Analyse Aktien Windenergie

Windenergie: Wie sind deutsche Produzenten positioniert?

Ein Beitrag von tzimmer 16 28.10 - 12:41

Der Windenergie kommt eine zentrale Bedeutung im Rahmen der Energiewende zu. Doch während die Kapazitäten global in den vergangenen Jahren weiter stark zulegen konnten, stürzte der deutsche Markt im vergangenen Jahr in eine Krise. Können sich die deutschen Konzerne trotz der widrigen Umstände behaupten und wachsen?
 
Energiekontor AG
 
 
Nordex SE
 
 
CAPITAL STAGE AG (WKN 609500...
 

Im Hinblick auf die Erreichung der Klimaziele der deutschen Bundesregierung soll der Windenergie eine zentrale Rolle zukommen. Doch ausgerechnet im Jahr, in dem die öffentlichen Debatten und die Präsenz des Themas im Alltag ihren Höhepunkt erreichten und die Bundesregierung dazu bewogen, ein neues Klimaschutzpaket zu verabschieden, befindet sich der Sektor hierzulande in einer Krise. Im ersten Halbjahr 2019 wurden deutschlandweit lediglich 35 neue Windkraftanlagen errichtet, so wenige wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Insolvenzen und Stellenverluste nahmen in dieser Branche in den vergangenen Jahren stark zu. Seit einer Umstellung der Vergabe von Fördergeldern im Jahr 2017 ist die Förderungsquote stark zurückgegangen, vereinzelt konnten Unternehmen gar keine Zuschläge mehr verzeichnen. Dieser Genehmigungsstau ist einer der Hauptgründe für die derzeitige Situation der Produzenten. Auch die Bundesregierung hat dies erkannt und versuchte, mit einem Beschluss zur Aufstockung der Fördergeld-Auktionen im November 2018 gegenzusteuern. Auf die Planungen des laufenden Jahres konnte diese Maßnahme jedoch keinen Einfluss mehr nehmen. Es bleibt in diesem Zusammenhang zu hoffen, dass diese Ausweitung die Fördersituation entspannt und der Bau der Anlagen wieder an Dynamik gewinnen kann. Der Wille zum Ausbau der Windenergie scheint grundsätzlich weiterhin vorhanden zu sein. So erhöhte das Land Niedersachsen vergangene Woche das eigene Ziel zum Ausbau der auf See gelegenen Windparks auf eine Gesamtleistung von 20 Gigawatt bis zum Jahr 2030. Zuvor hatte man hier lediglich eine Leistung von 15 Gigawatt als Ziel angegeben. Laut der Bundesregierung soll der Anteil des gedeckten Strombedarfs im Jahr 2030 zu 65 Prozent aus Windenergie gewonnen werden, derzeit liegt man hier bei einer Quote von 40 Prozent. Auf dem heimischen Markt stellte sich die Situation für die deutschen Produzenten in den vergangenen Jahren als herausfordernd dar. Global betrachtet war das Bild aus Produzentensicht dagegen positiver. Laut Daten des „Global Wind Energy Council“ wurden auch im vergangenen Jahr weltweit wieder mehr als 50 Gigawatt neu installiert. Rückgänge in Deutschland, England und Indien wurden hierbei von Zuwächsen in Nordamerika, dem Mittleren Osten sowie in Lateinamerika kompensiert. Des Weiteren prognostiziert die Studie für das Jahr 2022 ein Anwachsen der global installierten Kapazität auf 840 Gigawatt. Im Jahr 2017 lag diese noch bei 540 Gigawatt, über den Prognosezeitraum entspräche diese Entwicklung einer jährlichen Wachstumsrate der Kapazität von knapp 9 Prozent. Daher könnte sich ein Blick auf die deutschen Hersteller und Windparkbetreiber für Anleger trotz der nicht optimalen Gegebenheiten auf dem Heimatmarkt dennoch lohnen.

