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Reproduktionsmedizin: Bevölkerungsrückgang schafft Bedarfe!

Ein Beitrag von Mr. Dow 5 21.11 - 9:48

Arbeit, Haus, Hochzeit und schließlich Kinder – das ist der Plan. Wenn denn alles gut läuft. Der Kinderwunsch ist nach wie vor nicht verschwunden, ihm stehen allerdings Herausforderungen wie Karriere, Urbanisierung und Unfruchtbarkeit in fortgeschrittenem Alter im Weg. Global gesehen werden die rückläufigen Geburtenraten vielerorts problematisch, die Reproduktionsmedizin könnte diesbezüglich jedoch Abhilfe schaffen.
 
Monash IVF Group Ltd
 
 
Hamilton Thorne Ltd
 
 
Vitrolife AB
 

Allgemein wird nach wie vor angenommen, dass wir uns global in einem starken Bevölkerungswachstum befinden, das uns perspektivisch an die Grenzen der verfügbaren Ressourcen drängt, beispielsweise in Bezug auf Nahrungsmittel. Im Rahmen einer im medizinischen Journal „The Lancet“ veröffentlichten Studie stellte eine Forschergruppe der University of Washington jüngst jedoch fest, dass die globale Geburtenrate in einem starken Rückgang begriffen ist. Ende des Jahres 2017 belief sich diese auf einen Wert von 2,37 Geburten pro Frau. Grundlegend bedarf es zum Erhalt einer gleichbleibenden Bevölkerungszahl einer Geburtenrate von 2,1. Die meisten wohlhabenden Staaten weltweit liegen mittlerweile bei Geburtenraten von weit unter 2,1. In Deutschland beträgt der Wert beispielsweise noch lediglich 1,54. Ein krasses Beispiel ist Südkorea mit einem Tiefstwert von aktuell 0,98. Innerhalb einer Generation würde sich die Bevölkerung bei gleichbleibender Rate halbieren. International gehören vor allem die Urbanisierung und der hohe Bildungsgrad von Frauen zu den Hauptgründen. Kinder zu haben wird nicht mehr nur mit einem erfüllten Leben assoziiert, sondern auch mit Kosten. Zudem mangelt es oftmals an staatlichen Voraussetzungen, in Deutschland steht hierfür der Mangel an verfügbaren Kita-Plätzen exemplarisch. So wird die Vereinbarkeit von Familie und Karriere immer mehr negiert und die eigene Verwirklichung präferiert. Auch die Angst vor Scheidung und Alleinerziehung spielt eine wesentliche Rolle, gerade auch in Ländern, in denen im Zuge eines wirtschaftlichen Aufschwungs progressivere gesellschaftliche Normen Einzug finden. Zudem werden die Wege zur Verhütung immer simpler und diverser. Aus staatlicher Sicht sind geringe Geburtenraten sehr problematisch. Rückläufige Steuereinnahmen durch eine Verringerung der Erwerbstätigenzahl oder ein Mangel an Arbeitskräften, speziell auch im Pflegebereich, sind zentrale Probleme einer schrumpfenden Bevölkerungsstruktur. Prognosen zufolge könnte global bis Ende des Jahrhunderts die Zahl der über 80-Jährigen die der Kleinkinder unter fünf Jahren doppelt übersteigen. Die Folgen für das Rentensystem sowie für das Gesundheitswesen sind ebenso einschneidend. Künftig könnten Staaten mit geringen Geburtenraten Maßnahmen der Reproduktionsmedizin massiv finanziell und organisatorisch fördern, um dem Bevölkerungsrückgang entgegenzutreten.

In vielen Gesellschaften rückt der Zeitpunkt des Kinderwunsches zudem immer weiter nach hinten. Die Fruchtbarkeit der Eizellen nimmt mit zunehmendem Alter allerdings ab, die Reproduktionsmedizin kann hier in vielen Fällen jedoch Abhilfe schaffen oder die Erfolgsaussichten verbessern. Künstliche Befruchtung, Samenbanken, Leihmutterschaft und das Eifrieren von Eizellen zollen der Familienplanung ihren Tribut und erfreuen sich weltweit eines wachsenden Bedarfs. Mit 35 bis 40 Jahren besitzen Paare mit Kinderwunsch tendenziell eine höhere Kaufkraft und Zahlungsbereitschaft als jüngere Menschen, darüber hinaus unterstützen viele Unternehmen ihre Angestellten bereits heute finanziell bei der Familienplanung mit reproduktionsmedizinischen Maßnahmen. Aus oben genannten Gründen könnte sich dieser Sektor in den kommenden Jahren einem starken Wachstum gegenübersehen. Ein Blick auf ausgewählte Unternehmen könnte sich für Anleger lohnen:

Vitrolife AB (SE0011205202)

