Analyse Aktien Carbon Capture and Storage

Carbon Capturing: Ein wichtiger Faktor für den Klimaschutz?

Ein Beitrag von Mr. Dow 5 29.01 - 15:11

Carbon Capturing und Storage (CCS) könnte zwischen 65 bis 80 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes dauerhaft aus der Atmosphäre extrahieren. Industriesektoren mit hoher Emissionsintensität, wie die Energie- und Chemiebranchen oder die Schwerindustrie haben auf diese Technologien ein Auge geworfen. Sollten sich Investoren auf steigende Kurse einstellen?
 
NRG Energy Inc.
 
 
Equinor
 
 
Aker Carbon Capture AS
 

CCS bezeichnet das Verfahren, CO2 im Zuge der Verbrennung fossiler Rohstoffe zu sammeln und anschließend im Erdboden oder im Meeresgrund zu lagern. Problematisch bleibt allerdings der zusätzliche Energieaufwand: zur Abscheidung werden Lösungs- und Sorptionsmittel eingesetzt, die mit Filtern arbeiten und das abgeschiedene CO2 zur Speicherung isolieren und wieder freisetzen. Für diese Prozesse ist ein hoher Energieaufwand nötig, welcher die Energiebilanz der Produktionsprozesse zu Beginn sogar belastet. Einen effektiven Beitrag zum Klimawandel kann das Verfahren also nur leisten, wenn das eingelagerte CO2 dauerhaft und nachhaltig aufbewahrt wird. Vor diesem Hintergrund wird für den CCS Markt in den kommenden Jahren ein rapides Wachstum prognostiziert. Antreiber dafür sind die Expansion von Anwendungsgebieten von CO2 in der Erdölförderung, der Ureaproduktion sowie der Mineralisierung sowie die technischen Fortschritte, die die Anlagenkosten senken sollen.

 

Aker Carbon Capture AS (NO0010890304)

Beim norwegischen Unternehmen Aker Carbon Capture stehen Carbon Capturing-Prozesse im Fokus der Unternehmenstätigkeit. Die Produktpalette deckt Anwendungsfälle von der Abscheidung für die Industrie, Energieversorger und Wasserstoffproduzenten bis zur Nutzung in der Erdölförderung und -speicherung ab. Die CO2-Abscheidungstechnologie bedient sich einer Zusammensetzung von Wasser mit organischen Aminelösungsmitteln. Hauptvorteil ist, dass der Prozess auf jegliche Emissionsquellen angewendet werden kann: Gas, Kohle, Zement, Raffinerieprozesse und andere industriellen Verfahrensweisen. Dadurch soll mit niedrigem Energieverbrauch möglichst viel Kohlendioxid abgeschöpft werden.

2020 schloss sich Aker dem Projekt an, die weltweit größte großtechnische Anlage für die Nutzung der Carbon Capture Technologie für einen Zementhersteller zu bauen. Der Vertrag wurde in Zusammenarbeit mit Norcem geschlossen – einem Tochterunternehmen von HeidelbergCement. Der Bau ist Teil des Carbon Capture-Demonstrationsprojekts der norwegischen Regierung und wird auch von ihr finanziert. Aker erklärte sich bereit, eine Beschaffungs- und Lageranlage in Brevik (Norwegen) bereitzustellen, wo Norcem seine Produktion unterhält. Die jährlich 400.000 metrischen Tonnen CO2, die vom Zementproduzent verursacht werden, sollen durch die von Aker entwickelte Advanced Carbon Capture-Technologie (ACC) und das umweltfreundliche Aminelösungsmittel abgeschieden und dauerhaft gelagert werden. Der breite Anwendungsfokus seiner Technologien und der bevorstehende Produktivbetrieb der Pilotanlage könnten für ein Investment in das norwegische Unternehmen sprechen, auch wenn Anleger die operative Profitabilität der Anlage interessiert verfolgen sollten.

