Analyse Aktien Wechselrichter

Photovoltaik-Anlagen: Digitalisierung öffnet neue Potenziale

Ein Beitrag von tzimmer 13 08.06 - 20:58

Auch begünstigt durch stetig sinkende Preise für Photovoltaik-Anlagen durchlebte diese Branche im vergangenen Jahr global betrachtet ein zufriedenstellendes Geschäftsjahr. Neben dem weiteren Wachstum durch Neuanlagen bestehen insbesondere für die Produzenten von Wechselrichtern durch die Digitalisierung neue Geschäftspotenziale. Ein deutsches sowie ein israelisches Unternehmen wollen in den kommenden Jahren von dieser neuen Entwicklung profitieren.
 
SMA Solar Technology AG
 
 
SolarEdge Tech
 

Analog zur Markteinführung anderer neuer Technologien ist auch im Falle der Photovoltaik-Anlagen nach der Etablierung auf dem Markt ein bedeutsamer Preisrückgang der Technologie eingetreten. Laut des Bundesverbands Solarwirtschaft sind die Preise für Photovoltaik-Anlagen in den vergangenen zehn Jahren um fast 75 Prozent zurückgegangen. Somit wird die Anschaffung einer Anlage zunehmend auch ohne staatliche Zuschüsse attraktiver. Dies scheint sich auch in den Zahlen des europäischen Verbands „Solarpower Europe“ widerzuspiegeln. Laut diesen wurden im Jahr 2018 in den europäischen Ländern Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung in Höhe von etwa 8,6 Gigawatt neu installiert worden, was im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung in Höhe von 28 Prozent bedeutet. Das Marktforschungsunternehmen „Energytrend“ schätzt den Weltmarkt für die Anlagen für Ende 2017 erstmals auf über 100 Gigawatt. Auch in diesem Fall liegt eine Steigerung in Höhe von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr vor. Fast die Hälfte der neuen Anlagen entfielen dabei auf den wichtigen Markt China. Auch wenn, nach einer Bekanntmachung der chinesischen Entwicklungs-, Finanz- und Energiebehörden, in der nahen Zukunft von einer Verlangsamung des Ausbaus der Marktsegmente für dezentrale Anlagen sowie für Photovoltaik-Kraftwerke auszugehen ist, könnte der Markt hier dennoch weiterhin wachsen, da der private Sektor hierdurch nicht beeinflusst wird. Eine weitere Entwicklung, welche den Absatz von Photovoltaik-Anlagen in den kommenden Jahren beschleunigen könnte, ist die zunehmende Verbreitung von Speicheranlagen, welche es den Besitzern von Heimanlagen ermöglichen, eine höhere Eigenverbrauchsquote zu erreichen, wodurch die Anlagen rentabler genutzt werden können. Laut einer Studie der Gesellschaft „GTM Research“ soll sich der globale Markt für Energiespeicher von heute 1,4 Gigawatt bis zum Jahr 2022 auf mehr als 8,5 Gigawatt erhöhen. Ein für Anleger interessantes Investment-Feld stellen angesichts dieser Entwicklungen im Photovoltaik-Sektor beispielsweise die Produzenten von Wechselrichtern dar, welche eines der zentralen Elemente einer solchen Anlage liefern.

SolarEdge Tech (US83417M1045)

