Analyse Aktien Weltraum

Neue Wachstumsmöglichkeiten in Luft- und Raumfahrt

Ein Beitrag von stock_watcher 4 27.05.2014

Wie es auch bei der Luftfahrt war, so war auch der Weltraum zunächst nur für Abendteurer ein attraktives Ziel. Schliesslich kamen Wissenschaftler, um aus den neuen Eroberungen nutzen für die Menschheit zu ziehen. Dies alles, war nur durch finanzstarke Unterstützung möglich. Renditeversprechend war dieser Ort noch nicht im erhofftem Umfang. Die Branche hatte eher die Wirkung eines Schwarzen Loches auf Investitionen. Durch die umfassendere Beteiligung des privaten Sektors, scheint sich langsam ein Umbruch anzubahnen.
 
Airbus Group NV
 
 
Alliant Techsystems Inc
 
 
Boeing Co
 

Dass die größten Hersteller von Raumfahrttechnologie alle ebenfalls in der Rüstungsbranche ein festes Standbein haben ist kein Zufall. Umso unwahrscheinlicher scheint es, dass ausgerechnet in diesen zwei Branchen, die so stark von öffentlichen Aufträgen abhängen und somit als relativ krisensicher gelten, Arbeitsplätze gestrichen werden. Jedoch genau dies hat EADS gerade hinter sich gebracht. 

Die im Dezember 2013 angekündigte Zusammenlegung der Rüstungs- und Raumfahrtssparte wird nun abgeschlossen und wird rund 5800 Stellen gekostet haben. Einen Großteil dieser sind Beschäftigte in den deutschen Niederlassungen zum Opfer gefallen. Die Motive für die Umbaumaßnahmen sind nicht ausführlich erklärt worden und so war das Verständnis bei den Betroffenen entsprechend gering. 

Die IG Metall mutmaßt, dass allein der Wunsch nach höheren Renditen der Grund dafür gewesen sei. Unbegründet scheint dieser Einwand nicht zu sein. Vor kurzem erst meldete der Bundesverband für deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie einen jährlichen Umsatz von 30,6 Mrd €. 

Prognosen sagen ein stetiges Wachstum der Branche hervor, zunächst heißt es aber sich gegen die Konkurrenz aus den USA zu behaupten. 

In Zeiten, wo selbst die größte Volkswirtschaft der Welt und Raumfahrtnation Einsparungen bei ihrer zuständigen Behörde NASA Budgetkürzungen durchführen muss, sind es jedoch nicht mehr die öffentlichen oder gewerblichen Projekte, die für den notwendigen Umbruch und Fortschritt sorgen, sondern die visionären Unternehmen, meist exzentrischer Milliardäre, die aus Fiktion Studien anfertigen liessen und schließlich, gar vorzeigbare Erfolge feiern konnten. 

Elon Musk mit seinem Unternehmen Space X und der Falcon 9, die zukünftig die Versorgung der ISS übernehmen soll, oder Richard Branson und sein Virgin Imperium, welches seit letztem Jahr kommerzielle Flüge in den Orbit anbietet. Sie mögen Pioniere sein und der Menschheit neue Möglichkeiten präsentieren können, jedoch sind dies eher Prestige Projekte als ernstzunehmende Konkurrenz für die etablierten multinationalen Konzerne der Branche.

Der Weltraum wird in den nächsten Jahrzehnten zu einem Ort des Massentourismus. Investoren geben sich größte Mühe sich gegenseitig in ihren waghalsigen Visionen zu übertrumpfen. Das Geld, welches noch wie Sand im Boden versinkt, soll durch tausende zahlungskräftiger Kunden in einigen Jahren wieder reinkommen, so hofft man. Von Hotels im Orbit, bis zu einem Panoramaflug um den Mond, wer zahlen kann, wird zukünftig Aussichten geniessen können, die bislang nur Wissenschaftlern vorbehalten waren. 

Die Kompetenz ein Raumfahrtprogramm aufzuziehen, hätte die Industrie ohne Frage, nur liegt es nicht in ihrem Interesse, Anstrengungen dahingehend zu unternehmen. Die Nachfrage nach Informations- und  Kommunikationssystemen ist zivil nie so hoch gewesen und auch militärisch ist der Bedarf an Überwachungstechnologie seit den 70ern und 80ern auf einem neuen Hoch.

Aktuell heben rund 70 Raketen jährlich von unserem Planeten ab, von denen jeder einzelne Start zwischen 100 und 350Mio. US-$ kostet. Zu Zeiten des Kalten Krieges, dem Wettlauf ums All und dem Beginn von Satellitenspionage war diese Zahl gar höher. 

Die ESA hofft mit der neu Entwickelten Ariane 5 von Alliant Techsystems Inc (US0188041042) die Kosten um 44% zu senken und zukünftig, Raketenstarts zu einer fast alltäglichen Routine werden zu lassen. 

Immer schnelleres Internet, punkt- präzises GPS oder Augen die aus hunderten Kilometern Höhe, Objekte von der Größe einer Münze identifizieren können, der Ausbau der Infrastruktur im Weltraum geht in atemberaubendem Tempo voran.

Seit der Eroberung des Weltraums in den 60 Jahren, hat die Anzahl von Menschenhand geschaffener Objekte in der Umlaufbahn unserer Erde exponentiell zugenommen und begonnen sich zu einem Problem zu entwickeln. Es befinden sich schätzungsweise 1000 aktive Satelliten im Orbit, hinzukommen tausende Trümmerteile und Fragmente von vergangen Missionen, insgesamt wird das Gewicht auf 700.000 Tonnen geschätzt. An Ideen dieses Problem zu beheben mangelt es nicht, von riesigen Segeln bis zu Magneten wurde jede Theorie auf der im Frühjahr stattgefundenen sechsten Europäischen Weltraumschrott-Konferenz diskutiert. In dieser Hinsicht ist ein garantiertes Wachstum zu erwarten, denn es besteht eine dringende Handlungsnotwendigkeit. 

Zu bestaunen war dieser Umstand auf der vor kurzem in Berlin stattgefunden ILA. 1250 Aussteller zeigten ihre neuesten Entwicklungen in der Luftfahrt den Fach- und Privatbesuchern. Hier drehte sich der Kernbereich um den militärischen Teil der Messe, welcher von einem Aussteller dominiert wurde, der Bundeswehr. Trotz ihrer jüngst von Pleiten, Pech und Pannen gebeutelten Vergangenheit, präsentierten sie hier stolz ihr Arsenal von Kampfflugzeugen bis Drohnen. 

Auffällig, die beiden größten Rüstungskonzerne der Welt, EADS Airbus Group NV (NL0000235190) (Airbus) und BDS Boeing Co (US0970231058) (Boeing), scheinen sich bei den Exponaten die Waage zu halten. Man hat seine Märkte abgesteckt und Stammkunden gewonnen. Die Amerikaner mit den diversen F- Modellen von Boeing und die Europäer mit z.B. dem Eurofighter und dem Typhoon Kampfflugzeug. Dass das Geschäft mit den Rüstungsgütern einen entscheidenden Teil ihres Umsatzes ausmacht, bei Boeing 31 Mrd. US-$ und 45% und bei Airbus 15 Mrd. US-$ mit ebenfalls 45%, ist schließlich nicht mehr ganz so überraschend.   


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