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Kryptowährung/Blockchain: Potenziale trotz starker Baisse?

Ein Beitrag von tzimmer 14 04.12 - 16:31

Die Themenfelder Kryptowährung und Blockchain sahen sich im Jahr 2018 bisher starken Kursverlusten ausgesetzt, die teils überschwängliche Stimmung der Marktteilnehmer bezüglich der neuen Technologien ist infolgedessen stark abgekühlt. Ähnliche Entwicklungen konnten jedoch auch bei anderen Technologien in der Vergangenheit beobachtet werden. Gibt es derzeit innerhalb dieses Marktes Unternehmen, die ausreichend Substanz besitzen, um sich langfristig etablieren zu können?
 
Overstock.Com Inc
 
 
Bitcoin Group I
 

Erstmals seit Oktober 2017 fiel der Kurs der Kryptowährung Bitcoin zu Wochenbeginn wieder unter 5.000 US-Dollar und setzte so seinen Kursverfall des Jahres 2018 weiter fort. Lag der Höchststand kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres noch bei etwas mehr als 19.000 US-Dollar, hat sich der Wert der Währung innerhalb des laufenden Jahres um fast drei Viertel verringert. Coinmarketcap beziffert den Wert der mehr als 2.000 betrachteten Kryptowährungen seiner Datenbank auf derzeit circa 150 Milliarden US-Dollar. Auch diese Ziffer ist weit entfernt von den Höchstständen des vergangenen Dezembers, als sich die Gesamtsumme zeitweise auf mehr als 800 Milliarden US-Dollar belief. Zuletzt gerieten die Währungen immer wieder durch große Verkaufspositionen von Großinvestoren unter Druck. Darüber hinaus könnte aber auch die anhaltende Flut an kleineren Rückschlägen und Hiobsbotschaften zu den negativen Entwicklungen beigetragen und die zuvor enorm hohen Erwartungen der Anleger in diesem Segment enttäuscht haben. Hier könnte man beispielsweise die Aufspaltung der Bitcoin-Währung, die mangels einer SEC-Genehmigung misslungene Einführung von Indexfonds auf Kryptowährungen oder die Nichtrealisierung der von Goldman Sachs angekündigten Krypto-Handelsplattform nennen. Die Kurs-Rallye des Jahres 2017 erscheint derzeit wie eine ferne Erinnerung, mittlerweile hat sich die Stimmung der Anleger und Krypto-Interessenten gewandelt, auch ein Ausverkauf mancher Währungen scheint derzeit möglich. Von der Gesamtsituation sind auch die meisten Unternehmen aus dem Blockchain-Bereich getroffen, der Technologie hinter Bitcoin. Dabei lässt sich dieser Erwartungsverlauf der Kryptowährungen und der Blockchain auch auf eine Vielzahl sonstiger Produkte und Technologien übertragen. Dieses Muster aus überschwänglichen Anfangserwartungen, gefolgt von starkem Pessimismus und einer anschließenden Konsolidierung des Marktes wurde vom amerikanischen Beratungsunternehmen Gartner vielfach beobachtet und bildete schließlich die Grundlage für das Konzept des „Hype Cycles“. Ein Blick auf zwei Unternehmen aus den Themenfeldern Kryptowährungen und Blockchain soll untersuchen, ob sich Ansatzpunkte feststellen lassen, anhand derer eine Hype Cycle-Entwicklung auch in diesem Fall möglich sein könnte.

Bitcoin Group I (DE000A1TNV91)

Auf dem deutschen Markt für Kryptowährungen dürfte die Bitcoin Group jedem Investor ein Begriff sein. Lange Zeit genoss das Unternehmen als Betreiber einer Handelsplattform für Bitcoin und andere Währungen ein Alleinstellungsmerkmal. In seiner Funktion als Broker erzielte die Bitcoin Group des Weiteren auch Gebühren-Einnahmen als Dienstleister, die Umsätze sind also nur indirekt von den Kursen der Kryptowährungen selbst abhängig. In diesem Zusammenhang muss allerdings auch festgestellt werden, dass die stark negative Kursentwicklung der Währung und der daraus resultierende Pessimismus sowie die Verluste vieler Anleger zu einer Abnahme des Handelsvolumens geführt haben. Darüber hinaus ist die Bitcoin Group auch nicht mehr alleiniger Anbieter einer deutschen Plattform, wodurch sich ebenfalls das Auftragsvolumen gesenkt haben dürfte. Im ersten Halbjahr 2018 belief sich das Umsatzvolumen auf knapp 5,7 Millionen Euro und erreichte so nicht ganz die Hälfte des Gesamtumsatzes des Jahres 2017 in Höhe von etwa 12,5 Millionen Euro. Auch wenn der Umsatz leicht rückläufig sein könnte, unterscheidet sich die Bitcoin Group von vielen Mitkonkurrenten und Start-Ups im Bereich der Kryptowährungen durch das Vorhandensein eines Kundenstamms sowie der Erzielung operativer Geschäftseinnahmen. Der Kursverlust bei Bitcoin lässt jedoch auch die Bitcoin Group nicht unberührt. So hält das Unternehmen in seiner Bilanz einen eigenen Bestand an Bitcoin, welcher sich zu Ende des Jahres 2017 noch auf mehr als 41 Millionen Euro belaufen hatte. Mitte des laufenden Jahres belief sich der Bestand nur noch auf knapp 24 Millionen Euro. Die Bitcoin Group besitzt jedoch nach wie vor Eigenkapitalreserven. Auf etwa 28 Millionen Euro beläuft sich das Eigenkapital laut dem letzten Geschäftsbericht. Diese Summe könnte, zumindest in der kurzfristigen Zukunft, noch als Sicherheitsreserve betrachtet werden, eine langanhaltend schlechte Geschäftsentwicklung könnte aber auch diese Gelder aufzehren. Die Unternehmensführung versucht auf die geänderte Situation zu reagieren und ist derzeit auf der Suche nach neuen Wettbewerbsvorteilen. Vergangene Woche gab die Bitcoin Group die Übernahme der Frankfurter Tremmel Wertpapierhandelsbank bekannt und gelangte auf diese Weise auch in den Besitz deren Banklizenz. Sofern die Aufsichtsbehörden das Geschäft erlauben, zielt die Bitcoin Group auf einen Ausbau der Plattform bitcoin.de zu einer Börse für Kryptowährungen. Des Weiteren dürfte man durch die Banklizenz auch eigene, kryptobasierte Wertpapiere ausgeben. Darüber hinaus sollen Geldautomaten für Kryptowährungen aufgestellt werden, wodurch man abermals in Deutschland eine Pionierrolle einnehmen würde. Der Ausbau des Dienstleistungsangebotes soll das Unternehmen künftig in die Lage versetzen, über weitere Kanäle Umsätze zu erzielen, die Ausgabe eigener Wertpapiere könnte die Abhängigkeit von den Entwicklungen der Kryptowährungen reduzieren und das Angebot des Unternehmens flexibler gestalten.

