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Lebensmittelunverträglichkeiten: Alternativen für die Regale

Ein Beitrag von Mr. Dow 5 01.11 - 16:40

Nichts ist mehr unmöglich: Wer nach glutenfreien Alternativen oder sonstigen Ersatzprodukten sucht, wird heutzutage fündig, und das nicht zu knapp. Ob Backwaren, Süßwaren, Bier oder Babynahrung – die Ausstattung mit glutenfreien und leicht verträglichen Produkten ist vielfältig und unter den Lebensmittelläden ein lukratives Geschäft.
 
ConAgra Brands Inc
 
 
Hain Celestial Group Inc
 
 
John B San Filippo
 

Mehr als 800.000 Menschen leiden in Deutschland laut der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft an Gluten-Unverträglichkeit. Die graduell weniger folgenreiche Gluten-Sensitivität, ist ebenfalls verbreitet. Dazu kommt, dass die vollständige Diagnose oft Jahre in Anspruch nimmt, da die Symptome sehr unterschiedlich ausfallen können. Sie ist also auch in fortgeschrittenem Alter möglich. Laut dem Marktforschungsinstitut research&markets gelten die steigenden Fälle als einer der Hauptgründe für den Aufstieg des Markts. Voraussetzung für den Verzicht ist das allerdings nicht – steigendes Bewusstsein für gesunde Ernährung fördert ebenfalls sowohl Herstellung als auch Angebot. Auch wenn es sich beim Markt für glutenfreie Lebensmittel um das größte Segment handelt, fragen die Verbraucher zunehmend auch Produkte zur Vermeidung weiterer Unverträglichkeiten, beispielsweise Laktose, nach.

Exemplarisch wird der Markt für glutenfreie Lebensmittel global auf eine Marktgröße von 5.6 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll bis 2025 jährlich im Durchschnitt um 8.1 % wachsen, so lautet die Prognose. Beliebt sind vor allem glutenfreie Frühstücksflocken und Riegel, die reich an Nährstoffen sind und somit auch einen Beitrag zur Gesundheit leisten. Laut Statista geben im Jahr 2020 in Deutschland beinah zwei Millionen Menschen an, in den letzten vierzehn Tagen glutenfreie Lebensmittel gekauft zu haben. Der Umsatz mit Backwaren ist bis 2019 um 11 Prozent gestiegen und erobert mit 108 Millionen die Spitze. Bei den Süßwaren ging er um 88 Prozent hoch, auf insgesamt 82 Millionen Euro. Dabei profitieren nicht nur Einzelhändler, sondern auch die Produzenten. 

Hain Celestial Group Inc (US4052171000)

Die Hain Celestial Group, Inc. mit Sitz in Lake Success, New York, ist Hersteller und Verkäufer biologisch erzeugter Lebensmittel und Pflegeprodukte für Nordamerika, das Vereinigte Königreich und Europa. Unter dem Segment „Gluten Free Options“ führt das Unternehmen elf verschiedene Marken auf. Wer beispielsweise auf Süßes nicht verzichten will, ist hier richtig: Dream verkauft zahlreiche, glutenfreie Alternativen zu Milch, Schokolade, Lattes und Frozen Yogurt. Als Basis wird vor allem Reis, Soja und Kokosnuss verwendet. Für alle, die gerne snacken, gibt es bei Garden of Eatin‘ aus Mais verschiedene Sorten Tortilla Chips und Taco Shells. Die Marke Imagine punktet mit Fertigprodukten. Dazu gehören Suppen, Brühen und Soßen. So bedient das Unternehmen die verschiedenen Vorlieben der Nutzer. Das gesamte Produktportfolio der Hain Celestial Group ist auf leicht verträgliche und hochwertige Lebensmittel ausgerichtet und liegt somit im Trend, gerade bei jüngeren Zielgruppen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnten auch die Zahlen der Hain Celestial Group überzeugen. Zwar ging der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 2 Prozent auf 2,05 Milliarden US-Dollar zurück, dieser Rückgang kann jedoch mit Produktionsstopps und unterbrochenen Lieferketten im Zuge des Pandemieausbruchs begründet werden. Die Profitabilität der Gruppe hat sich hingegen verbessert. Das bereinigte EBITDA stieg von 165,1 Millionen US-Dollar auf 200 Millionen US-Dollar. Verbuchte das Unternehmen im Vorjahr noch einen Verlust von 51 US-Cent pro Aktie, so resultierte das Fiskaljahr 2020 in einem Gewinn von 25 US-Cent. Hain Celestial hat einige unprofitable Marken aus dem Sortiment entfernt und scheint seine Zielgruppen zunehmend besser zu identifizieren und zu verstehen. Auch wenn die Corona-Pandemie, und die damit einhergehende zunehmende Heimzubereitung von Speisen im Hauptmarkt Nordamerika, sicher zu den guten Ergebnissen beigetragen haben dürfte, so könnte sich für Anleger ein Blick auf diese Aktie lohnen, auch weil Image und Produktsortiment den Zeitgeist jüngerer Konsumenten treffen und das Kerngeschäftssegment im Wachstum begriffen ist.

