Analyse Aktien Windenergie

Windenergie – Drohende Subventionskürzungen als Problem?

Ein Beitrag von tzimmer 17 02.03.2017

Erneuerbare Energiequellen boten Kritikern in ihrer Anfangszeit aufgrund ihrer geringen Effizienz und dem hohen Subventionsbedarf Angriffsflächen. Moderne Windkraftanlagen operieren mittlerweile sehr viel effizienter und die Bedeutung des Themenfeldes ist seither enorm gestiegen. Lohnt ein Investment hinsichtlich weiterer Wachstumschancen?
 
Vestas Wind Systems A/S
 

Neben vielen weiteren Schlagzeilen innerhalb des ersten Amtsmonats des neuen US-Präsidenten Donald Trump rücken für Anleger auch dessen Wahlversprechungen und Programmpunkte zunehmend in den Blickpunkt. Die Ankündigung Donald Trumps, die staatlichen Subventionen für erneuerbare Energien einzuschränken oder gar abzuschaffen, haben die Aufmerksamkeit vieler Investoren wieder auf das Thema erneuerbare Energien gerichtet. Könnte es durch diese Politik der gekürzten Subventionen zu Problemen innerhalb dieses Sektors kommen, in dem über lange Zeit Wachstum nur durch finanzielle Unterstützung möglich war? Der langfristige Ausblick der Branche wird von Experten als positiv eingeschätzt. Laut einer Bloomberg-Studie aus dem Jahr 2016 sollen im Jahr 2040 weltweit 60 Prozent aller Energiekapazitäten aus erneuerbaren Energiequellen generiert werden. Besonders die Bereiche Wind- und Solarenergie lassen auf Wachstumspotenzial hoffen. In den nächsten 25 Jahren sollen laut der Studie 64 Prozent der weltweit neu aufgebauten alternativen Energiekapazitäten mit einer Leistung von 8,6 Terawattstunden aus Wind- oder Sonnenkraft bestehen. In diesem Zusammenhang sollen etwa 60 Prozent der Gesamtinvestitionen in Höhe von 11,4 Billionen Dollar auf diese Energieformen entfallen. Die wichtigste alternative Energiequelle stellt momentan die Windenergie dar. Von den 194 Milliarden Kilowattstunden Strom, welche durch erneuerbare Energiequellen in Deutschland im Jahr 2015 erzeugt wurden, entfielen 86 Milliarden Kilowattstunden auf die Windkraft. Neben etablierten Namen wie Siemens oder General Electric erweckte auch ein noch junges chinesisches Unternehmen namens Goldwind im Verlauf der vergangenen Jahre das zunehmende Interesse der Anleger. Zuletzt konnte auch die dänische Gesellschaft Vestas nach einer schweren Krise zu Beginn dieser Dekade wieder äußerst positive Geschäftszahlen vermelden. Lohnt sich für Investoren ein Blick auf Goldwind und Vestas?

Das dänische Unternehmen Vestas Wind Systems (Vestas Wind Systems A/S (DK0010268606)), welches im Jahr 1945 gegründet wurde, hat seinen Sitz in Aarhus und beschäftigt weltweit etwa 22.000 Personen. Ende des Geschäftsjahres 2016 konnte der Vorstand der Gesellschaft ein sehr positives Fazit ziehen. Der Umsatz des Unternehmens betrug im vergangenen Jahr 10,2 Mrd. Euro, was eine Steigerung in Höhe von 21 Prozent bedeutete. 