Nordex SE (DE000A0D6554)

Die Nordex SE hat ihren Sitz in Rostock und fertigt, installiert und wartet Windkraftanlagen, beteiligt sich zudem an Planung und Bau von Windparks. Das 1985 gegründete Unternehmen konzentriert sich dabei auf Landanlagen, im Offshore-Bereich ist man nicht tätig. Im Geschäftsjahr 2018 lag der Gesamtumsatz des Konzerns bei 2,46 Milliarden Euro, das EBITDA belief sich auf 101,7 Millionen Euro. Diese Ergebnisse lagen weit unter den Vorjahreszahlen. Der Umsatz ging um etwa 20 Prozent zurück, das EBITDA halbierte sich im Vergleich zu 2017. Die Jahresergebnisse stimmten jedoch in beiden Fällen mit den Prognosen des Managements für das Geschäftsjahr überein. Nach dem Rekordjahr 2017 beachtete die Unternehmensführung im Rahmen der Zielsetzung für 2018 die Probleme auf dem heimischen Markt. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang der positive Free Cashflow im Jahr 2018 von 44 Millionen Euro, welcher im Vorjahr noch bei -54,7 Millionen Euro gelegen hatte. Für das laufende Geschäftsjahr möchte Nordex die Rekorde des Jahres 2017 angreifen und kann sich in diesem Kontext über gut gefüllte Auftragsbücher freuen. Startete man 2018 noch mit einem Auftragsbestand in Höhe von 1,7 Milliarden Euro, so konnte das aktuelle Jahr mit einem Auftragsvolumen von 3,9 Milliarden Euro gestartet werden. Hieraus resultiert die Prognose eines Umsatzvolumens zwischen 3,2 und 3,5 Milliarden Euro sowie einer EBIT-Marge zwischen 3,0 und 5,0 Prozent. Das erste Halbjahr 2019 entwickelte sich wie vom Management erwartet. Die Umsätze beliefen sich auf knapp 991 Millionen Euro, das EBITDA lag bei rund 17 Millionen Euro, die EBIT-Marge betrug 1,7 Prozent. An den Zielsetzungen für das aktuelle Jahr wurde festgehalten, da die Installationszeitpläne der Kunden primär Installationsarbeiten im zweiten Halbjahr vorsehen. Infolgedessen rechnet Nordex mit einem deutlichen Umsatzzuwachs den beiden letzten Quartalen des Jahres. Darüber hinaus verzeichnet das Unternehmen auch weiterhin einen starken Auftragseingang. Die Gesamtleistung der Neuaufträge entsprach rund 3 Gigawatt, im Vorjahreszeitraum hatte diese Summe im ersten Halbjahr noch bei 2,1 Gigawatt gelegen. Insgesamt beträgt der Auftragsbestand derzeit mehr als 7 Milliarden Euro. Zusätzlichen Auftrieb konnte die Aktie in den kommenden Monaten durch Übernahmeaktivitäten des spanischen Großaktionärs Acciona erhalten. Nachdem Acciona seinen Anteil an Nordex auf 36,3 Prozent erhöht hatte, wurde das spanische Unternehmen durch das deutsche Übernahmerecht dazu verpflichtet, ein Übernahmeangebot für Nordex abzugeben. Dieses Angebot belief sich letztlich auf 10,32 Euro und entsprach somit dem gesetzlich zulässigen Mindestgebot. Hieraus lässt sich ableiten, dass Acciona es derzeit nicht auf eine vollständige Übernahme abgesehen hat, bei anhaltend guter Geschäftslage wären in Zukunft jedoch auch weitere Zukäufe denkbar.

Energiekontor AG (DE0005313506)

