Argumente

Die Tesla-Aktie erhielt unter anderem deshalb frühzeitig einen Kursschub, weil Elon Musk und sein Team früher als etablierte Hersteller konsequent auf den Ausbau eines eigenen, kohärenten Ladenetzwerks setzten. Mittlerweile können Tesla-Fahrer weltweit auf Supercharger zugreifen, mehr als 2.500 Stationen bieten den Kunden 25.000 Ladepunkte

Bereits seit Jahren müssen sich Tesla-Besitzer hierdurch wenig Gedanken um die Reichweite machen, zudem die Modelle der Kalifornier immer noch zu den Marktführern in Bezug auf Verbrauch und Reichweite zählen. Während das Ladestationen-Netzwerk den Absatz der Fahrzeuge in den vergangenen Jahren sicher stark angekurbelt hat, so könnte es sich jetzt auch als Zusatzgeschäft für Tesla lohnen.

  • Vielerorts hält der Ladesäulen-Ausbau nicht mit den steigenden Elektroauto-Zulassungen mit, in Deutschland kommen derzeit 17 E-Autos auf einen Ladepunkt. In vielen anderen Ländern stellt sich die Situation ähnlich dar. In Norwegen können ab 2022 auch Fremdfabrikate an den Superchargern laden, in Deutschland laufen diesbezüglich wohl die Verhandlungen. Dies ermöglicht Tesla zusätzliche Umsatzpotenziale mit den Ladesäulen, birgt aber das Risiko, die eigenen Kunden zu belasten. Denkbar wäre ein Modell mit hohen Ladekosten, um die Profitabilität zu steigern, ohne die Kapazität zu überlasten.
  • Tesla hat die Supercharger als Plattform etabliert und besitzt einen immensen Vorteil bezüglich der Datengrundlage zu Bewegungsmustern und Meta-Informationen seiner Fahrzeuge. Dies hilft insbesondere auch bei der Integration der Daten in die bordeigenen Systeme.
  • Elon Musk ließ bei der Präsentation des Model S Plaid durchblicken, dass auch die Leistung der Säulen auf 350 kW ansteigen soll. Als Vorgriff auf die neuen Zellen dürften fortan enorme Ladeleistungen pro Stunde möglich sein, ein weiterer Kaufanreiz!
  • Für den Tesla Semi sollen zukünftig Megacharger zum Einsatz kommen, diese könnten eine Leistung von bis zu einem Megawatt anbieten. Auch bei den E-LKW scheint Tesla zu den Vorreitern zu zählen, auch wenn die etablierten Hersteller ihre Lektion gelernt zu haben scheinen.

Das niederländische Unternehmen Fastned setzt vor allem auf die Errichtung von Schnellladeparks an Schnellstraßen und Autobahnen, entsprechend stehen hier DC-Schnellladesäulen im Fokus. Der operative Fokus liegt derzeit auf den Niederlanden und Deutschland, im Heimatland betreibt die Gesellschaft mittlerweile mehr als 100 Ladeparks. Insgesamt belief sich das Portfolio Ende des vergangenen Jahres auf 131 Stationen, in der Schweiz, Belgien sowie Großbritannien ist Fastned ebenfalls bereits aktiv.

Die Zukunft sieht Fastned also eher in einem Tankstellen-ähnlichen Konzept. In den Niederlanden könnte das Unternehmen in diesem Zusammenhang einen juristischen Erfolg verbuchen. Fastned darf seine Niederlassungen künftig mit Shops und Toiletten ausstatten, der Staat als Grundstückseigner dürfe der Gesellschaft dies nicht untersagen, entschieden die Richter. Als zukünftige Umsatzquelle ist dieses Urteil wichtig und könnte Referenzcharakter für die Entscheidung der Kartellbehörden in Deutschland besitzen. Hier entscheidet derzeit noch die „Tank & Rast GmbH“, als Nachfolger der Bundesbehörde, über die Errichtung von Ladesäulen an deutschen Autobahnraststätten.

Um das Netz schnellstmöglich auszubauen, führte Fastned zu Jahresbeginn eine Anleihen-Emission durch, welche dem Unternehmen nochmals 150 Millionen Euro an frischem Kapital einspielte. Dieses Kapital soll genutzt werden, um 164 weitere Ladeparks aufzubauen. Insbesondere die großen Ausschreibungen für DC-Schnellladeparks in Deutschland und Frankreich nimmt das Unternehmen offenbar ins Visier. In Belgien konnte man in den vergangenen Tagen bereits den Zuschlag für 5 Ladeparks mit bis zu 16 Ladepunkten vermelden.

