Analyse Aktien Elektroauto - Produzenten

Elektromobilität: Aktuelle Entwicklungen und Marktlage

Ein Beitrag von Mr. Dow 2 14.08 - 9:00

Im ersten Quartal konnte der Absatz elektrifizierter Fahrzeuge in den westlichen Märkten weiter stark zulegen, immer mehr Hersteller intensivieren ihre Entwicklungsbemühungen für eine Erweiterung ihres Angebots an Elektromodellen. Daher könnte ein Blick auf zwei vollelektrische Produzenten und einen konventionellen Anbieter, der sein E-Angebot derzeit stark erweitert, durchaus lohnen.
 
Tesla Motors Inc
 
 
Hyundai Motor Co Ltd
 

Die Absatzentwicklung elektrischer Fahrzeuge setzte im ersten Quartal trotz der Corona-Pandemie ihre positive Entwicklung in Europa und Nordamerika fort. Der Absatz vollelektrischer Automobile stieg in den 5 wichtigsten europäischen Märkten um 120 Prozent auf 79.000 und in den USA um 15 Prozent auf 48.000 Einheiten. Der chinesische Markt wurde in diesem Quartal stärker als die Vergleichsmärkte von Corona getroffen und leidet noch unter dem Wegfall der hohen Subventionen aus den Vorjahren. Die chinesische Regierung verfolgt jedoch nach wie vor ambitionierte Ziele bezüglich der E-Mobilität und könnte den Markt in den kommenden Jahren abermals anschieben, auch um den eigenen Unternehmen international Vorschub zu leisten. Eines der chinesischen Start-Ups ließ mit seinen jüngsten Zahlen hierbei aufhorchen.

NIO wird von der Presse regelmäßig als das „Tesla Chinas“ bezeichnet, der chinesische Automobilkonzern fertigt ausschließlich Elektroautos. Bisher fokussierte sich das Unternehmen auf die Produktion von zwei SUVs. In Zukunft sollen auch weitere Fahrzeugkategorien die Zielgruppe des Konzerns erweitern. In den nächsten 18 Monaten plant NIO die Markteinführung von zwei weiteren SUV-Modellen, zwei Limousinen sowie eines Minivans. Dieses schnelle Wachstum ist unter anderem möglich, weil sich das Unternehmen, entgegen früherer Ankündigungen, zunächst darauf beschränkt, bestehende Infrastruktur zu nutzen. Das Hauptwerk in Hefei, ein Joint Venture mit dem staatlichen Produzenten JAC Motors, profitiert vom Know-How und der Zuliefererstruktur des Partners und erlaubte eine schnelle Skalierung der Produktionszahlen. Knapp zwei Jahre nach der Produktionsaufnahme rollte kürzlich das 50.000. produzierte Modell aus dem Werk. Bereits kommenden Monat soll die Kapazität des Werks auf 5.000 Einheiten pro Monat steigen. Technologisch ist NIO gut aufgestellt. Die technischen Daten der beiden aktuell verfügbaren Modelle lesen sich mit Reichweiten von 580 beziehungsweise 610 Kilometern gut. Noch wichtiger könnte in Zukunft jedoch der Umstand sein, dass das Unternehmen einer der wenigen Wettbewerber ist, welches eine funktionsfähige Batterietausch-Technologie entwickelt hat. NIO betreibt derzeit 138 Austauschstationen in 62 chinesischen Städten. Der Tausch einer Batterie dauert 3 Minuten, bisher wurden mehr als 650.000 solcher Transaktionen durchgeführt. Künftig wäre hierdurch auch der Betrieb von NIO-Modellen mit variabler, bedarfsgerechter Kapazität möglich, wodurch sich für den chinesischen Automobilhersteller neue Marktpotenziale im Bereich „Battery-as-a-Service“ ergeben könnten. Im vergangenen Quartal konnte NIO trotz der Corona-Krise Rekordzahlen vermelden. Im Vergleich zum Vorjahresquartal konnten die Auslieferungen um 190,8 Prozent und der Gesamtumsatz um 146,5 Prozent gesteigert werden. Die Bruttomarge betrug 8,4 Prozent, im Vorjahreszeitraum lag diese noch bei -33,4 Prozent. Dieser letzte Umstand ist für die Bewertung des Unternehmens von besonderer Bedeutung. Die Profitabilität fiel in der Vergangenheit stets negativ aus. Dieser Umstand betrifft junge, stark expandierende Technologieunternehmen häufiger. Sollte es NIO in Zukunft jedoch nachhaltig gelingen, das starke Wachstum profitabel zu gestalten, könnte das Unternehmen für Anleger, die eine Alternative zu Tesla suchen, tatsächlich interessant werden.

