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Demenz: Fieberhafte Suche nach Therapieansätzen!

Ein Beitrag von Mr. Dow 5 29.09 - 12:26

Die Zahl der Demenzerkrankungen, vor allem in der häufigsten Verlaufsform Alzheimer, steigt weltweit nach wie vor signifikant an. Vor allem die Alterung von Gesellschaften begünstigt diese Situation vielerorts. Medikamente zur Therapie der Krankheitsursachen sind bisher noch nicht erhältlich, Ansätze und Medikamentenkandidaten befinden sich jedoch in der klinischen Erprobung.
 
Axsome Therapeutics Inc
 
 
Cassava Sciences Inc
 
 
Biogen Idec Inc
 

Eine der Herausforderungen vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung der westlichen Welt ist die damit einhergehende Steigerung alterungsbedingter Erkrankungen. Bereits heute leiden 1,6 Millionen deutsche Bürger an Demenz. Da sich die Erkrankung lange hinziehen kann, übersteigt die Zahl der Neuerkrankungen mittlerweile die Sterbefälle. In Verbindung mit der stetig alternden Bevölkerung könnte die Zahl der Erkrankten, laut einer Studie der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, bis zum Jahr 2050 auf bis zu 3 Millionen Menschen steigen. Global betrachtet stellt sich die Situation ähnlich dar. Medizinische Studien gehen derzeit von 46,8 Millionen Erkrankten aus, diese Zahl könnte bis zum Jahr 2050 auf mehr als 131 Millionen steigen. Pharmaunternehmen beschäftigen sich seit Längerem mit Ansätzen zur Verlangsamung des Krankheitsverlaufs, der Behandlung der Symptome sowie Diagnosemöglichkeiten zur Erkennung der Krankheit, eine Heilung von der Krankheit ist derzeit noch nicht möglich. Im Jahr 2013 betrug der weltweite Umsatz dieser Therapeutika 4,9 Milliarden US-Dollar, laut einer Studie der Marktforschungsgesellschaft GlobalData könnte dieser Wert bis zum Jahr 2023 auf 13,3 Milliarden US-Dollar steigen. Einige der Unternehmen mit aktuell interessanten Ansätzen im Zusammenhang mit der Demenztherapie werden daher näher beleuchtet.

Axsome Therapeutics Inc (US05464T1043)

Im Zusammenhang mit der Erforschung eines Medikaments zur Behandlung von Alzheimer, der häufigsten Diagnose bei Demenzerkrankten, konnte das amerikanische Biopharmaunternehmen Axsome Therapeutics kürzlich positive Nachrichten vermelden. Der Kandidat des Unternehmens zur Behandlung von depressiven Erkrankungen und Alzheimer, AXS-05, konnte in einer klinischen Studie der Phase 3 namens „GEMINI“ signifikant Wirkung erzielen. Zwar stand dieser Test in Zusammenhang mit der Therapie depressiver Phasen, erweitert jedoch den Bestand an positiven Studienergebnissen, wodurch eine Zulassung wahrscheinlicher wird. Bereits im April konnte Axsome Therapeutics positive Ergebnisse der Studie ADVANCE-1 vermelden, die sich auf die Linderung von Unruhe-Symptomen bei Alzheimer-Patienten bezog. Ende August bestätigte die US-Arzneimittelbehörde FDA, dass zur Zulassung von AXS-05 zur Behandlung von Agitation bei Alzheimer-Patienten lediglich eine weitere Wirksamkeitsstudie mit einem Placebo-Vergleich notwendig sei. Sollte auch diese Erprobung positiv verlaufen, könnte Axsome Therapeutics erstmalig Umsätze generieren. Noch im zweiten Quartal des laufenden Jahres betrug der Nettoverlust pro Aktie 49 US-Cent. Zu den Umsatzzielen in Zusammenhang mit der Behandlung von Alzheimer sind noch keine genauen Informationen bekannt. Sofern sich AXS-05 in den klinischen Studien auch für die Behandlung depressiver Krankheitsformen als geeignet herausstellt, schätzt das Unternehmen das Umsatzpotenzial des Medikaments auf 1 bis 2 Milliarden US-Dollar pro Jahr, allein für diesen Anwendungsfall. Der Umstand, dass Axsome Therapeutics für mehrere Krankheitsformen Kandidaten in späteren Phasen der klinischen Erprobung hat, könnte risiko-aversen Anlegern entgegenkommen. Der Kandidat AXS-07 zur Behandlung von Migräne befindet sich ebenfalls bereits in der dritten klinischen Phase. Investoren sollten jedoch auch die Umsatzentwicklung genau im Blick behalten. Bisher konnte die Gesellschaft noch keine Umsätze vorweisen, weshalb auch die Prognosen von Axsome Therapeutics Ungewissheit beinhalten, wenngleich sich die Einschätzungen einiger Brancheninsider und Analysten weitestgehend mit den Unternehmensangaben decken.

