Analyse Aktien CRISPR Genveränderung

Die CRISPR/Cas9-Forschung macht rasante Fortschritte!

Ein Beitrag von Mr. Dow 5 15.02 - 12:16

CRISPR/Cas9 wird als eine der bedeutendsten Entwicklungen im Bereich der Biotechnologie angesehen. Genomeditierungen sind hierdurch sowohl bei Menschen als auch bei Pflanzen möglich. Was sollten Anleger über die aktuellen Entwicklungen auf diesem Technologiefeld wissen?
 
Editas Medicine Inc
 
 
CRISPR Therapeutics
 
 
Corteva Inc
 

Der Name bezeichnet bestimmte Gensequenzen in Bakterien - CRISPR (von engl. Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic) - und das Protein Cas9, die gemeinsam die DNA eindringender Viren zerschneiden und zerstören. Diese natürliche Abwehrfunktion von Organismen können Gentechniker als molekularbiologisches Instrument nutzbar machen, indem sie dieses Protein künstlich erschaffen und damit DNA-Bausteine an beliebiger Stelle schneiden, einfügen oder austauschen. Das Erbgut wird präzise verändert und das Risiko zufälliger Mutationen sinkt. Zwei zentrale Anwendungsgebiete treiben das Marktwachstum: Die Lebensmittel- und die Pharmaindustrie. Pflanzen können ertragreicher und resistenter gegen Krankheitserreger und Schädlinge gemacht und somit den Anforderungen des Klimawandels angepasst werden. Ein bahnbrechendes Ereignis hat die Entwicklung der Genschere in der Medizin Ende 2020 erfahren: Die Anwendung der CRISPR-Methode zur Bekämpfung tödlicher Krebszellen erwies sich im Rahmen einer Studie als wirksam und effektiv. Der Universität in Tel Aviv ist die Herstellung eines lipid- und nanopartikelbasierten Systems gelungen, das Krebszellen anvisiert und abtötet. Dieser Durchbruch könnte den Übergang der Testphase zur klinischen Anwendung markieren. Nicht nur Krebs, sondern auch AIDS und diverse Erbkrankheiten könnten behandelbar werden. Das Marktvolumen liegt derzeit bei beinah 850 Millionen USD mit einer prognostizierten jährlichen Wachstumsrate von 26 % bis 2030.

CRISPR Therapeutics (CH0334081137)

CRISPR Therapeutics wurde 2013 in der Schweiz gegründet, unter der Beteiligung von Emmanuelle Charpentier - einer der ursprünglichen Entdeckerinnen des CRISPR-Verfahrens. Der Fokus der Gesellschaft liegt auf der Entwicklung transformativer und gentechnologischer Medikamente. Als federführend bezeichnet das Unternehmen sein Programm bezüglich der sehr seltenen Blutkrankheit ß-Thalassämie und der Sichelzellenkrankheit. Im September 2020 ist es in zweijähriger Zusammenarbeit mit Vertex gelungen, das Medikament CTX001 herzustellen. Derzeit befindet es sich in der klinischen Erprobung und bekam von der European Medicines Agency die Kennzeichnung als „unentbehrlichen Medikament“ anerkannt. Die aktuelle Phase untersucht die Sicherheit und Effizienz des neuen Produkts, indem die Patienten über weitere zwei Jahre begleitet werden. Kann die Untersuchung erfolgreich abgeschlossen werden, wäre dies ein bedeutender Schritt hin zum ersten marktreifen Produkt für CRISPR Therapeutics. Weitere Forschungsprogramme sind die Immunologie und Onkologie, die sich ebenfalls im klinischen Stadium befinden. In Anwendung von CRISPR arbeitet das Unternehmen an der Herstellung von Produkten zur Behandlung von Krebszellen, die direkt verfügbar, das heißt direkt von der Stange verabreicht werden. Die insgesamt vier Hauptforschungsgebiete von CRISPR Therapeutics sprechen für eine stabile Diversifikation. Dennoch ist zu beachten, dass sich die Projekte des Unternehmens noch immer in Forschungsstadien befinden, was zuverlässige Prognosen erschwert. Das sollten Anleger bei ihrer Entscheidung berücksichtigen. 

