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E-LKW: Elektrifizieren wir auch unsere Logistik?

Ein Beitrag von Mr. Dow 2 11.09 - 11:53

Bei Automobilen etabliert sich der E-Antrieb zusehends, Elektroautos kann man im Alltag immer öfter begutachten. Bei LKWs ist die Lage noch anders, das hohe Gewicht und die Reichweitenanforderungen stellen hier Herausforderungen dar. Dennoch forschen die Wettbewerber intensiv und entwickeln die ersten serienreifen E-LKWs. Welches Unternehmen könnte zukünftig das Rennen machen?
 
Tesla Motors Inc
 
 
MAN SE
 
 
Volvo AB
 
 
Nikola Corporation
 

Neben der Elektrifizierung von Automobilen stellt sich auch für weitere Fahrzeugtypen die Frage nach alternativen Antriebskonzepten. Aufgrund ihres Gewichts, Luftwiderstands und den langen Fahrtstrecken im Fernverkehr stellt der konventionelle Dieselmotor in vielen Fällen nach wie vor die einzige praktikable Lösung dar. Attraktiv werden soll der E-Antrieb bei LKWs mittel- bis langfristig vor allem durch die geringeren Betriebskosten. McKinsey kalkuliert in einer kürzlich veröffentlichten Studie, dass die Kosten pro Kilometer für Wasserstoff- und Elektrotrucks um das Jahr 2030 unter die Operationskosten für Dieselversionen fallen könnten und in der Folge bedeutende, weiter steigende Einsparpotenziale für Spediteure entstünden.

Nikola Corporation (US6541101050)

Branchenweit stand diese Woche vor allem die Aktie der Nikola Corporation im Fokus. Dieses Unternehmen ist seit dem 4. Juni dieses Jahres börsennotiert und fokussiert sich vollständig auf alternative Antriebe im Zusammenhang mit Trucks. Nikola entwickelt sowohl an vollelektrischen LKWs als auch an Antrieben basierend auf der Brennstoffzelle. Zu Beginn der Woche wurde bekannt, dass sich General Motors eine 11-prozentige Beteiligung an Nikola gesichert hat und zudem das Pickup-Model „Badger“ für Nikola fertigen wird. Der Badger ist ein Pick-Up Truck, der durch eine Kombination von elektrischem und Brennstoffzellen-Antrieb eine Reichweite von 950 Kilometern bei einer Leistung von 906 PS erbringen soll. Die Vereinbarung mit GM zeigt, dass das Konzept wohl durchaus realisierbar ist. Nikola spart durch die Kooperation den aufwendigen Aufbau von Produktionskapazitäten und könnte das Fahrzeug schneller am Markt platzieren. Jedoch verliert das Unternehmen so auch einen signifikanten Teil des Einnahmepotenzials und schafft sich durch die Fremdproduktion, zumindest im Zusammenhang mit dem Badger, ein Abhängigkeitsverhältnis. Auch im Bereich der größeren LKW schreitet die Entwicklung voran. Gemeinsam mit CNH Industrial plant Nikola die Einführung des Modells „Tre“. Dieser LKW basiert auf dem Iveco S-Way und soll im kommenden Jahr bereit zur Auslieferung sein. Der Tre soll eine Dauerleistung von 480 kW liefern und bei einem Gewicht zwischen 18 und 26 Tonnen bis zu 400 Kilometer Reichweite besitzen. Für das Jahr 2023 ist zudem die Markteinführung eines Brennstoffzellenfahrzeugs geplant. Die Seriennähe und der Einbezug der Brennstoffzelle könnte Nikola zu einem interessanten Investment machen. Auffällig ist hingegen, dass sich das amerikanische Unternehmen zwecks der Produktion auf etablierte Anbieter verlassen muss. Darüber hinaus sollten Investoren beobachten, ob sich die vielversprechenden technischen Daten der Modelle tatsächlich realisieren lassen.

Volvo AB (SE0000115420)

Auch bei Volvo hat man die Bemühungen um elektrische Antriebskonzepte intensiviert. Zu Beginn des Jahres stellte das Unternehmen den Schwerlast-LKW „VNR Electric“ vor. Dieses Modell ist in zwei Ausführungen, mit 200 oder 300 kWh-Kapazität, verfügbar und besitzt hierdurch eine Reichweite von bis zu 280 Kilometern. Dieser Truck soll in einem Pilotprojekt in Los Angeles erprobt werden, wo er zunächst im Cargo-Verkehr zwischen Häfen und Metropolregion eingesetzt wird. Der LKW verfügt über 536 PS und hat ein zulässiges Gesamtgewicht von 15 Tonnen. Volvo plant den Produktionsbeginn des E-LKWs bereits für Ende dieses Jahres. Zukünftig möchte das schwedische Unternehmen einen stärkeren Einfluss im Verteiler- und Baustellenverkehr gewinnen und sieht in der Elektrifizierung von LKWs Wachstumspotenzial. Darüber hinaus vernachlässigt Volvo den Fernverkehr nicht, sondern stellte den VNR Electric auch als Sattelschleppervariante vor. Mit 354 PS permanenter Leistung, 544 PS in der Spitze, verfügt dieses Modell über eine Reichweite zwischen 121 und 282 Kilometern, in Abhängigkeit ob 4 oder 6 50 kWh-Akkupacks installiert werden. Die Anhängelast von 19 Tonnen liegt zwar lediglich 3 Tonnen unter der Verbrennerversion, die geringe Reichweite lässt das elektrische Modell für den täglichen, operativen Fernverkehr jedoch noch ungeeignet erscheinen. Die Seriennähe der Verteiler- und Bauvariante lässt jedoch Hoffnung keimen, dass sich Volvo zeitnah mit dem elektrischen Truck am Markt platzieren kann. Für das Image als Innovator im LKW-Bereich ist dieser Umstand wichtig und könnte dem Unternehmen wertvolle Erfahrungswerte und Erkenntnisse für die Entwicklung der künftigen Modellgenerationen liefern.