Eine Alternative zu Nordex könnte die Energiekontor AG darstellen. Auch diese Gesellschaft ist im Norden Deutschlands, in Bremen, ansässig. Neben den Engagements im Bereich der Windenergie betreibt Energiekontor, im Gegensatz zu Nordex, auch Solarparks. Hauptsächlich betätigt sich das Unternehmen innerhalb Europas, erst seit Kurzem ist man auch in Nordamerika operativ tätig. Die Diversifizierung über mehrere erneuerbare Energien könnte den Wert für risikoaverse Investoren interessant machen, da es Energiekontor weniger anfällig für nachfrageseitige oder gesetzliche Veränderungen der Rahmenbedingungen werden lässt. Auch für die Energiekontor AG erwies sich das Jahr 2018 als Übergangsjahr. Vor Steuern lag das Jahresergebnis bei 9,6 Millionen Euro, während dieses im Vorjahr noch bei 16,7 Millionen Euro gelegen hatte. Beim Umsatz stellte sich die Situation ähnlich dar, hier konnte man mit einem Wert von rund 110 Millionen Euro nicht an das Vorjahresergebnis anknüpfen, welches sich auf knapp 150 Millionen Euro belaufen hatte. Wie im Falle von Nordex auch, hatte das Management diese Entwicklungen jedoch antizipiert, sodass sich die Ergebnisse im Rahmen der erwarteten Größenordnungen bewegten. Nach Steuern konnte man auch in diesem suboptimal verlaufenen Geschäftsjahr einen Gewinn in Höhe von 6,6 Millionen Euro realisieren. Im laufenden Jahr könnte man die Geschäftsentwicklung als vergleichbar bezeichnen. EBT und Ergebnis pro Aktie liegen mit jeweils 4,7 Millionen beziehungsweise 0,23 Euro auf gleichem Niveau. Das Management betrachtet auch das Jahr 2019 noch als Übergangsjahr. Erst im kommenden Jahr soll Potenzial für Zuwächse frei werden, primär bedingt durch verbesserte Rahmenbedingungen sowie Effekte der Diversifikation in internationale Märkte. In den vergangenen Jahren konnte Energiekontor die Wirtschaftlichkeit seiner Anlagen deutlich verbessern und bewegt sich in diesem Zusammenhang mittlerweile annährend auf einem Niveau, bei dem sich künftig Projekte auch ohne staatliche Zuschüsse realisieren lassen könnten. Dies könnte durch den Abschluss langfristiger Energieabnahmeverträge mit Kunden ermöglicht werden. Einen solchen Vertrag schloss Energiekontor kürzlich mit dem Versorger EnBW ab. Dieses PPA (Power Purchase Agreement) besitzt eine Laufzeit von 15 Jahren und schafft der Energiekontor AG somit langfristige Planungssicherheit. Zwar bezieht sich dieser Vertrag auf die Planung und den Bau eines Solarparks, künftig zielt Energiekontor aber verstärkt auf den Abschluss ähnlicher Kontrakte im Zusammenhang mit seinen Windparks. Auf dem deutschen Markt konnte man im ersten Halbjahr 2019 bereits zwei solcher Geschäfte für Windenergieparks abschließen. In Großbritannien hatte man zuvor bereits einen Windpark auf Basis eines PPA errichtet. Sofern sich die ersten PPA-Projekte des Unternehmens mittel- und langfristig als rentabel erweisen, könnte für die Energiekontor AG weiteres Kurspotenzial nach oben frei werden.

CAPITAL STAGE AG (WKN 609500) (DE0006095003)

Die Encavis AG hat ihren Sitz in Hamburg. Diese Gesellschaft entstand im Jahr 2017 durch die Fusion der Unternehmen Capital Stage und Chorus Clean Energy und beschäftigt sich mit Investitionen in Wind- und Solarparks. Diese betreut man im Anschluss im operativen Geschäft. Der Fokus liegt hierbei auf bereits realisierten Projekten, Encavis betreut keine Planungs- oder Bauprozesse. Das Portfolio der Gesellschaft umfasst aktuell 175 Solaranlagen sowie 69 Windparks, welche sich allesamt an Land befinden, Off-Shore-Anlagen betreibt Encavis derzeit nicht. Die Anlagen des Unternehmens erstrecken sich über diverse europäische Länder und erreichen eine Gesamtkapazität von etwa 2 Gigawatt. Während viele Produzenten von Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien in den vergangenen Jahren mit stetig sinkenden Preisen zu kämpfen hatten, worunter die Profitabilität litt, erwies sich diese Situation für das Geschäftsmodell der Encavis AG als positiv und steigerte die Rentabilität des Geschäfts. Auch für Encavis rücken langfristige Abnahmevereinbarungen so in den Bereich des Möglichen. Diese Umstände zeigen sich auch in der Geschäftsentwicklung im aktuellen Jahr. Das erste Halbjahr schloss Encavis mit einem Umsatzplus von 17 Prozent ab, während man beim operativen Gewinn, vor Abschreibungen, gar um knapp 30 Prozent zulegen konnte. Abermals wurde die Umsatzprognose für das laufende Jahr nach oben korrigiert. Für das Gesamtjahr sollen die Umsätze nun zwischen 260 und 270 Millionen Euro liegen. Im Vorjahr betrug der Gesamtumsatz noch 249 Millionen Euro. Durch den positiven Geschäftsverlauf zieht Encavis auch weiterhin Investorengelder an. Kürzlich konnte die Unternehmensführung eine Vereinbarung mit institutionellen Investoren über eine Summe in Höhe von 180 Millionen Euro bekannt geben. Hierbei handelt es sich um Eigenkapitalzusagen, welche ein Investitionsvolumen von 500 Millionen Euro ermöglichen, die für eine Erweiterung des bestehenden Anlageportfolios auf dem europäischen Kontinent eingesetzt werden sollen.


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