Der Gewinn konnte sogar um 41 Prozent gesteigert werden und belief sich auf 965 Mio. Euro. Hauptsächlich dürfte sich für diese Zahlen das gestiegene Auftragsvolumen von 9,5 Mrd. Euro verantwortlich zeichnen. Auch hier lag eine Steigerung in Höhe von 15 Prozent vor. Noch vor wenigen Jahren befand sich das Unternehmen dabei in einer schweren Krise. Gekürzte Subventionen in einigen wichtigen Märkten sowie sinkende Verkaufspreise der Anlagen führten kumuliert über einige Jahre zu einem Schuldenstand von etwa 500 Mo. Euro. Dies hatte tiefgehende Umstrukturierungen der Gesellschaft zur Folge, welche auch einen Stellenabbau von etwa 300 Beschäftigten umfasste. Die Maßnahmen zeigten Wirkung, mit einer EBIT-Marge in Höhe von 13,4 Prozent operierte Vestas im vergangenen Jahr profitabler als viele Konkurrenten. Neben der Profitabilität kann man auch das technische Know-How sowie den großen Erfahrungsschatz innerhalb der Branche als Stärken der Gesellschaft nennen. Vestas stieg bereits in den 1970er-Jahren in den Markt für Windkraftanlagen ein. Nachholbedarf besteht für das Unternehmen vor allem auf dem amerikanischen Markt. In diesem Zusammenhang sind die Ankündigungen Trumps besonders problematisch. Geringere Subventionen könnten das Marktwachstum im Bereich der erneuerbaren Energien in den USA einbremsen und somit auch für Vestas weiteres Wachstum verhindern. Auch der Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft, Anders Runevad, sieht das Wachstumspotenzial für 2017 eingeschränkt und kündigte für das laufende Jahr eine Verlangsamung des Marktwachstums an, welchem sich auch sich auch Vestas nicht entziehen könne.

Einer der Gründe für die geringe Profitabilität der etablierten Anbieter vor einigen Jahren war der Marktstieg chinesischer Produzenten. Eines der vielversprechendsten Unternehmen scheint in diesem Zusammenhang Xinjiang Goldwind Science & Technology (CNE100000PP1) zu sein. Die erst 1998 gegründete Gesellschaft mit Sitz in Urumqi beschäftigt mittlerweile rund 5000 Arbeitnehmer. Goldwind legte seit Gründung ein rasantes Wachstum hin gilt heute als einer der weltweit größten Produzenten von Windturbinen, gemessen an den Geräteinstallationen. Ende des Jahres 2016 stand das Unternehmen im medialen Fokus, als es eine Kooperation mit Apple verkündete. Als Kooperationspartner von Apple wird Goldwind künftig Apple-Produktionspartner in China mit erneuerbarer Energie versorgen. Das langfristige Ziel der Zusammenarbeit sieht dabei weltweit den kompletten Betrieb sämtlicher Produktionsstandorte von Apple-Geräten mit erneuerbarer Energie vor. Für die mittel- und langfristige Zukunft des Unternehmens könnte auch der Kernmarkt China eine wichtige Rolle spielen. In Bereich des Umweltschutzes und der erneuerbaren Energien dürfte in China noch ein großes Marktwachstumspotenzial geben, von dem auch Goldwind profitieren könnte, nachdem das Unternehmen einen Großteil seines Wachstums bisher auf dem Weltmarkt verzeichnet hat. Das gleichzeitig stetig steigende Lohnniveau China könnte sich allerdings auch als Wachstumsbremse herausstellen. Die Auswirkungen des aufgrund des starken Wachstums nach wie vor hohen Personalbedarfs muss man als Investor daher ebenfalls im Blick behalten.

Zur kurzfristigen Renditejagd dürften sich die Aktien von Vestas und Goldwind momentan nicht eignen. Laut Experteneinschätzungen wird der Markt das enorme Wachstum der vergangenen drei Jahre in dieser Geschwindigkeit nicht halten können. In diesem Zusammenhang könnte auch die politische Unsicherheit hinsichtlich von Subventionskürzungen in den USA, einem der wichtigsten Märkte der Branche, in der nahen Zukunft noch eine Rolle spielen. Mittel- und langfristig könnte ein Investment jedoch durchaus sinnvoll sein, da die Branche ihren Wachstumskurs aufgrund stetig sinkender Anlagenkosten sowie der großen Präsenz des Themas Umweltschutz im gesellschaftlichen und politischen Diskurs fortführen könnte. Für Vestas könnte sich in diesem Fall vor allem die hohe Profitabilität des Unternehmens positiv auswirken. Im Falle von Goldwind könnte eine steigende Bedeutung des Themas Umweltschutz auf dem Heimatmarkt für Wachstumspotenziale sorgen.


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