Overstock.Com Inc (US6903701018)

Overstock.com ist ein amerikanisches Online-Versandunternehmen, welches 1997 gegründet wurde und sich im Lauf der vergangenen Jahre immer stärker auf dem Gebiet der Kryptowährungen und der Blockchain engagiert hat. Im Gegensatz zur Bitcoin Group liegt der Hintergrund von Overstock also nicht in den Kryptowährungen begründet. Aufgrund stetig abnehmender Margen und der scheinbar übermächtigen Konkurrenz durch Amazon sah sich das Unternehmen gezwungen, neue Geschäftspotenziale zu erschließen und bot infolgedessen schon zu Beginn des Jahres 2014 die Zahlung mit Bitcoin an. Mit Hilfe seiner Tochtergesellschaft „Medici Ventures“ sowie dem Geschäftsbereich „tZero“, für welchen 270 Millionen US-Dollar eines 375 Millionen US-Dollar umfassenden Investments der chinesischen Gesellschaft GSR Capital vorgesehen sind, sucht Overstock neue Geschäftsmodelle basierend auf der Blockchain-Technologie. Diese Aktivitäten sollen nach Aussage der Unternehmensführung auch aus verminderten Investitionen in das ursprüngliche Handelsgeschäft finanziert werden. Selbst ein Verkauf der Handelsparte wird derzeit in Erwägung gezogen. Ein solcher Schritt wäre sicherlich mit Risiko verbunden, da Overstock damit auf Einnahmen aus seinem operativen Geschäft verzichten müsste und somit bezüglich der Blockchain zum Erfolg verpflichtet wäre. Zwar ist auch Eintritt in das Immobiliengeschäft geplant, über die Planungsphase reicht jedoch auch dieses Projekt derzeit nicht hinaus. Bisher hat Overstock via Medici Ventures in 12 Start-Ups im Themenfeld Blockchain investiert. Der Fokus lag hierbei auf den Bereichen Kapitalmarkt, Banking, Identitätsmanagement, Eigentumsverwaltung sowie Systemen zur Unterstützung von Wahlen. Die ersten Investitionen haben in ihrer Grundform die Marktreife erlangt. Das Blockchain-basierte Wahlsystem „Voatz“ wird beispielsweise bereits an Universitäten, von politischen Parteien oder Gewerkschaften genutzt. „Factom“, ein System zur biometrischen Verfolgung von Impfstoffen und Bluttests wird derzeit in Zusammenarbeit mit der „Bill & Melinda Gates Foundation“ im Zusammenhang mit Tuberkulose und Viruserkrankungen in Afrika implementiert, könnte zukünftig aber eine Lösung für das Management diverser Supply Chains darstellen. Zu beiden Unternehmen muss angemerkt werden, dass ihr zukünftiger Erfolg maßgeblich von der weiteren Entwicklung der Kryptowährungen und der Blockchain abhängig ist. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenzunternehmen können aber beide operative Geschäftsaktivitäten vorweisen, durch welche sie Umsätze generieren. Die Erwartungen sowie die Geschäftsverläufe könnten aber in beiden Geschäftsfeldern kurz- bis mittelfristig einer hohen Volatilität unterliegen, welche sich auch auf die Kursentwicklungen der Unternehmen auswirken könnten. Sowohl über das Eintreten, als auch über den zeitlichen Horizont einer Marktkonsolidierung besteht keine Gewissheit. Die Bitcoin Group und Overstock.com nehmen eine Pionierrolle in den Technologiefeldern ein, Anleger sollten sich also auf tendenziell stärkere Kursschwankungen und höhere Verlustrisiken einstellen, als bei Aktien aus etablierten Branchen und Technologiefeldern.


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