Hyundai Motor Co Ltd (USY384721251)

Lange Zeit galt Hyundai auf den europäischen und amerikanischen Automobilmärkten als „graue Maus“. Seit Mitte der 2000er-Jahre bemühte sich der Konzern, auch für die zweite Hauptmarke Kia Motors, um aufregendere Designs und technologische Innovationen. In der Folge konnte das Unternehmen auf den internationalen Märkten bedeutende Marktanteile gewinnen. Diesen Aufstieg plant das Management nun durch die Elektromobilität auszuweiten. Kürzlich gab das Unternehmen bekannt, dass die Elektroautomobile zukünftig im Rahmen einer eigenen Submarke namens „IONIQ“ vermarktet werden. Die für das vollelektrisch erhältliche Fahrzeugmodell IONIQ entwickelte Plattform „E-GMP“ wird vermutlich zunächst für die schnelle Entwicklung weiterer Fahrzeuge genutzt. Geplant ist zunächst ein Crossover-Modell namens „IONIQ 5“, ein kleines SUV, welches neben der bisher erhältlichen Limousine ein weiteres populäres Marktsegment bedienen soll. Größere Versionen dieser beiden Modelle sind derzeit für die Jahre 2022 und 2024 vorgesehen. Hyundai hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt und möchte bis 2025 der weltweit drittgrößte Anbieter elektrischer Fahrzeuge sein. Derzeit kalkuliert man für 2025 mit einem Absatz von bis zu 670.000 Einheiten, diese sollen sich global auf bis zu 16 unterschiedliche Modelle verteilen. Zählt man die geplanten Hybrid- und Plug-In-Hybrid-Modelle mit, so würden zu diesem Zeitpunkt 46 Fahrzeuge das elektrifizierte Lineup bilden. Hierzu sind in den kommenden fünf Jahren Investitionen in Höhe von 46,3 Milliarden Euro vorgesehen. Einen Teil dieser Summe wird der Konzern auch für weitere zentrale Bestandteile der Zukunftsstrategie, vernetzte Services und die Brennstoffzelle, verwenden. Dennoch lässt der Umfang der Investments erkennen, dass das Management in der Antriebsrevolution die Chance sieht, Prestigenachteile bei konventionellen Fahrzeugen ausgleichen zu können. Ähnliche Aussagen gab zuletzt der südkoreanische Präsident Moon Jae-in zu Protokoll. Eine regierungsseitige Unterstützung der Konzernstrategie könnte für Hyundai im internationalen Wettbewerb künftig wichtig werden. Hyundai könnte für Investoren mit einer höheren Risikoaversion interessant sein, da der Konzern, zusätzlich zu seinem E-Mobilitäts-Programm, zwei Marken auf dem konventionellen Automobilmarkt etabliert hat, welche das operative Geschäft stützen können.

Tesla Motors Inc (US88160R1014)

Im Zuge einer Analyse zur E-Mobilität kommt man am Platzhirsch aus den USA nach wie vor nicht vorbei. Kürzlich hat Tesla angekündigt, einen 5-zu-1 Aktien-Split durchzuführen. Nach aktuellem Stand wäre eine Tesla-Aktie im Anschluss rund 270 Euro wert und somit für eine breitere Anlegerschaft erschwinglich. Das Kalkül hinter dem Split dürfte die Aufnahme der Aktie in den Dow Jones Industrial Average sein, für den die Bewertung aufgrund der Preisgewichtung zuvor zu hoch ausfiel. Positiv zu bewerten ist, dass es Tesla in den vergangenen Monaten gelungen ist, den hohen Lagerbestand an Fahrzeugen abzubauen. Dieser Umstand könnte auch den Produktionseinschränkungen im Zuge von CoVid-19 geschuldet sein, beseitigt dennoch einen großen Kritikpunkt am Unternehmen. Bei den teureren Modellen X und S konnten 65 Prozent des Lagerbestands abverkauft werden. Trotz der Produktionshürden konnten die Auslieferungen im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um 49 Prozent auf knapp 368.000 gesteigert werden. Durch die Markteinführung des Model Y könnten diese Zahlen zukünftig noch weiter steigen. Aus diesem Grund realisiert Tesla derzeit die neue Produktionsstätte in Brandenburg und erweitert das Werk im kalifornischen Fremont. Darüber hinaus wurde für diesen Zweck ein weiteres Werk im texanischen Austin angekündigt. Anleger sollten die Auslieferungszahlen für dieses Modell im Blick behalten, um den Erfolg nachzuvollziehen. Tesla hat bisher nämlich noch keine Zahlen zu den Vorbestellungen veröffentlicht. Weiteres Potenzial könnte sich für Tesla zukünftig aus seiner technologischen Basis ergeben, die Debatte zum Wert des Tesla-Autopiloten zeigt unter anderem auf, dass das amerikanische Unternehmen softwareseitig die beste Infrastruktur der vorgestellten Wettbewerber besitzt. Die variable Bepreisung von Ausstattungsmerkmalen könnte Tesla in den kommenden Jahren somit einen wesentlichen Vorteil verschaffen.


DruckversionArtikel melden

0 Kommentare Kommentar verfassen

x