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Impfstoffe: Aussichtsreiche Kandidaten zur Corona-Impfung

Ein Beitrag von Mr. Dow 2 28.08 - 11:39

Zur Bewältigung der globalen Corona-Pandemie wird ein effektiver und sicherer Impfstoff unabding-bar sein. Fieberhaft suchen Pharmazie- und Biotechnologie-Unternehmen weltweit nach einem geeig-neten Vakzin. Die ersten Kandidaten erreichen hierbei die letzte Phase der klinischen Studien. Lohnt jetzt ein Investment?

Wirksamen Impfstoffen kommt zur Überwindung der weltweiten Corona-Krise eine Schlüsselrolle zu. Seit Beginn der Pandemie kommt den Pharmazie-Unternehmen, welche sich im Bereich der Impfstofffindung gegen diese Art von Viren betätigen, ein enormes öffentliches Interesse entgegen. Die Erprobung, Zulassung und Veröffentlichung von Impfstoffen unterliegt jedoch hohen Kontrollstandards und Zulassungsvoraussetzungen, um die Sicherheit der Impfstoffe zu gewährleisten und Nebenwirkungen zu minimieren. Mittlerweile haben diverse Pharma-Unternehmen Impfstoffkandidaten identifiziert und Genehmigungen für Testphasen und Studien erwirkt. Das Unternehmen, dem die Veröffentlichung eines Impfstoffes gelingen würde, könnte sich einem beträchtlichen Absatzmarkt für die Impfung gegenübersehen. Darüber hinaus könnte eine solche Publikation auch mit einem signifikanten Anstieg des eigenen Renommees einhergehen. Aufgrund der hohen Bedeutung einer Corona-Impfung für die globalen wirtschaftlichen Aktivitäten sowie dem allgemeinen öffentlichen Leben soll im Folgenden der aktuelle Fortschritt einiger Unternehmen beleuchtet werden, die zuletzt mit Erfolgsmeldungen aufwarten konnten.

Der in Tübingen ansässigen Gesellschaft CureVac wurde bereits sehr früh mediale Aufmerksamkeit zuteil. Bereits im Januar 2020 hatte Curevac von der CEPI Fördermittel in Höhe von 8,3 Millionen Euro für eine Beschleunigung der Entwicklung und Produktion eines Impfstoffes gegen SARS-CoV-2 zugesprochen bekommen und die Suche nach aussichtsreichen Ansätzen aufgenommen. Am 14. August erfolgte schließlich der Börsengang des Unternehmens, wobei die ursprüngliche CureVac AG als Tochter in die neue niederländische Holding CureVac N.V. eingegliedert wurde. Der Börsengang brachte CureVac rund 245 Millionen US-Dollar ein. Derzeit befindet sich CureVac in Gesprächen mit der Europäischen Kommission über die Bereitstellung von bis zu 405 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffes. Das Ziel des Unternehmens soll bei einer Kapazität von jährlich einer Milliarde Impfdosen liegen, nach einer Erhöhung auf mehrere hundert Millionen Einheiten in der ersten Jahreshälfte 2021 soll das Kapazitätsziel im Jahr 2022 erreicht werden. Der Vertrag mit der Europäischen Kommission wird wirksam, sobald sich der Impfstoff des Unternehmens als effektiv und sicher erweist. Der CureVac-Impfstoffkandidat befindet sich derzeit in der ersten klinischen Studienphase. Die Genehmigung zu dieser Erprobung hatte CureVac im Juni erhalten. Insgesamt umfasst die Studie 168 Versuchspersonen, von denen 144 einer Impfung unterzogen werden. Mit den finalen Ergebnissen der Phase 1 rechnet das Unternehmen im vierten Quartal 2020. Mit dem bisherigen Feedback zeigt sich das Management jedoch sehr zufrieden. Vor allem die geringe Dosierung des potenziellen Impfstoffs, welche pro Dosis bei lediglich 2 bis 6 Mikrogramm liegen soll, könnte sich für das Tübinger Unternehmen als Wettbewerbsvorteil herausstellen, da sich hierdurch sowohl die Produktions- als auch die Vertriebskosten in einem äußerst kompetitiven Preisbereich bewegen könnten. CureVac hat angekündigt, die Impfdosen nicht zum Selbstkostenpreis zu vertreiben, jedoch eine ethisch vertretbare Bepreisung anzustreben. Zu näheren Details äußerte sich die Gesellschaft bisher nicht. Der effiziente Impfstoffansatz und die solide Finanzierungslage, auch die Bundesregierung hat sich über die KfW mit 300 Millionen Euro beteiligt, könnten für CureVac sprechen. Die genauen Ergebnisse der klinischen Phase 1 sollten in den kommenden Monaten weiteren Aufschluss über das Potenzial der Aktie geben.