Biogen Idec Inc (US09062X1037)

Das in Massachusetts ansässige Pharmaunternehmen Biogen hat ebenfalls Kandidaten gegen Demenzerkrankungen in der eigenen Pipeline. Für ein Alzheimer-Medikament namens „Aducanumab“ hat die Gesellschaft im Juli dieses Jahres einen Zulassungsantrag bei der FDA eingereicht. Aducanumab hat seine Wirksamkeit in einer von zwei klinischen Phase-3-Studien nachgewiesen. Im Rahmen der Studie „EMERGE“, die Patienten über einen Zeitraum von 78 Wochen behandelte, konnten signifikante Effekte bei der Linderung kognitiver Beeinträchtigungen sowie der Gedächtnisleistung festgestellt werden. Noch im März 2019 hatte das Unternehmen mit einer Einstellung des Projekts kokettiert, eine Ausweitung der Datenbasis zur Analyse der Wirksamkeit scheint jedoch ausreichende Konfidenz für die Beantragung eines Zulassungsverfahrens geliefert zu haben. Im Rahmen dieses Antrags wurde Biogen eine Prioritätsbeurteilung eingeräumt, was den Zulassungsprozess beschleunigt. Bedenken seitens der FDA könnten in Gehirnschwellungen begründet sein, welche durch eine hohe Dosierung des Medikaments verursacht werden. Diese Schwellungen waren nicht erheblich, es stellt sich jedoch die Frage, ob die nachgewiesenen Behandlungserfolge der Behörde ausreichen, um über diese Nebenwirkung hinweg zu sehen. Somit könnte auch der Fall eintreten, dass Aducanumab lediglich für die Behandlung und Milderung sehr früher Erkrankungsformen zugelassen wird. Angesichts der Zahl von 5 Millionen Erkrankten in den USA könnte das Medikament aber auch in diesem Szenario lukrativ sein. Neben Aducanumab hat Biogen auch den Kandidaten „BAN2401“ bereits in der dritten Phase der klinischen Testung. Dieses Medikament verfolgt, ähnlich zu Aducanumab, einen Antikörper-basierten Ansatz und zielt auf eine passive Immunisierung gegen das Eiweiß Beta-Amyloid, welches mit der Zerstörung von Nervenzellen assoziiert wird. Potenziell wären im Falle der Zulassung beider Medikamente zukünftig auch Kombinationstherapien denkbar. Entwickelt werden beide Medikamente in Zusammenarbeit mit dem japanischen Pharmakonzern Eisai, vollumfänglich könnte sich Biogen die Einnahmen also nicht sichern. Für Anleger könnte Biogen trotz des schwebenden Zulassungsverfahrens für Aducanumab einen Blick wert sein. Die beiden Kandidaten des Unternehmens setzen auf die medikamentöse Behandlung der Ursachen der Krankheit. Dieses Alleinstellungsmerkmal könnte die Produkte auf dem Markt hervorheben und Absatzpotenziale erzeugen. Analog zu Axsome Therapeutics verfügt auch Biogen über weitere Phase-3 Kandidaten für andere Krankheiten, beispielsweise Lupus oder Multiple Sklerose, welche ebenfalls zum künftigen Unternehmenserfolg beitragen könnten.

Cassava Sciences Inc (US14817C1071)

Auch das Unternehmen Cassava Sciences besitzt ein Medikament gegen Alzheimer in der klinischen Erprobungsphase. Das Medikament sumifilam, welches sich auf das Gerüstprotein filamin A konzentriert, hat in einer klinischen Studie der zweiten Phase kürzlich überzeugende Ergebnisse geliefert. 64 Patienten wurden in drei Gruppen eingeteilt, wovon zwei der Gruppen 50 beziehungsweise 100 Milligramm des Wirkstoffs verabreicht wurde. Bei der dritten Gruppe handelte es sich um eine Vergleichsgruppe, der ein Placebo gegeben wurde. Nach 28 Tagen stellten die Forscher nach einer Analyse des Fluids, das sich im Gehirn von Alzheimer-Patienten bildet, fest, dass einige der Biomarker, die mit Demenzerkrankungen assoziiert sind, in den Wirkstoffgruppen signifikant gesunken waren. Cassava Sciences hat sich im Zusammenhang mit seiner Alzheimer-Forschung bisher 7 Patente gesichert, auch im Anschluss an die jüngste Phase-2-Testung wurde dem Unternehmen ein Patent bewilligt, welches sumifilam bis ins Jahr 2037 schützt. Der Ansatz des Unternehmens ist vielversprechend, zur Realisierung von Studien der dritten klinischen Phase ist Cassava Sciences jedoch wahrscheinlich auf Partnerunternehmen angewiesen. Im Vergleich zu den beiden vorherigen Gesellschaften handelt es sich hier um ein kleines Unternehmen, das aktuell beispielsweise lediglich über einen Kassenbestand von 25 Millionen US-Dollar verfügt. Aufgrund der Patentlage könnte eine solche Entwicklungskollaboration für Cassava Sciences dennoch eine gute Wachstumsmöglichkeit darstellen. Das Verhältnis des Umsatzpotenzials zur Unternehmensgröße ist in diesem Fall am günstigsten, auch wenn die Bewertung der Aktie in den vergangenen Wochen bereits stark gestiegen ist. Anleger sollten jedoch die Überführung von sumifilam in die nächste klinische Phase beobachten, vor allem zu welchen Bedingungen diese für Cassava Sciences realisierbar ist. Auch die weitere Entwicklung der Erprobung ist von Interesse. Unter dem Namen „Pain Therapeutics“ hatte das Unternehmen zuvor wiederholt versucht, das Medikament „Remoxy ER“, ein missbrauchssicheres Schmerzmittel, durch die FDA genehmigen zu lassen. Letztlich musste die Kommerzialisierung dieses Medikament, trotz zuvor aussichtsreicher Studien, verworfen werden.  

 


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