Argumente

ASML - Überblick über die Geschäftstätigkeit
Um zu verstehen, wer sich hinter den in den letzten Monaten und Jahren sehr populär
gewordenen vier Buchstaben überhaupt verbirgt, lohnt gewohnheitsgemäß ein Blick in den
Jahresbericht. Dort beschreiben sich die Niederländer selbst als einen der führenden
globalen Innovatoren der Chipindustrie. Durch ASML würden Unternehmen mit Hardware,
Software und Dienstleistungen für die Massenproduktion von Mustern auf Silizium durch
Lithographie versorgt werden. Die Aktivitäten des Konzerns würden nach eigener Aussage
zudem den Wert von Chips erhöhen und parallel die Kosten senken, was die Welt zu einem
intelligenteren und vernetzteren Ort voranbrächte. Weitere interessante Fakten sind mit
dem Gründungsjahr 1984, den weltweit mehr als 60 Vertretungen sowie den mittlerweile
über 32000 Beschäftigten zu nennen. Letztere teilen sich in vier Segmente auf. Den mit
Abstand größten Teil machen dabei die 14871 Angestellten der Division Operations aus,
gefolgt von 11831 Mitarbeitenden im Bereich R&D sowie 4140 Personen, die sich im Auftrag
von ASML um Sales und Support kümmern. Seit dem Jahr 2020 kommen aufgrund der
vorangegangenen Akquisition 1174 Beschäftigte der Firma Berliner Glas dazu. Zuletzt
erzielte der Konzern einen Gesamtumsatz in Höhe von 18.6 Milliarden Euro, wovon der
überwiegende Teil mit 16.9 Milliarden Euro dem asiatischen Raum zuzurechnen ist. Weitere
1.6 Milliarden Euro verdiente ASML in den USA, während für die Region EMEA lediglich ein
Wert von 100 Millionen Euro ausgewiesen wurde.

Im Geschäftsbericht heißt es außerdem, dass ASML als fokussierter Anbieter von
ganzheitlichen Lithografielösungen Partner aller großen Chiphersteller ist und es das
Unternehmensziel sei, gemeinsam mit den Kunden die Entwicklung von Mikrochips
voranzutreiben. Der niederländische Konzern versucht sich durch umfangreiche
Investitionen in den Bereichen Forschung & Entwicklung stets neu zu erfinden und auf
Innovationsseite mindestens mit dem Tempo seiner Kunden mithalten zu können. Bei all
dem sollen die drei Kernwerte – Challenge, Collaborate und Care – nie aus den Augen
verloren werden.

Die Rolle der Lithographie
Bei der schrittweisen Weiterentwicklung und Verbesserung von leistungsfähigeren,
billigeren und schnelleren Chips gilt die Lithografie als treibende Kraft hinter den Prozessen.
Heute schon enthalten die modernsten Prozessoren Milliarden von Transistoren. Deren
Verkleinerung wird allerdings zunehmend schwieriger, auch wenn die Grenzen der Physik
noch nicht erreicht sind.

Da auch die Halbleitermerkmale immer weiter schrumpfen, gestaltet sich die Herstellung
der Chips ebenfalls als merklich schwieriger als noch vor wenigen Jahren. ASML hilft seinen
Kunden deshalb dabei, ihre Produktion zu optimieren und die Kosten dabei im Rahmen zu
halten. Darüber hinaus unterstützen die sogenannten Metrologie- und Inspektionslösungen
bei der Analyse und Kontrolle des Fertigungsprozesses in Echtzeit.

Wie aber funktioniert das bis hierher schon häufiger erwähnte Lithografiesystem? Im
Grunde genommen handelt es sich dabei um nichts anderes als ein Projektionssystem. Licht
wird also durch einen Entwurf des zu druckenden Musters projiziert, was auch unter den
Namen Fadenkreuz oder Maske bekannt ist. Da das Muster im Licht kodiert ist, schrumpft
die Optik des Systems und fokussiert das Muster auf einen lichtempfindlichen SiliziumWafer. Nachdem das Muster schließlich gedruckt ist, bewegt das System den Wafer leicht
und erstellt eine weitere Kopie auf dem Wafer.