Die BioNTech AG ist in Mainz ansässig und kooperiert im Rahmen der Suche nach einem Corona-Impfstoff mit dem amerikanischen Pfizer-Konzern. Vergangenen Monat konnten die beiden Partner vorläufig positive Ergebnisse einer Studie an 60 Versuchspersonen vermelden. Die Zusammenarbeit bietet für das vergleichsweise kleine BioNTech, insgesamt beschäftigt die Gesellschaft etwa 1.500 Mitarbeiter, den Vorteil, dass man von den umfangreichen Produktionskapazität Pfizers profitieren könnte. Sofern das derzeit für den Oktober 2020 vorgesehene Zulassungsverfahren planmäßig angestoßen werden kann und erfolgreich verläuft, planen die Partner bis Jahresende eine Produktion von bis zu 100 Millionen Dosen, für das volle Jahr 2021 geht man von einer Produktionsmenge von bis zu 1,3 Milliarden Einheiten aus. Die kostenaufwändige Ausweitung der eigenen Kapazitäten könnte sich BioNTech hierdurch sparen, müsste im Umkehrschluss jedoch auch die Profite mit Pfizer teilen. Als Hauptkandidaten hat das Joint Venture den Impfstoff „BNT162b2“ herausgearbeitet. Aus zwei finalen Kandidaten zeigten die Probanden, welche mit diesem Stoff behandelt wurden, wesentlich weniger und schwächer auftretende Nebenwirkungen. Diese Nebenwirkungen beziehen sich zudem auf Symptome wie Fieber, Schüttelfrost oder Gelenkschmerzen, die zwar temporär Unwohlsein hervorrufen, aus medizinischer Sicht jedoch vergleichsweise wenig gravierend ausfallen. Folgerichtig wurde BNT162b2 in Phase 3 der klinischen Erprobung überführt und wird in näherer Zukunft an weltweit 30.000 Probanden getestet. Bisher wurde der potenzielle Impfstoff bereits 11.000 Probanden in 113 Versuchsgruppen in den USA, Argentinien sowie Brasilien erstmalig injiziert. Die Kooperation mit Pfizer gibt BioNTech Sicherheit, qualifiziert das Unternehmen also eher für risikoaverse Anleger, auch wenn hierdurch das Potenzial des Corona-Impfstoffes geringer ausfällt als bei einigen Wettbewerbern.

Das amerikanische Unternehmen Moderna hat ebenfalls bereits einen Impfstoffkandidaten in der dritten klinischen Phase. Bereits im März hatte die Gesellschaft den aktuell vielversprechendsten Kandidaten „mRNA-1273“ in die erste klinische Phase geschickt und konnte im Mai positive Studienergebnisse vermelden. Über einen Zeitraum von 57 Tagen wurden keine ernsten medizinischen Zwischenfälle registriert und bei allen 45 Testpersonen konnten im Anschluss an die Behandlung neutralisierende Antikörper nachgewiesen werden. Seit Ende Juli läuft mittlerweile Phase 3 der Erprobung. Wie im Falle von BioNTech und Pfizer umfasst diese auch bei Moderna 30.000 Personen. Auch mit Moderna haben Vertreter der EU Sondierungsgespräche bezüglich des Bezugs von Impfstoffdosen geführt und sich nach Möglichkeiten zum Erwerb von 80 Millionen Einheiten, mit einer Option über 80 Millionen weitere Dosen, erkundigt. Wichtiger ist in diesem Zusammenhang jedoch der Abschluss, den Moderna mit der amerikanischen Regierung geschlossen hat. Diese Vereinbarung umfasst eine Summe von 2,5 Milliarden US-Dollar für 100 Millionen Impfdosen und beinhaltet ebenfalls eine Option auf die Lieferung 400 Millionen weiterer Einheiten. Wie CureVac und BioNTech/Pfizer setzt auch das US-Unternehmen auf das Botenmolekül „mRNA“. Die Wirkstoff-Dosis fällt mit 100 Mikrogramm im Vergleich zur Konkurrenz jedoch recht hoch aus. Positiv bewerten könnte man die Finanzierungslage der Gesellschaft. Moderna konnte zum 30. Juni 2020 Kassenbestände, Zahlungsmitteläquivalente und Investments im Umfang von 3,1 Milliarden US-Dollar vermelden. Im Zuge des Eintritts in die dritte klinische Testphase weitete die US-Regierung ihre Zuwendungen an das Unternehmen um zusätzliche 472 Millionen US-Dollar aus. Dieser Umstand erlaubt dem Unternehmen zügige und umfassende Investitionen in Forschung oder Produktionskapazitäten. Wie bei den vorherigen Unternehmen handelt es sich auch bei Moderna um ein junges und kleines Unternehmen. Letztlich wird auch hier der Erfolg des Impfstoffs entscheidend sein, die umfangreichen Investments in das Unternehmen verschaffen jedoch in der kurzen Frist Handlungsspielraum und Flexibilität.


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