SolarEdge Technologies ist ein israelisches Unternehmen, das mit Spezialisierung auf Photovoltaik-Anlagen im Jahr 2006 gegründet wurde. Mittlerweile besitzt SolarEdge darüber hinaus auch Zweigstellen in den USA, Deutschland sowie Japan. Neben der Produktion von Wechselrichtern hat sich das Unternehmen zudem auf Leistungsoptimierer, die die Ausgangsleistung der einzelnen Module optimiert sowie Monitoring-Softwareanwendungen spezialisiert. Zu Beginn des Jahres präsentierte SolarEdge eine neue Produktgruppe, mit Hilfe derer man von einem weiteren Zukunftstrend profitieren möchte. Konkret handelt es sich hierbei um einen Wechselrichter mit integrierter Ladefunktion für Elektroautos. Dieser soll im Falle der Verfügbarkeit von Photovoltaik-Stroms mittels eines „Solar-Boost“-Modus mit PV-Strom und Netzstrom gleichzeitig operieren und auf diese Weise mit bis zu 9,2 kW laden können. Ein solches Konzept ist bisher einzigartig und könnte für SolarEdge zukünftig wichtig werden, da es nicht nur ein weiteres Argument für die Neuanschaffungen von Solaranlagen liefern, sondern auch gezielt die Nachfrage nach weiteren SolarEdge-Komponenten steigern könnte. Einen weiteren positiven Faktor stellt die bereits hohe Verbreitung der Produkte des Unternehmens dar. Digitalisierungsentwicklungen erreichen zunehmend auch die Produzenten von Photovoltaik-Anlagen. In diesem Zusammenhang könnte es sich für SolarEdge als Vorteil erweisen, dass man neben der Produktion der Wechselrichter auch eigene Software-Anwendungen entwickelt. Während die Rendite neuer digitaler Geschäftsmodelle rund um Sachverhalte wie Energiemanagement, -steuerung und -monitoring noch unklar ist, könnte die gegebene Praxiserfahrung mit den Geräten sowie die Verfügbarkeit der Daten der bereits installierten Geräte einen Vorteil bieten. Auch den Start ins aktuelle Geschäftsjahr könnte man als gelungen bezeichnen. Der Umsatz konnte im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 82 Prozent gesteigert werden. Lag er 2017 noch bei etwa 115 Millionen US-Dollar, so betrug der Gesamtumsatz in den ersten Monaten des Jahres 2018 knapp 210 Millionen US-Dollar. Der Reingewinn konnte gar um 152 Prozent von 14,2 Millionen US-Dollar auf 35,7 Millionen US-Dollar gesteigert werden.

SMA Solar Technology AG (DE000A0DJ6J9)

Einer der größten Konkurrenten von SolarEdge ist das deutsche Unternehmen SMA Solar Technology. Das 1981 gegründete Unternehmen konzentriert sich ebenfalls auf die Produktion von Wechselrichtern und besitzt Niederlassungen in mehr als 20 Ländern. Auch SMA Solar hat den Trend zur Digitalisierung entdeckt und gründete Anfang des Jahres mit der „coneva GmbH“ eine Tochtergesellschaft zur Entwicklung von digitalen Energielösungen, mit welchen man zukünftig vor allem Stadtwerke, Telekommunikationsanbieter oder auch Wohnungsbaugesellschaften bedienen möchte. Somit möchte auch SMA Solar sein Dienstleistungsportfolio erweitern und besitzt hierbei durch die Produktion und Installation der eigenen Geräte, ähnlich wie SolarEdge, eine gute Ausgangsposition. Ein Beispiel für eine solche neue Dienstleistung wäre die Beratung von Unternehmen hinsichtlich ihrer Energienutzung, um durch Optimierung von Nutzung und Eigengenerierung Kosten zu senken. In diesem Zusammenhang soll noch im laufenden Jahr ein Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit einer Supermarkt-Kette starten. Mit 182,5 Millionen Euro Umsatz verzeichnete SMA Solar zufriedenstellende Ergebnisse im ersten Quartal 2018, im Vergleich zum Vorjahr konnte dieser Wert um 5 Prozent gesteigert werden. Die Gesamtleistung der abgesetzten Wechselrichter wurde dabei auf 1,8 Gigawatt beziffert. Bilanztechnisch positiv hervorzuheben ist zudem die Eigenkapitalquote in Höhe von 50,1 Prozent. Auch die Auftragslage für die zweite Jahreshälfte ist laut der Konzernleitung vielversprechend, sodass man derzeit im Unternehmen von einer Erreichung der Jahresziele bezüglich des Umsatzes und des Konzernergebnisses ausgeht. Sowohl für SMA Solar, als auch für SolarEdge liegen die größten Potenziale im Ausbau ihres Dienstleistungsangebotes. Während die sinkenden Preise für Wechselrichter die Verbreitung von Photovoltaik-Anlagen beschleunigen, dürfte stetiges Wachstum für beide Unternehmen nur durch die Erschließung digitaler Geschäftsfelder möglich sein. Andernfalls könnte der steigende Preisdruck innerhalb der Branche die Profitabilität langfristig beeinträchtigen. Beiden Werten gemein ist zudem ihre starke Fokussierung auf den Bau von Photovoltaik-Anlagen. Hierdurch werden beide Unternehmen anfälliger für Kursschwankungen, beispielsweise durch Förderungsmaßnahmen von Regierungsseite. Für Investoren mit einem Interesse an dieser Thematik könnten SMA Solar und SolarEdge aber einen näheren Blick Wert sein.


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