Analyse Aktien Food Delivery

Food Delivery: Ändert sich das Konsumverhalten nachhaltig?

Ein Beitrag von Mr. Dow 5 04.07 - 11:36

Die Corona-Pandemie befeuerte das Geschäft von Essenslieferanten und Kurierdiensten. Viele dieser Services verzeichneten eine stark wachsende Kundenbasis und steigende Umsätze. Wie profitieren diese Unternehmen aktuell von ihrer derzeitigen Geschäftslage und könnten die Zugewinne auch zukünftig Bestand haben?
 
HelloFresh
 
 
Blue Apron Holdings Inc
 
 
Uber Tech
 

In den vergangenen Monaten suchten Investoren vermehrt in Aktien von Lebensmittelkonzernen Zuflucht. Die Absätze dieser Konzerne stiegen in Folge der Ausgangsbeschränkungen im Rahmen der Corona-Pandemie stark an und bescherten den Unternehmen überdurchschnittliche Profite. Von der Schließung der Restaurants konnten jedoch auch weitere Dienstleister profitieren. Vor allem die Eat-at-Home Anbieter, die vorpräparierte Lebensmittelboxen an ihre Abonnenten versenden, sowie die Kurierdienste für Essenslieferungen verbuchten einen starken Anstieg ihrer Geschäftsaktivitäten. In beiden Branchen keimt nun Hoffnung, dass dieser vorübergehende Absatzanstieg sich auch in dauerhaft höherem Geschäftsaufkommen nach der Krise manifestieren könnte, etwa durch sich verändernde Konsumgewohnheiten in der Gesellschaft oder durch die Erhaltung der Neukunden, die im Zuge der Pandemie auf die Services aufmerksam wurden. Daher wird im Folgenden ein Blick auf einige der wichtigsten Wettbewerber im Segment der Essenslieferung geworfen, um deren aktuelle Situation zu beleuchten.

HelloFresh (DE000A161408)

Einer der Hauptakteure auf diesem Markt ist das 2011 in Berlin gegründete Unternehmen HelloFresh. Unter den deutschen Aktien zählte HelloFresh während der Corona-Pandemie zu den größten Profiteuren. Im ersten Quartal verbuchte das Unternehmen im Jahresvergleich einen Umsatzzuwachs von 66,4 Prozent auf 699,1 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr geht das Management daher von einem Gesamtumsatzwachstum zwischen 40 und 55 Prozent aus. Die steigenden Umsätze waren auch auf einen starken Zuwachs an Neukunden zurückzuführen. Belief sich die Zahl der Abonnenten des Unternehmens vor einem Jahr noch auf knapp 2,5 Millionen, so besitzt HelloFresh derzeit einen Kundenstamm von 4,18 Millionen Nutzern. Ein bedeutender Grund für die gute Geschäftsentwicklung von HelloFresh liegt im Engagement auf dem amerikanischen Markt, hier betrug die Umsatzsteigerung gar 82 Prozent. HelloFresh profitiert auf dem amerikanischen Markt von dem höher liegenden Preisniveau für Fertiggerichte. Da es sich um den bedeutendsten Absatzmarkt des Unternehmens handelt, ist die starke Expansion hier aus Sicht der Anleger besonders begrüßenswert. Während HelloFresh wächst, profitiert das Unternehmen stark von Skaleneffekten. Die Lieferkosten stellten vor allem in Regionen mit geringer Kundendichte ein Problem dar, das starke Umsatzwachstum verbessert zudem die Verhandlungsposition mit den Zulieferern der Zutaten. Auch wenn sich HelloFresh während der Corona-Pandemie im Einkauf, aufgrund der hohen Nachfrage, noch einem hohen Preisniveau gegenübersah, so geht die Unternehmensführung für das Gesamtjahr 2020 von einer EBITDA-Marge von 6 bis 10 Prozent aus und unterstreicht damit die Erwartung eines profitablen Geschäftsjahrs. Einer der Haupttreiber sind in diesem Zusammenhang auch die geringen Marketingkosten, welche in Folge einer hohen Reaktivierungsrate bestehender Konten von 31 Prozent in 2019 auf 17 Prozent des Umsatzes im aktuellen Jahr sanken.

Blue Apron Holdings Inc (US09523Q2003)