Equinor (NO0010096985)

Equinor ASA ist ein international tätiges Energieunternehmen und Gaslieferant für die Industrie sowie den Wärme- und Strommarkt. „Troll A“ heißt das größte Projekt von Equinor, es handelt sich um eine Förderplattform für Erdgas. Equinor fungiert seit zwei Jahrzehnten als Förderer auf dem Troll-Feld in der Nordsee. Die Norweger beteiligt sich darüber hinaus nicht nur in der Gas- und Ölindustrie, sondern verlagert seinen Fokus verstärkt auf erneuerbare Energien, hierzu zählen Projekte wie Windparks in Großbritannien und Deutschland sowie Solarparks in Argentinien.

Equinor verfolgt gemeinsam mit Shell und Total das CCOS-Projekt „Northern Lights“. Ziel ist die Etablierung einer Wertschöpfungskette für den Transport und die Speicherung von CO2 bis zum Jahr 2024. Herausragend ist, dass damit die Emissionen unmittelbar vor Ort in Industrieanlagen verflüssigt und mit dem Schiff nach Norwegen gebracht werden können. Das CO2 soll anschließend 2.000 Meter tief unter dem Meeresboden eingespeist werden, mit einer Gesamtspeicherkapazität von jährlich 1,5 Millionen Tonnen. Da der Transport über Schiffe verläuft, könnten große Mengen CO2 aus ganz Europa aufgenommen werden. Damit wollen die beteiligten Unternehmen einen Beitrag zur Dekarbonisierung der Umwelt leisten. Das finale „Go“ zum Start gab die norwegische Regierung Mitte Dezember 2020. Die Projektpartner planen nach erfolgter Investitionsentscheidung die Gründung eines Joint Venture. Die Anfangsinvestitionen belaufen sich auf fast 6,9 Mrd. norwegische Kronen (ca. 640 Mio. Euro), wobei es durchaus möglich ist, dass die Kapazität des Projekts zukünftig expandiert. Diese Investitionen sind vor allem der Nachfrage großer CO2-Emittenten geschuldet. Die guten Verbindungen und Geschäftsbeziehungen im fossilen Energiesektor könnten für den norwegischen Konzern in Bezug auf das Carbon Capturing noch wertvoll werden.

NRG Energy Inc. (US6293775085)

Der US-amerikanische Energieerzeuger ist zum Energieversorger für Eigenheime und Unternehmen gewachsen. Die Energieerzeugung teilt sich auf die folgenden Energieträger auf: Erdgas, Kohle, atomare sowie erneuerbare Energien. In Carbon Capturing investiert NRG bereits seit 2016. In Zusammenarbeit mit JX Nippon – einem Explorationsunternehmen für Öl und Gas – entstand im gleichen Jahr eine der größten Carbon Capture Anlagen in dem kohlebetriebenen Petra Nova Werk in der Nähe von Houston. NRG zielte damit vor allem auf die CO2- Reduktion in der Fossilbrennstoffindustrie. Seitdem sind NRG und JX Nippon ein 50/50 Joint Venture eingegangen. Aufgrund der wirtschaftlichen Rezession wurde die CCS-Anlage seit Mai 2020 allerdings auf Shutdown-Modus eingestellt und ist deshalb derzeit nicht in Betrieb. Es ist geplant, den Betrieb wieder aufzunehmen, sobald es möglich ist. Während diese temporäre Schließung durchaus kritisch zu betrachten ist, so sind die Erfahrungswerte, die NRG als Energieversorger im Bereich Carbon Capturing sammelt, positiv zu bewerten. Im Gegensatz zu Equinor und Aker besitzt das Unternehmen zudem bereits Erträge und Cashflows aus dem operativen Geschäft, ist weniger abhängig vom Durchbruch der CCS-Technologien als die beiden norwegischen Konkurrenten. Als Pionier unter den Energieversorgungsunternehmen könnte sich NRG somit für risikoaverse Anleger eignen.


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