Wer sind die Kunden von ASML?
Wie einleitend bereits angemerkt, arbeitet der Konzern mit den führenden Produzenten der
Mikrochip-Branche zusammen. Dabei übernehmen die Niederländer die Entwicklung von
Maschinen, die auf Grundlage der Vorgaben der Kunden konstruiert werden. Ferner ist
ASML in der Umsetzung von Technologie- und Kostenplänen aktiv. Ziel ist es, dass die
Maschinen reibungslos mit den Gegebenheiten in den Fabriken der Abnehmer kompatibel
sind. Allgemein lassen sich die Kunden in zwei zentrale Klassen einteilen. Diese sind Memory
Chipmakers auf der einen und Logic Chipmakers auf der anderen Seite.
Die sogenannten Speicherchips zeichnen sich dabei vor allem dadurch aus, dass sie eine
große Menge an Daten auf verhältnismäßig wenig Platz speichern können. Sie kommen
vermehrt in elektronischen Produkten wie Smartphones, Hochleistungscomputern oder
auch in Kraftfahrzeugen zum Einsatz. Unterschieden wird unter den Speicherchips nochmals
in NAND und DRAM. Die Logikchips wiederum sind in erster Linie für die Verarbeitung von
Informationen in elektronischen Geräten gedacht. Ihre Produktion erfolgt von zwei
Herstellerarten. Die erste Gruppe verantwortet die Entwicklung und Fertigung der
Logikchips und ist allgemeinhin als IDMs bekannt. Die zweite Gruppe, auch als Foundries
bezeichnet, produziert Chips für Unternehmen, die sich ausschließlich mit dem Design und
Vertrieb beschäftigen.

Der Chipmarkt beziehungsweise der weltweite Halbleiterumsatz ist über die vergangenen zwanzig
Jahre um durchschnittlich 5% pro anno gewachsen und dürfte Prognosen zufolge künftig noch
stärker zulegen. Die Faktoren, die zu dieser Ausdehnung führten, haben sich mit der Zeit allerdings
radikal geändert. Während in den 1990ern PCs, Desktops und schließlich Laptops für einen Großteil
des Wachstums verantwortlich waren, werden die Chips heutzutage vor allem für Rechenzentren
und Smartphones verwendet, um den gesamten Globus noch konnektiver zu gestalten.

SWOT Analyse für ASML
Wo liegen die Stärken und Schwächen des Unternehmens, welchen zukünftigen Möglichkeiten und
potenziellen Risiken könnte sich der Konzern entgegengesetzt sehen? Der letztjährige
Geschäftsbericht liefert anhand einer SWOT Analyse wichtige Antworten, die wir Ihnen nicht
entgehen lassen wollen.
Welche positiven Aspekte definiert ASML also für sich selbst? Genannt werden insbesondere die
fünf Punkte Markt- und Technologieführerschaft, kollaborative sowie andauernde Innovation, eine
ehrgeizige Belegschaft mit Hands-on-Mentalität und schließlich das starke finanzielle Polster.
Selbstverständlich sollten Anleger davon allein nicht hin und weg sein. Es ist klar, dass sich
Unternehmen in Geschäftsberichten gerne rühmen und ins rechte Licht rücken.
Gleichzeitig offenbart ASML allerdings auch drei Schwächen, die für Investoren von besonderer
Relevanz sein könnten. Dazu zählen in erster Linie eine Knappheit an Ressourcen, die mit der
Geschwindigkeit und Intensität der Nachfrage möglicherweise nicht mithalten können. Hinzu kommt
ein begrenzter Vorteil der Kostenführerschaft sowie eine immer weiter zunehmende Komplexität
der Produkte und Technologien.
Unter dem Punkt Threats hat der Konzern schließlich einige Bullet Points aufgezählt, die negativen
Einfluss auf das Geschäftsmodell von ASML nehmen könnten. Zu nennen seien diesbezüglich die
geopolitischen Spannungen, Probleme und Verzögerungen in den Lieferketten sowie ein intensiver
Wettbewerb in bestimmten Märkten, der unter Umständen auch zu enormen Preisdruck führen
kann.
Immerhin hellen die niedergeschriebenen Chancen das Gesamtbild wieder auf. So sehen die
Niederländer unter anderem in einem gesteigerten Markenbewusstsein oder im zunehmenden
Streben vieler Unternehmen nach mehr Nachhaltig Potenzial für das eigene Geschäft. Zu vergessen
seien in diesem Zusammenhang natürlich nicht die Möglichkeiten, die neue Technologien mit sich
bringen könnten.