Einer der größten Konkurrenten von HelloFresh auf dem amerikanischen Markt ist das dort heimische Unternehmen Blue Apron. In den vergangenen Jahren sah sich Blue Apron mit rückläufigen Kundenzahlen konfrontiert. Verzeichnete die Gesellschaft zur Zeit seines Börsengangs noch circa eine Millionen Kunden, so belief sich diese Zahl zu Beginn des Jahres noch auf 360.000. Seither hat Blue Apron seine Marketingaktivitäten umgestellt und die Zielgruppe angepasst. Künftig möchte man verstärkt zahlungskräftigere Kunden ansprechen, um einen höheren Spielraum bei der Marge generieren zu können. Die Ereignisse der vergangenen Monate haben diese Entwicklung beschleunigt. Das Unternehmen fokussiert sich seit der Schließung seiner dritten Niederlassung in Arlington, Texas, auf zwei Produktionsstätten in New Jersey und Kalifornien. Von diesen beiden Standorten heraus erreicht das Unternehmen kostengünstig die Bundesstaaten mit den höchsten Pro-Kopf-Ausgaben pro Mahlzeit: New York, Washington, Kalifornien, Maryland und Nevada. In der Vergangenheit hatte Blue Apron erfolglos versucht, über hohe Nachlässe und Neukundenrabatte Marktanteile zu gewinnen. Auch von dieser teuren Strategie ist das neue Management abgekommen. Das Unternehmen scheint besser zu verstehen, welche Kundengruppen angesprochen werden sollen. Im vergangenen Jahr halbierten sich die Marketingausgaben teilweise um die Hälfte, die Auftragszahlen sanken jedoch unterproportional dazu. Investoren sollten den Erfolg der angekündigten, abermaligen Steigerungen der Marketingaufwendungen abwarten, um einschätzen zu können, ob Blue Apron wirklich ein besseres Verständnis für vielversprechende Zielgruppen entwickelt hat. Die bestehende Kundenbasis scheint Blue Apron aktuell zufrieden zu stellen. Im ersten Quartal des Jahres 2020 stieg der durchschnittliche Pro-Kopf-Umsatz pro Kunde um 5 Prozent und die Bestellungen pro Kunde konnten um 4 Prozent zulegen. Beide Kennzahlen somit stiegen im fünften Quartal in Folge. Gewinne konnte die Gesellschaft in Q1 2020 jedoch nicht verzeichnen. Der Nettoverlust belief sich auf 20 Millionen US-Dollar, das bereinigte EBITDA wies einen Verlust von 5,8 Millionen US-Dollar auf. Beide Werte lagen jedoch innerhalb der Prognosen des Managements, zudem konnte der Nettoumsatz im Vergleich zum vorherigen Quartal um 8 Prozent zulegen. Die Senkung der Kosten, welche vom neuen Management initiiert wurden, sowie das bessere Verständnis der eigenen Kundenbasis könnten für Blue Apron, natürlich massiv unterstützt durch die Corona-Situation, zum Turnaround führen. Blue Apron könnte man zum gegenwärtigen Zeitpunkt, im Vergleich zu HelloFresh, als risikobehafteter bezeichnen. Das Unternehmen könnte sich dennoch als Alternative für Investoren eignen, die eine Aktie mit einer niedrigeren Marktbewertung favorisieren.

Uber Tech (US90353T1007)

Während es sich bei den ersten beiden Unternehmen um Anbieter präparierter Speisen handelt, welche die Kunden zuhause selbst zubereiten, verursachte die Corona-Krise auch einen starken Nachfrageanstieg nach Lieferdiensten. Von diesem Umstand konnte auch der amerikanische Konzern Uber profitieren. Primär wird Uber von vielen Anleger mit seinem Hauptgeschäft, der Fahrtenvermittlung, assoziiert. Darüber hinaus betreibt Uber aber seit einigen Jahren auch den Dienst „Uber Eats“, über den Kunden Mahlzeiten bei teilnehmenden Restaurants ordern können, welche anschließend von Uber-Kurierfahrer geliefert werden. Über den Verlauf der letzten Jahre war diese Unternehmensdivision immer wieder mit Profitabilitätsproblemen konfrontiert, noch zu Jahresbeginn kursierten Gerüchte über einen möglichen Verkauf der Sparte. Vor der Corona-Krise und den Ausgehbeschränkungen waren Restaurantketten vielerorts nicht willens, die teils hohen Gebühren für den Service zu tragen. Uber Eats konnte seither einige umfassende und medienwirksame Partnerschaften mit größeren Ketten eingehen. Hierzu zählen beispielsweise Dunkin‘ Donuts oder Chipotle, welche beide landesweit und international operieren. Seit Anfang Juni können Uber Eats-Nutzer somit beispielsweise bei über 5.000 Dunkin‘ Donuts-Restaurants ordern. Viele der Analysten an der Wall Street gehen gegenwärtig von einer Verdopplung des ursprünglich angestrebten Jahresumsatzes von circa 350 bis 400 Millionen US-Dollar aus. In diesem Zusammenhang erwies sich Uber Eats für den Mutterkonzern als Segen, das Hauptgeschäft der Fahrtenvermittlung wurde durch Corona stark getroffen. Als Folge der starken Ausweitung der Kooperationen hat Uber den Dienst erweitert und ihn auch in Brasilien, Frankreich, Kanada und Großbritannien verfügbar gemacht, weltweit steigt die Zahl der bedienten Märkte somit auf über 20. Sollte es Uber gelingen, die nun bestehenden, neuen Geschäftsbeziehungen mittelfristig zu halten, könnte sich Uber Eats zukünftig als wichtiger Umsatzgenerator für den Mobilitätskonzern entpuppen.


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