MAN SE (DE0005937007)

Auch der Münchner Nutzfahrzeughersteller MAN verschließt sich elektrischer Antriebskonzepte nicht. Ähnlich wie Konkurrent Volvo zielt auch der deutsche Hersteller auf den mittleren und schweren Verteilerverkehr. Das Modell „eTGM“ basiert, ebenfalls wie bei Volvo, auf dem bisherigen konventionellen Verbrennermodell und wird über einen 359 PS starken Antrieb verfügen. Die Reichweite des LKWs soll sich auf bis zu 200 Kilometer belaufen. Im Zusammenhang mit der Implementierung der Fahrzeuge in die Flotte und den Betriebsablauf bietet MAN auch Consulting-Dienstleistungen an, welche sich auf eine Bedarfsanalyse der LKW-Konfiguration und der individuellen Ladeinfrastruktur beziehen und auch Fahrertrainings zur optimalen Nutzung der Fahrzeuge umfassen. Der eTGM wird zunächst im Rahmen einer Kleinserie gefertigt, welche ein laufendes Pilotprojekt aus Österreich prinzipiell erweitert. Im Rahmen der Serie lieferte man kürzlich beispielsweise auch einen Truck an Porsche im Werk Stuttgart aus. Des Weiteren bietet MAN mittlerweile auch eine elektrifizierte Version seines Transporters an. Der „eTGE“ besitzt, bei einer Nutzlast von einer Tonne, eine Reichweite von bis zu 173 Kilometern. Dieses Fahrzeug soll eine kleinere, agilere Option darstellen, die sich für den innerstädtischen Verteilverkehr eignet. Während sich MAN also der Serienfertigung elektrischer LKWs nähert, sollten Anleger beachten, dass eine weitläufige Diffusion vollelektrischer Fahrzeuge das derzeitige Kerngeschäft der Gesellschaft stark belasten könnte. Die starke Marktposition MANs bei konventionellen Antrieben könnte unter Druck geraten.

Tesla Motors Inc (US88160R1014)

Analog zum Fahrzeugmarkt muss Tesla auch im Zusammenhang mit elektrischen LKWs Erwähnung finden. Bereits 2017 stellte das Unternehmen den „Tesla Semi“ vor, nun scheint sich der Truck der Seriennähe zu nähern. CEO Elon Musk erwähnte kürzlich während eines Conference Calls, dass das neue Werk in Austin, Texas als erster Produktionsstandort für das Fahrzeug vorgesehen ist. Prototypen des Semis erprobt Tesla bereits seit Längerem, auch in den eigenen Logistikketten. Dieses Einsatzmodell möchte das Unternehmen in Zukunft ausweiten und plant, den Semi Truck zunächst umfassend in der eigenen Logistik einzusetzen, um die Kosten für den Betrieb von Fremdfabrikaten zu senken und in größerem Umfang testen zu können. Der Semi wird von 4 Motoren betrieben, die in dieser Form auch im Model 3 verbaut werden, und leistet hierdurch 1.000 PS. Er ist in zwei Reichweiten konfigurierbar, 480 oder 800 Kilometer. Während erstere Variante mit 150.000 US-Dollar veranschlagt wird, soll die Long Range-Variante 180.000 US-Dollar kosten. Für den LKW gingen bei Tesla mehrere Tausend Vorbestellungen ein, unter anderem von Unternehmen wie Anheuser-Busch, PepsiCo oder Walmart. Seither musste die Auslieferung des Trucks jedoch mehrfach verschoben werden, die Batteriezellen-Kapazitäten wurden für den Bau von Automobilen benötigt. Wie in der Vergangenheit bei einigen Fahrzeugmodellen, konnte Tesla auch in diesem Fall die ursprünglich gesetzten Lieferfristen nicht einhalten. Derzeit plant das kalifornische Unternehmen mit der Produktion geringer Stückzahlen gegen Jahresende 2020. Tesla plant die Ausrüstung des Semi mit dem Autopiloten-System, welches auch aus den PKWs bereits bekannt ist. Das System soll den Frachtverkehr sicherer gestalten und die Fahrer im Alltag entlasten. Ähnlich wie bei der Reichweite würde ein so umfassendes System Tesla auch hier zu den technologischen Vorreitern in der Branche avancieren lassen. Interessierte Anleger sollten jedoch die tatsächlichen Produktions- und Auslieferungszahlen im Blick behalten. Positiv könnte man bewerten, dass Tesla in der Vergangenheit angekündigte technische Daten und Features letztlich oftmals weitestgehend umsetzen konnte.

Im Kurzstreckenverkehr nähern sich einige Produzenten der Serienproduktion. Damit E-LKWs zur flächendeckenden Alternative werden können, werden jedoch noch signifikante Investitionen in die Infrastruktur notwendig werden. Gerade für den Stadt- und Werkverkehr könnten die elektrischen Fahrzeuge in den kommenden Jahren aber bereits eine Alternative darstellen.


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