Analyse Aktien Windenergie

Windkraft – kalte Brise oder warmer Aufwind?

Ein Beitrag von R_Tarkovsky 23 08.12.2013

Was wird es denn nun für die Anleger werden? Ein laues Lüftchen, eine kalte Briese oder doch ein warmer Aufwind? Eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) soll eines der großen Projekte von Schwarz-Rot werden. Ob dabei der Ausbau der erneuerbaren Energien zum Erliegen kommt, das ist noch offen. Union und SPD wollen die Förderpolitik der erneuerbaren Energien einschneidend reformieren, das zumindest haben Verhandlungsführer Hannelore Kraft (SPD) und Peter Altmaier (CDU) schon bekannt gegeben.
 
General Electric Co
 
 
Gamesa Corporacion Tecnologic...
 
 
Vestas Wind Systems A/S
 
 
Siemens AG
 
 
Nordex SE
 

In der Zukunft soll es für Ökostromprojekte verbindliche Ausbaukorridore geben, eine quasi Überförderung der Windkraftgewinnung müsse abgebaut werden. Das klingt erst mal nach einem frostigen Klima für Anleger.


Vor allem die Förderung für Windstrom soll deutlich gekappt werden, um die Energiewende dadurch kostengünstiger zu gestalten. Die Große Koalition hat nun also konkrete Zahlen für den Ausbau erneuerbarer Energien vorgelegt. Bis zum Jahr 2025 sollen der Anteil erneuerbarer Energien an der Energieversorgung insgesamt auf 40 bis 45 Prozent ausgebaut werden, und bis zum Jahr 2035 auf 55 bis 60 Prozent. Das eigentliche Ziel der SPD, bis zum Jahr 2030 einen Anteil von 75 Prozent zu erreichen, ist somit hinfällig. Das Ausbauziel für die Windparks vor den deutschen Küsten, also Offshore Anlagen soll bis 2020 von 10 000 auf 6500 Megawatt gedrosselt werden. Bis 2030 soll der Ertrag von 25 000 auf 15 000 gesenkt werden, wie die Arbeitsgruppe Energie nun beschlossen hat. Generell befürchtet vor allem der Süden Deutschlands beim Thema Windkraft das Schlusslicht zu werden. Baden-Württemberg bangt um die Konzentration der Windkraft, denn Niedersachsen und Brandenburg liegen ganz vorn. Die einzelnen Bundesländer hätten im Rahmen des Netzausbaus 90 Gigawatt Windkraftkapazität bis 2024 angemeldet. Dabei seien gerade ostdeutsche Länder und Niedersachsen bei der Erreichung ihrer Ziele auf gutem Weg. Für die Windkraft vor den deutschen Küsten soll es allerding etwas länger eine höhere Anfangsförderung geben. Um zwei Jahre verlängert sich das sogenannte „Stauchungsmodell“, das zum Ende 2017 auslaufen könnte. Somit erhalten die Betreiber von Offshore-Windanlagen acht Jahre lang eine garantierte Einspeisevergütung von 19 Cent je Kilowattstunde. Die normale Vergütung beträgt 15 Cent und läuft dafür über zwölf Jahre.


Was ist reizvoll für den Anleger – Offshore oder Onshore?


Generell zeigte sich, dass an sehr guten Standorten Onshore-Windenergieanlagen zu geringeren Kosten als Steinkohle-, Gas- oder Dampfkraftwerke Strom erzeugen können. Die Stromgestehungskosten für Onshore-Windenergie liegen gegenwärtig zwischen 0,05 und 0,11 Euro/kWh. Dagegen verzeichnen Offshore-Windenergieanlagen trotz höherer Volllaststundenzahl mit 0,12 bis 0,19 Euro/kWh deutlich höhere Stromgestehungskosten. Aber es besteht bei der Offshore-Technologie noch erhebliches Potenzial zur Kostensenkung, wohingegen dieses bei Onshore-Windenergieanlagen nahezu ausgereizt ist. Im Vergleich der erneuerbaren Energien untereinander hat eine Studie des Fraunhofer Instituts gezeigt, dass zurzeit die Kosten von Onshore-Windanlagen zukünftig deutlich unter 0,10 Euro/kWh liegen und damit klar vor den anderen Technologien rangieren. Aber auch Offshore-Windanlagen werden ihre Vorteile ausspielen können, denn Offshore-Windanlagen haben zwar höhere Kosten, können aber gleichzeitig den Vorteil höherer Vollaststunden nutzen.


