkurrenten.

Sony KK (JP3435000009)

Lange Zeit galt der japanische Sony-Konzern hinsichtlich von Entertainmentgeräten als innovativ und revolutionär. So gehen beispielsweise die Markteinführung des Walkmans oder die Etablierung der kommerziell sehr erfolgreichen Spielkonsolenreihe, der PlayStation, auf Sony zurück. Auch wenn das Unternehmen in vielen seiner Kernbereiche nach wie vor gut am Markt platziert ist, monierten Marktbeobachter und Fans zwischenzeitlich einen Mangel an bedeutenden und umfassenden Innovationen. Augmented und Virtual Reality scheint hierbei ein Themenfeld zu sein, auf welches sich die Unternehmensführung in diesem Zusammenhang konzentriert. Bereits für die PlayStation 4 veröffentlichte Sony vergangenes Jahr als erster Konsolenproduzent eine VR-Brille. Ziel ist es, das Spielerlebnis der Nutzer durch die neuen Virtual Reality-Elemente zu erweitern. Bereits 2015 hatte man eine „Developer Edition“ einer Augmented Reality-Datenbrille am Markt platziert. Die „SmartEyeGlass SED-E1“ verfügt hierbei über einige Features wie eine Kamera, ein Mikrofon, Kopfhörer, Beschleunigungs- und Lichtsensoren sowie einen Kompass. Die Developer Edition ist derzeit noch nicht für die breite Öffentlichkeit verfügbar, sie wird hauptsächlich Entwicklern von zukünftigen Applikationen zur Verfügung gestellt. Einen Termin für die Einführung einer regulären Version nannte das Unternehmen bisher noch nicht. Die SED-E1 scheint dabei in ihrer derzeitigen Grundkonzeption eher auf industriellen und innerbetrieblichen Einsatz ausgelegt zu sein. Die Vielzahl der verbauten Komponenten und Sensoren führt dazu, dass die Brille relativ groß und optisch auffallend ist, dies dürfte in der breiten Öffentlichkeit noch zu Akzeptanzproblemen führen. Ein Konzept, welches dagegen eher auf den privaten Gebrauch zugeschnitten zu sein scheint, ist die „SmartEyeGlass Attach“. Hierbei handelt es sich um einen Brillen-Aufsatz, welcher lediglich 40 Gramm wiegen soll. Die Displaygröße beträgt dabei lediglich 0,23 Zoll, kombiniert wird das allerdings mit einer hierfür hohen Pixeldichte von 640x400. Der Funktionsumfang fällt deutlich geringer aus als bei der SED-E1, dem stehen jedoch das viel schlankere Design und die sehr variable Einsatzmöglichkeit entgegen. Neben dem Vertrieb eigener Produkte möchte sich Sony im Bereich der Datenbrillen auch als Komponentenlieferant für andere Produzenten etablieren. Kürzlich erst veröffentlichte das auf Bildverarbeitung und industrieller Anwendung von Kameras spezialisierte Unternehmen Framos eine neue Smart Glasses-Serie welche mit OLED Mikrodisplays von Sony ausgestattet ist. Hinsichtlich der Auflösung gelten diese Displays derzeit als eine der besten am Markt verfügbaren Komponenten.

Amazon.com Inc (US0231351067)

Bereits seit langer Zeit sucht Amazon nach Möglichkeiten, seine Marketing- und Vertriebsstrukturen immer weiter auszubauen und den Kontakt zu Kunden zu intensivieren. Geschah dies vor wenigen Jahren, hauptsächlich in den USA, noch durch den Vertrieb so genannter Dash-Buttons für gewisse Produkte, so setzt das Unternehmen heute auf die kürzlich veröffentlichte Alexa-Produktgruppe. Diese soll Anwender im alltäglichen Leben vor allem mit dem Dienstleistungsangebot von Amazon verbinden und auch als Vertriebskanal dienen. Während dies momentan noch durch die Platzierung von Geräten im Wohn- oder Arbeitsbereich des Anwenders erfolgt, so soll es zukünftig durch Smart Glasses noch direkter und möglichst überall möglich sein. Das Design sowie der Funktionsumfang sollen im Vergleich zur Konkurrenz auf das Nötigste reduziert werden. Neben der Maximierung der Akkulauzeit soll dies vor allem zu einem Design führen, welches sich von herkömmlichen Brillen kaum unterscheiden soll. Der Verzicht auf eine Kamera könnte darüber hinaus auch den Privatsphäre-Bedenken in Verbindung mit der Verbreitung von Smart Glasses vorbeugen. Diese Simplizität könnte darüber hinaus auch zu Kostenvorteilen führen. Viele der Produkte liegen derzeit in einem Bereich zwischen 500 und 1000 Euro. Eine Markteinführung zu einem bedeutend niedrigeren Preis könnte für Amazon zu einem hohen Marktanteil führen, auch weil das Produkt die Grundbedürfnisse des durchschnittlichen privaten Anwenders dennoch abdecken dürfte.

Wie bereits in der Vergangenheit setzt Sony auf eine hohe Funktionalität seiner Produkte. Gerade im industriellen Einsatz könnte sich diese Leistungsfähigkeit als Marktvorteil erweisen. Etwas Sorgen macht die bereits sehr lange Entwicklungsphase, welche befürchten lässt, dass sich die endgültige Markteinführung länger als geplant hinziehen könnte. Durch den Komponentenvertrieb könnte Sony potenziell aber auch überdurchschnittlich von einer zunehmenden Verbreitung der Technologie profitieren. Der genaue Effekt für Amazon ist derzeit noch schwer abzuschätzen, auch weil das Produkt noch in der Konzeptphase steckt. Amazon könnte durch die Simplizität des Produktentwurfs allerdings womöglich auch früher im Alltagsbetrieb Akzeptanz finden als die Mitbewerber und bewies in der Vergangenheit bei der Markteinführung eigener Geräte, wie dem Echo Dot oder auch dem Kindle, zumeist ein gutes Gespür für die Bedürfnisse der Kunden.


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