EnBW ist aktuell der größte Betreiber von Ladestationen innerhalb Deutschlands. Im April verkündete das Unternehmen zudem den Bau eines neuen Rekord-Ladeparks. Ähnlich wie Fastned plant auch der Energieversorgungskonzern Ladeparks an Schnellstraßen und Autobahnen, nun soll der größte Ladepark Europas entstehen. Am Kamener Kreuz in Nordrhein-Westfalen wird eine Station mit 52 Ladepunkten mit jeweils 300 kW Leistung entstehen. Die Fertigstellung und Inbetriebnahme sind noch für dieses Jahr geplant. Dieses Projekt steht exemplarisch für den aktuellen Kurs des Unternehmens, der Ladeinfrastruktur als zentralen Bestandteil der zukünftigen Geschäftstätigkeit vorsieht.

Die Rolle als etablierter Energieversorger verschafft EnBW nicht selten Standortvorteile. So konnte der Konzern in der jüngeren Vergangenheit mit einigen Großunternehmen Kooperationen zur Installation von Filialladestationen abschließen. Exemplarisch wäre hier die Baumarktkette toom zu nennen, die zunächst die Ausstattung von 30 Filialen mit Ladesäulen beauftragte. Langfristig soll dieser Vertrag erweitert werden, mit 350 betriebenen Baumärkten könnte sich das Auftragsvolumen des toom-Vertrags nochmals bedeutend erhöhen. Derzeit rüstet EnBW zudem bereits 50 deutsche Märkte der Drogeriekette DM mit Lademöglichkeiten aus, zeitgleich läuft eine Machbarkeitsstudie zur Ausstattung von bis zu 1.000 Filialen. Aktuell betreibt das Unternehmen zudem knapp 450 Schnellladepunkte, über Kooperationen mit lokalen Anbietern kann innerhalb Deutschlands in sämtlichen Regionen flächendeckend geladen werden, dies macht das Ladeprogramm für Elektroautofahrer enorm attraktiv. Die frühe und aggressive Expansionspolitik der letzten Jahre könnte sich nun also auszahlen, von den großen deutschen Energieversorgern scheint sich EnBW derzeit am geschicktesten für den neuen Markt ausgerichtet zu haben.

Bereits seit mehr als einem Jahrzehnt ist der Energietechnik-Lieferant aus der Schweiz einer der Key Player im Bereich der Elektromobilität. Der Geschäftsbereich ist stetig gewachsen, sodass ABB mittlerweile den Börsengang der Sparte vorbereitet. Der Jahresumsatz der Sparte für Ladetechnik beläuft sich aktuell auf 220 Millionen $, die Wachstumsraten lagen in den letzten Geschäftsjahren jeweils um die 50 Prozent. ABB ist in diesem Technologiesektor weltweit in 85 Ländern aktiv, in der vergangenen Dekade lieferte der Konzern circa 400.000 Ladestationen aus. Auch nach dem Börsengang des Ladetechnik-Sektors soll der Mutterkonzern die Kontrolle über die ausgegliederte Tochter behalten. Die Investitionen der näheren Zukunft sollen an der Börse eingesammelt werden, dies könnte auch der Aktie der Muttergesellschaft Auftrieb verleihen.

Dass ABB dem Thema eine hohe Bedeutung zumisst, zeigen zudem die Errichtung eines Forschungszentrums in den Niederlanden sowie einer auf Ladetechnik ausgerichteten Fabrik in Italien. 30 Millionen Euro wurden in das neue Werk investiert, welches die komplette Palette an Gleichstrom-Ladelösungen fertigen soll. Laut Plan soll die Fabrik noch vor Ende dieses Jahres die Produktion aufnehmen. Weitere 10 Millionen Euro fließen in den Aufbau einer Forschungseinrichtung an der niederländischen TU Delft, die insgesamt 120 Forscher und Forscherinnen beschäftigen soll. ABB ist insbesondere auch in Verbindung mit der Infrastruktur für große Fahrzeuge, wie E-Busse oder E-LKWs, von Interesse. Die Technik der Schweizer kommt für Flottenlösungen oft zum Einsatz, so installierte das Unternehmen beispielsweise für die Hamburger Hochbahn bereits 44 Ladestationen für E-Busse. Insbesondere in diesem Bereich könnte ABB noch stark zugewinnen, der Ausbau der E-Flotten städtischer Verkehrsbetriebe nimmt in Europa und Asien aktuell schnell zu.

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Besprochene Aktien

Auch in diesen Argumenten enthalten

ABB Ltd

Die schweizer ABB bietet global Systeme und Technologien zur Energieerzeugung und Automation an. Systeme zur Energieübertragung, Energieverteilung und Kraftwerksautomation für die verschiedensten Kraftwerksarten werden angeboten.

Fastned BV

Fastned ist ein niederländischer Anbieter von Schnellladesäulen für Elektroautos. Das Unternehmen platziert seine Ladestationen entlang von Autobahnen und Schnellstraßen.