Und wer hat die Nase vorne im Wind?


Auf der Windmesse EWEA Offshore 2013 hat Siemens AG (DE0007236101) seine neuen Windkraftanlagen der 4- und 6-Megawatt-Klasse vorgestellt. Mit diesen Anlagen plant das Unternehmen die Kosten für Offshore-Windkraft in den kommenden Jahren senken zu können. Siemens will den Kunden bereits ab 2020 Technologie anbieten können, mit der sich Offshore-Windstrom zu Preisen unter 10 Cent pro Kilowattstunde produzieren lassen würde. Siemens ist in guter Position und kann auf ein gutes Portfolio im Windkraftbereich von Kleinst- bis Großanlagen präsentieren. Der dänische Versorger Dong Energy bestellte bei Siemens Windturbinen für zwei Energieparks in der Nordsee und greift nicht auf eigene Unternehmen zurück. Siemens hält sich auf dem 3. Platz der Liste der größten Windkraftanlagenhersteller weltweit.


Anders schaut es nämlich bei Vestas Wind Systems A/S (DK0010268606) aus. Der dänische Windradbauer Vestas hat 2012 ein hartes Sparprogramm durchgezogen, steckt aber weiter in den roten Zahlen. Unter dem Strich zeigt sich im 3. Quartal wegen neuerlicher Abschreibungen ein Minus von 87 Millionen Euro, dies teilte das Unternehmen mit. Der langjährige Marktführer bekam den hohen Konkurrenzdruck und den Preisverfall besonders zu spüren. Somit bleibt nur noch Rang 2 auf der Liste der größten Windkraftanlagenhersteller weltweit übrig.


Ein anderes deutsches Unternehmen hat sich besser behauptet. Im ersten Halbjahr schafft der Konzern Nordex SE (DE000A0D6554) die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Der Windturbinenbauer hatte die Kosten gedrückt und das Neugeschäft entwickelt sich mit viel Aufwind. Überkapazitäten und Preisverfall sorgten wie auch bei anderen Wettbewerbern immer wieder für Auftragsflauten.


Ganz windstill wird es wohl um Windreich AG werden, hier wurde bereits Insolvenz eingereicht. Der deutsche Marktführer bei Windpark-Projekten hat Schulden im dreistelligen Millionenbereich angehäuft.


Und die Nummer eins seit 2012 ist General Electric Co (US3696041033). Die Amerikaner haben im vergangenen Jahr erstmals Vestas vom ersten Platz der Rangliste der größten Windkraftanlagenbauer verdrängt – mit einem Marktanteil von 15,5 Prozent. Das US-Unternehmen war 2011 noch an dritter Stelle.


Noch ein weiteres deutsches Unternehmen ist unter den Top 5 der Rankingliste: der nicht börsennotierte Konzern Enercon kletterte weltweit in der Rangliste nach oben – vom fünften Platz 2011 ging es auf den vierten Platz 2012. Enercon hat einen Marktanteil von 8,2 Prozent, in Deutschland hat das Unternehmen dagegen einen Anteil von mehr als 50 Prozent.


Traurig wird es auch bei den Spaniern: Gamesa Corporacion Tecnologica SA (ES0143416115) ist das einzige spanische Unternehmen in der Top 10-Liste der größten Windkraftanlagenhersteller der Welt. Die Firma hat ihren Hauptsitz im Baskenland in Nordspanien und hatte 2012 einen Marktanteil von 6,1 Prozent weltweit. Um 2010 haben die Spanier noch mit Vesta um die Top Position gekämpft.


Über weiteren Diskussionen zum Thema Windkraft würde ich mich sehr freuen.


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