Analyse Aktien Wechselrichter

Wechselrichter: Steigender Solarausbau sorgt für Wachstum!

Ein Beitrag von Mr. Dow 5 21.06 - 16:24

Energiegewinnung aus erneuerbaren Energien wird zunehmend profitabler und so überrascht es kaum, dass der Ausbau der Solarsysteme im Jahr 2019 stark zulegen konnte. Zu den Profiteuren dieser Entwicklung zählen auch die Produzenten von Wechselrichtern. Einige dieser Unternehmen konnten in der jüngeren Vergangenheit bedeutende Absatzsteigerungen erzielen.
 
SMA Solar Technology AG
 
 
SolarEdge Tech
 
 
Enphase Energy Inc
 

Ende des vergangenen Jahres überraschte die amerikanische Energiebilanz dadurch, dass die Energiegewinnung aus erneuerbaren Energiequellen für das Gesamtjahr erstmals seit mehr als 130 Jahren die Energiegewinnung aus Kohle überstiegen hatte. Gleichzeitig wurde ein kritischer Meilenstein erreicht, vor allem die stetig fallenden Kosten für Photovoltaik-Anlagen haben dazu geführt, dass die Erzeugerkosten für Solarstrom mittlerweile deutlich unter den Kosten für die Generierung in Kohlekraftwerken liegen. Der Ersatz von 500 Gigawatt an Kohleenergie durch Solar- und Windenergie würde nach aktuellem Kostenstand jährlich bereits 23 Milliarden US-Dollar einsparen, und 1,8 Gigatonnen an CO2-Ausstoß vermeiden. Für die Produzenten von solchen Systemkomponenten könnte sich hierdurch in Zukunft die Nachfrage stetig erhöhen. Vor allem im Solarbereich könnten die Wettbewerber auch vom Privatmarkt profitieren. Der US-Bundesstaat Kalifornien verlangt seit kurzem, dass gewerbliche und private Neubauten mit Baubeginn nach dem 1. Januar 2020 mit Solarmodulen ausgestattet sein müssen. Wechselrichter sind wesentliche Komponenten bei der Gewinnung von Solarenergie, auch Produzenten dieser Bauteile könnten somit von oben genannten Umständen profitieren, zumal der Markt hier mittlerweile ein stabileres Wettbewerbsgleichgewicht erreicht zu haben scheint.

Enphase Energy Inc (US29355A1079)

Der Fokus der Geschäftstätigkeit von Enphase Energy liegt auf der Produktion und dem Vertrieb von Wechselrichtern sowie einer Cloud-basierten Plattform zur Steuerung der Energiegewinnung, -lagerung und -speicherung. Im Jahr 2018 hatte Enphase den Konkurrenten SunPower erworben. Primär scheint hierbei die Eliminierung eines Wettbewerbers sowie die Akquirierung dessen Kundenstamms im Vordergrund gestanden zu haben, die SunPower-Technologie wird durch Enphase nämlich nicht mehr vertrieben. Stattdessen besitzt das Unternehmen nun die Option, die SunPower-Kunden über den Zeitraum von fünf Jahren mit Wechselrichtern zu beliefern. Auch dieser Umstand dürfte zum beeindruckenden Wachstum der Produktion im vergangenen Jahr beigetragen zu haben. Das erste Quartal 2020 konnte Enphase mit einem Umsatzwachstum von 105 Prozent abschließen und setzte in den drei Monaten 205,54 Millionen US-Dollar um. Gleichzeitig wurde das Unternehmen auch profitabler, die Handelsspanne der abgesetzten Komponenten stieg um 142 Prozent auf eine bereinigte Bruttomarge von 39,5 Prozent, auch als Folge der stark gestiegenen Nachfrage. Gerade diese Entwicklung könnten Investoren auf diesem Geschäftsfeld positiv sehen, da die vergangene Dekade in der Solarenergie geprägt war durch Kostendruck und geringe Gewinnspannen. Enphase zählt aktuell zu den Marktführern auf dem Gebiet der Wechselrichter. Im ersten Quartal konnte das Unternehmen mehr als 2 Millionen Mikroinverter absetzen. Durch die gute Geschäftsentwicklung in der jüngeren Vergangenheit besitzt man mittlerweile zudem ein finanzielles Polster. Aktuell beträgt der Kassenbestand knapp 600 Millionen US-Dollar. Neben der Funktion als Risikopuffer könnte Enphase diese Mittel auch für die Ausweitung des eigenen Produktangebotes verwenden. Durch die neue „Ensemble“-Produktlinie erweitert Enphase sein Angebot um Speicherlösungen und könnte seine potenzielle Kundenbasis hierdurch ausweiten. Insbesondere für Komplettlösungen im Privatbereich könnte das Unternehmen somit künftig noch interessanter werden.