John B San Filippo (US8004221078)

Ein weiteres nennenswertes Unternehmen ist die John B. SanFilippo & Son, Inc. Gegründet im Jahr 1959, werden Nüsse im großen Stil verarbeitet und verkauft – Cashews, Erdnüsse, Walnüsse, Mandeln und mehr. Glutenhaltige sowie glutenfreie Produkte werden ausdrücklich gekennzeichnet. Auch bei der Produktion wird auf eine saubere und strickte Segregation geachtet. Verschiedene Nussprodukte eignen sich auch gut zum Ersatz problematischer Zutaten bei Lebensmittelunverträglichkeiten. In der vergangenen Dekade konnte das Unternehmen hierbei stark wachsen. Seit 2009 stieg der Unternehmensumsatz pro Jahr durchschnittlich um 5 Prozent. Der Rohgewinn konnte im Verlauf des gleichen Zeitraums durchschnittlich um 23 Prozent zulegen. Primär bedingt wird dieser Anstieg durch einen neuen Fokus der Unternehmensführung, die seither verstärkt auf das Endkonsumentengeschäft setzt und dieses im Vergleich zum Zuliefergeschäft für andere Lebensmittelproduzenten stärker ausbaut. Dies schlägt einerseits mit höheren Margen zu Buche, andererseits ermöglicht es SanFilippo & Son eine freiere Verfügung und Gestaltung des eigenen Produktportfolios. Hierdurch profitiert das Unternehmen vom wachsenden Bedarf an seinen Produkten als Alternative zu glutenhaltigen Lebensmitteln. Ein weiteres Argument für SanFilippo & Son könnte die hohe Fiskaldisziplin, und damit einhergehende Profitabilität, sein. Aktuell liegt der Return on Invested Capital (ROIC) bei 18 Prozent. Dieser hat sich in den vergangenen 5 Jahren fast verdoppelt und liegt, bereinigt um Marktkapitalisierungswerte, deutlich über dem branchenweiten Schnitt von etwa 7 Prozent. 

ConAgra Brands Inc (US2058871029)

  Auch der Lebensmittelversorger Conagra Brands hat Hersteller glutenfreier Produkte in den Fokus genommen und das Angebot dementsprechend diversifiziert. Das DAVID Energy-Packed Mix ist ein Beispiel dafür. Die Zusammenstellung aus Linsen, Samen und Kichererbsen ist frei von Gluten und dient gleichzeitig als Proteinquelle. Wer dem Studentenfutter nicht widerstehen kann, findet unter der Marke Angie’s BOOMCHIKAPOP das Passende für jeden Geschmack. In den vergangenen Jahren hat der Konzern das Themenfeld Lebensmittelunverträglichkeiten stärker in den Fokus gerückt. Exemplarisch hierfür steht die 10,9 Milliarden US-Dollar schwere Akquise des Konkurrrenten Pinnacle Foods im Jahr 2018, der seinerseits einen bedeutenden Anteil seines Umsatzes mit gluten- und laktosefreien Lebensmitteln erzielte. Im Jahr 2015 hatte Pinnacle seinerseits das Unternehmen Boulder Brothers, einen der größten amerikanischen Produzenten glutenfreier Lebensmittel, für 975 Millionen US-Dollar übernommen. Somit besitzen mittlerweile einige zentrale Marken des Konzerns einen Fokus auf leicht verträgliche Lebensmittel: Gardein, Healthy Choice, Earth Balance sowie udi´s Gluten Free. In den kommenden Monaten könnte die Unternehmensgruppe auch davon profitieren, dass Pinnacle Foods einen Fokus auf verpackte und tiefgekühlte Lebensmittel besitzt. Sofern Corona die Gastronomie und das öffentliche Leben weiter einschränkt, könnten diese Produkte, die sich gut zur Lagerung und Zubereitung zuhause eignen, von gesteigertem Interesse der Konsumenten profitieren.


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