Vitrolife konzentriert seine Geschäftsaktivitäten ausschließlich auf reproduktionsmedizinische Geräte und Zubehör. Gegründet in Schweden, hat das Unternehmen langjährige Erfahrung mit Kryokonservierung – also dem Einfrieren von Zellen -, Präimplantationsdiagnostik- und Testprodukten, Spermaaufbereitung und Nadeln zur Oozytengewinnung. Es ist in Europa, im Nahen Osten, Afrika, Asien und dem gesamten amerikanischen Kontinent tätig. Die Profitabilität des Unternehmens geht zurück auf das Wachstum der In-Vitro-Fertilisation, dieser Markt wächst aktuell jährlich zwischen fünf bis zehn Prozent. So konnte das Unternehmen ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von 16 % in den letzten drei Jahren verbuchen. Indem Vitrolife sein Produktportfolio erweitert hat, war es in der Lage, zusätzliche Marktanteile zu gewinnen. Die Profitabilität des Unternehmens ging im Geschäftsjahr 2019 im Jahresvergleich leicht zurück, lag mit einer EBITDA-Marge von 40 Prozent jedoch immer noch auf ansprechendem Niveau. Das neue Produktsegment „Genomics“ war aufgrund hoher Anfangsinvestitionen für den Rückgang verantwortlich, Anleger sollten die Profitabilität dieses neuen Geschäftsfeld jedoch genauer im Blick behalten.

Monash IVF Group Ltd (AU000000MVF3)

Ein weiteres erwähnenswertes Unternehmen ist Monash IVF. Das in Australien ansässige Unternehmen bietet Servicetätigkeiten im Bereich der reproduktiven Medizin und spezialisierten bildgebenden Diagnostik im Inland und Malaysia an. Hauptarbeitsbereich sind die Diagnose und Behandlung von Unfruchtbarkeit und tertiärer, pränataler Diagnostik- und Ultrasoundservices. Beachtenswert sind auch die Erfolgsraten des Transfers „frischer“ und eingefrorener Embryos. Bei beiden Prozeduren liegt die Erfolgsquote einer Lebendgeburt bei Frauen über 30 bei über 40%. Den größten Erfolg verbucht das Unternehmen jedoch mit PGT (Pre-Implantation Genetic Testing) – der Präimplantationsdiagnostik. Diese Methode steigert das Geburtswahrscheinlichkeit von Frauen im vierten Lebensjahrzehnt auf beinahe 40%, wo die globale Erfolgschance ab diesem Alter mit jedem Jahr radikal abnimmt und rapide auf bis zu unter fünf Prozent sinkt. Die guten Erfolgsraten in beiden Bereichen könnten dem Unternehmen nachhaltigen Kundenzulauf bescheren. Monash IVF ist technologisch gut positioniert, mit einem Jahresumsatz von 145 Millionen australischer Dollar jedoch auch noch ein recht kleines Unternehmen. Die hohen Erfolgsraten und die Profitabilität werden für Investoren mit zunehmendem Wachstum von Interesse sein.

Hamilton Thorne Ltd (CA4078911001)

Hamilton Thorne ist ebenfalls ein Pure Player auf diesem Gebiet: Es operiert als Entwickler, Hersteller und Verkäufer von Präzisionsinstrumenten, Verbrauchsgütern, Software und Services für reproduktionsmedizinische Anwendungen. Zu den Produktsegmenten gehören Laser, die beim Einsetzen künstlich befruchteter Eizellen verwendet werden und bildgebende Analysesysteme, die zum Studium reproduktiver Zellen menschlicher Reproduktion zum Einsatz kommen. Als Resultat der Akquise der Planer Ltd. im August 2019 konnte das Unternehmen im selben Jahr einen starken Umsatzanstieg verbuchen. Mit Hauptsitz im Vereinigten Königreich stellt Planer Ltd. spezifische Brutschränke, Gefrierschränke und Überwachungssysteme her, die sich für die Reproduktionsmedizin besonders eignen. Das Produktportfolio wurde darüber hinaus durch die Einführung des neuen „LYKOS DTS“ Lasersystems erweitert. Das neue System soll sich deutlich leichter implementieren lassen als seine Vorgänger und gleichzeitig deutlich präziser arbeiten, hierdurch erhofft sich Hamilton Thorne weitere Zuwächse an Marktanteilen. Trotz der deutlichen Steigerung des Umsatzes blieb das Unternehmen profitabel. Der Rohgewinn stieg um 15 Prozent auf 19,03 Millionen US-Dollar, auch wenn die Profitabilität durch das margenschwächere Planer-Geschäft leicht zurückging. Durch eine Optimierung des Produktangebots der Neuakquise auf die eigenen Bedürfnisse könnte Hamilton Thorne hier in den kommenden Geschäftsjahren jedoch gegensteuern.


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