So schafft ASML langfristige Werte
Nicht nur die Stakeholder, auch die Beschäftigten, die Umwelt sowie die Kunden liegen dem
Unternehmen nach eigener Aussage am Herzen. Deshalb ist es eines der obersten Ziele des
Konzerns, für sie alle langfristige Werte zu schaffen. Im Annual Report erarbeitete ASML konkrete
Maßnahmen, wie dies gelingen soll.
Die Aktionäre sollen unmittelbar von den hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung
profitieren, mit denen ASML auf das Erhalten der Technologieführerschaft und damit auf nicht zu
unterschätzende Wettbewerbsvorteile abzielt. Die ständigen Innovationen führten nach
Unternehmensangaben zu einem anhaltenden Wachstum innerhalb der Halbleiterbranche. Das
wiederum unterstütze die finanzielle Performance.
Natürlich wäre ASML ohne seine Belegschaft heute bei weitem nicht so erfolgreich wie sie es
gegenwärtig sind. Bemerkenswert ist der rasante Anstieg der Mitarbeiterzahlen von etwa 16500 im
Jahr 2016 auf nunmehr knapp das Doppelte. Die Angestellten beziehungsweide das Human Capital
dürften ungemein für den Großteil des Wertzuwachses in den vergangenen Jahren verantwortlich
sein. Deshalb werden sie von ASML gezielt in ihrer Karriereentwicklung gefördert.

Wichtige Kennzahlen des ASML-Imperiums
All die netten Worte sind schön und gut. Letztlich entscheiden aber blanke Zahlen über Erfolg oder
Misserfolg einer Unternehmung, weshalb der Blick in die Finanzbücher auch bei ASML nicht zu kurz
kommen darf.
Alles in allem sollten die Investoren davon allerdings nicht enttäuscht sein – im Gegenteil. Immerhin
konnte der Konzern seine Einnahmen über die letzten drei Jahre hinweg deutlich und kontinuierlich
steigern. Allein zwischen 2020 und 2021 ging es nochmals um fast 33,1% nach oben. Damit wiesen
die Niederländer einen Gesamtumsatz von knapp 18,61 Milliarden Euro aus. Von dieser Summe
blieben letztlich mehr als 5,88 Milliarden Euro in Form des Nettogewinns über. Auch in dieser
Hinsicht schnitt ASML also deutlich stärker als in den beiden vorangegangenen Jahren ab.
Der Blick in die Bilanz überzeugt ebenfalls. Während die liquiden Mittel um beinahe 15% zulegten,
reduzierte der weltgrößte Anbieter von Lithografiesystemen seine langfristigen Schulden um mehr
als 12,5% im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt baute ASML die vorhandenen Vermögenswerte im
Jahr 2021 um etwa 14,1% aus.

Entwicklung & Prognose zur ASML-Aktie
Wie der Großteil der an der Börse notierten Gesellschaften bekam auch ASML in den
zurückliegenden Monaten ordentlich Fett ab. Allein seit Mitte Januar gab der Titel um 23,9% nach.
Wenigstens die letzten vier Wochen liefen halbwegs ordentlich. Der Konzern konnte in diesem
Zeitraum moderate Zugewinne von 4,2% verzeichnen. Insgesamt ist das allerdings deutlich zu wenig,
um die vorausgegangenen Entwicklungen halbwegs auszugleichen. Etwas Rückenwind bekommen
Anleger derweil von JPMorgan. Die US-amerikanische Investmentbank belässt die ASML-Aktie nach
wie vor auf Overweight und gibt dabei ein Kursziel von satten 780€ je Anteil aus. Hintergrund dieser
optimistischen Einschätzung sei die Tatsache, dass eine Rezession zum aktuellen Zeitpunkt trotz
widriger Umstände als eher unwahrscheinlich angesehen wird. 

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