SolarEdge Tech (US83417M1045)

Wie Enphase Energy veröffentlichte auch SolarEdge Technologies kürzlich ein umfassendes System zur Energieerzeugung, -speicherung und Steuerung. Das „EnergyHub“-System lässt sich per App steuern und kann überschüssigen Gleichstrom in Batteriesystemen speichern und diese bei Abgabe später in Wechselstrom umwandeln. Technologisch ist das israelische Unternehmen derzeit ebenfalls gut positioniert. Einer der größten Vorteile von SolarEdge liegt im aktuellen Kundenstamm. In den USA stammen beispielsweise etwa 60 Prozent aller Wechselrichter von diesem Unternehmen. Bedingt durch hohe Umrüstkosten auf Komponenten anderer Hersteller, zeichnet sich der Solarmarkt durch eine hohe Kundentreue aus. Dahingehend hat sich SolarEdge in eine gute Marktposition gebracht, auch weil das bestehende Netz dem Unternehmen beständige Umsätze aus Wartungsaufträgen einbringt. Auch für SolarEdge verlief das vergangene Geschäftsjahr positiv. Die Umsätze konnten um 58,6 Prozent auf 431,2 Millionen US-Dollar gesteigert werden. Ähnlich wie im Fall von Enphase konnte auch SolarEdge seine Profitabilität bedeutend steigern, und beispielsweise auch 107,7 Millionen US-Dollar an Cash-Flow aus dem operationalen Geschäft verzeichnen. SolarEdge ist nach wie vor führend im Bereich der Leistungsoptimierer, welche an das Solarpanel angeschlossen werden und die Energieabgabe vor dem Übergang in den Wechselrichter optimieren. Tendenziell ist das israelische Unternehmen mit seinem technologischen Schwerpunkt hinsichtlich von kommerziellen Großanwendungen variabler aufgestellt als Enphase. Als wichtige Datenschnittstelle sind die SolarEdge-Optimierer zudem gut dazu geeignet, den hohen Marktanteil des Unternehmens bei Solarinstallationen zu behaupten, vor allem in einem Szenario, in dem der Ausbau von Heimenergiespeichern zunimmt.

SMA Solar Technology AG (DE000A0DJ6J9)

Auch das deutsche Unternehmen SMA Solar Technologies konnte im vergangenen Jahr einen neuen Absatzrekord verbuchen. Insgesamt besaßen die abgesetzten Produkte im Jahr 2019 eine Gesamtkapazität von 11,4 Gigawatt, nachdem der Absatz in den Jahren zuvor bei 8,5 Gigawatt stagniert war. Vor allem der starke Umsatz in Deutschland, welches im Jahr 2019 mehr als 2 Gigawatt an Solarenergie ausgebaut hat, sorgte für diese positive Entwicklung und nährt für die Zukunft die Hoffnung, dass der Hauptabsatzmarkt weiterwächst. Derzeit verzeichnet die Gesellschaft zudem noch einen Auftragsüberhang in Höhe von 395 Millionen Euro. In den USA profitierte man vor allem auch von den Sanktionen gegen Huawei. Der Start in das aktuelle Geschäftsjahr scheint ebenfalls gelungen, nach dem Ergebnis des ersten Quartals bestätigte die Unternehmensführung die Jahresziele, welche sich unter anderem auf einen Gesamtumsatz von 1 bis 1,1 Milliarden Euro belaufen. Den endgültigen Effekt der Corona-Pandemie sollte man erst nach dem zweiten Quartal abschätzen können. Technologisch versucht sich SMA Solar neben der Produktion von Wechselrichtern zunehmend auch in der Netztechnik zu etablieren. Gemeinsam mit der EnBW-Tochtergesellschaft „Netze BW“ ist man an einem Pilotprojekt im Rahmen der Digitalisierung der Stromnetze beteiligt. Die zunehmende dezentrale Einspeisung von Energie in die öffentlichen Netze verursacht einen steigenden Datenbedarf. SMA Solar möchte in diesem Zusammenhang Systeme zur Zustandserfassung von Netzen entwickeln. Neben einer Erweiterung des eigenen Produktportfolios würde der Vertrieb dieser Lösung, vor dem Hintergrund der Energiewende auf dem deutschen Markt, auch ein großes Absatzpotenzial auf dem Heimatmarkt eröffnen. Auch Beratungsdienstleistungen wären hierdurch künftig möglich, da SMA Solar hinsichtlich der Datenerfassung genaue Informationen zur Auslastung und Kapazitätsplanung von Netzen liefern könnte. Mit Blick auf Solarinstallationen versucht sich das Unternehmen ebenfalls clever zu positionieren. Die SMA-App ermöglicht es Monteuren, den Status und weitere technische Daten installierter Anlagen zu verfolgen. Diese Möglichkeit könnte den Wartungsaufwand und die Überwachung installierter Systeme gerade für Privateigner künftig senken und somit potenziell als weiteres Kaufargument dienen.


DruckversionArtikel melden

0 Kommentare Kommentar verfassen

x