Corteva Inc (US22052L1044)

Die CRISPR-Technologie steht auch beim US-amerikanischen Agrarunternehmen Corteva im Fokus: Genome-Editing zur Verbesserung der Krankheitsresistenz von Nutzpflanzen und zur Verbesserung des Nährwerts von Getreide für Lebens- und Futtermittelzwecke. Das Kerngeschäftssegment ist die Zulieferung von Saatgut und Pflanzenschutzprodukten in enger Zusammenarbeit mit Interessenvertretern der gesamten Lebensmittelversorgungskette. 2019 hat das US-Agrarunternehmen trotz der anhaltenden Debatte über die Zukunft der Pflanzenzüchtung in Europa mit dem französischen Saatguthersteller Vilmorin & Cie. ein Lizenzabkommen über Genome Editing Anwendungen unterzeichnet. Das ermöglicht dem französischen Unternehmen Zugang zu bestimmten CRISPR-Cas9-Patenten, bei dem es um die Genomeditierung für den landwirtschaftlichen Einsatz geht. Dem Geschäft kommt damit vor dem Hintergrund der Rechtslage in Europa über die GVO-Richtlinien des Gen-Editings eine hohe Bedeutung zu. Corteva ist stark vernetzt: mit dem Internationalen Reisforschungsinstitut (IRRI) wurde ein Rahmenabkommen abgeschlossen, um bei der Entwicklung von Züchtungsprogrammen zusammenzuarbeiten, den nachhaltigen Reisanbau zu fördern und neue Reissorten zu entwickeln, die höhere Erträge liefern und widerstandsfähiger gegen Umwelteinflüsse sind. Die Verbindungen mit dem Du Pont-Konzern, aus dem Corteva im Jahr 2019 hervorging, sichert insbesondere auf dem heimischen US-Markt die Kontakte zu Landwirten und Agrarverbänden. Im Vergleich zu vielen anderen Akteuren im CRISPR-Sektor handelt es sich bei Corteva bereits um ein Unternehmen mit beträchtlicher Größe und einem diversifizierten, etablierten Geschäftsmodell, der Jahresumsatz belief sich zuletzt auf umgerechnet 13,85 Milliarden US-Dollar. Die Umsätze stimmen also auch unabhängig von der CRISPR-Technologie. Die weiter steigenden Preise für Saatgut kommen Corteva zugute und sollten weitere Vermarktungs-, aber auch Investitionsmöglichkeiten für CRISPR-editierte Samen ermöglichen.

Editas Medicine Inc (US28106W1036)

Editas Medicine hat sich der Entwicklung genomischer Medikamente zur Behandlung eines breiten Spektrums schwerer Krankheiten gewidmet. Entwickelt wurde seit der Gründung 2013 in den USA eine Genome-Editing-Plattform, die auf der CRISPR-Technologie basiert. Die Produktentwicklungsstrategie zielt auf Krankheiten mit ungedecktem Bedarf ab. Mithilfe der CRISPR-Technologie könnte diese Lücke geschlossen und eine robuste Pipeline von Medikamenten aufgestellt werden. Erforscht werden sowohl in vivo gen-editierte Medikamente, bei denen Gene innerhalb des Körpers editiert werden, als auch ex vivo gen-editierte Zellmedikamente, bei denen die Mutation außerhalb des Körpers erfolgt und die editierten Zellen später in den Patienten übertragen werden. Am stärksten konzentriert sich Editas derzeit auf das Programm zur Behandlung von Hämoglobinopathien und Krebs. Darüber hinaus präsentierte das Unternehmen in diesem Zusammenhang auch einen auf die Massenproduktion ausgelegten Produktionsprozess für die Medikamente der neuen Plattform. Das könnte ein positives Signal für Investoren sein, denn die Produkte von Editas stehen auch im Rahmen des Trends um die personalisierte Medizin, wodurch die Produkte in hohem Tempo vermarktet werden könnten. Die Besonderheit bei Editas ist der plattformbasierte Ansatz zur Behandlung unterschiedlicher Anwendungsfelder und Krankheitsbilder. Potenziell könnte das Unternehmen diese Plattform neben Eigenentwicklungen auch für Kundenunternehmen verfügbar machen und die Erträge der Technologie somit nochmals bedeutend erhöhen. Analog zur CRISPR Therapeutics gilt jedoch auch hier zu beachten, dass sich die Kandidaten des Unternehmens noch in der klinischen Erprobung befinden und die letztendliche Vermarktbarkeit noch mit Unsicherheit behaftet ist.


DruckversionArtikel melden

0 Kommentare Kommentar verfassen

x